Münchner Expertin äußert sich
Obdachlos oder Bettel-Mafia? So erkennt man den Unterschied
Aktualisiert am 04.08.2026 – 19:01 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine Frau bettelt am Straßenrand (Symbolbild): Nicht allen Menschen in München auf der Straße ist allerdings geholfen, wenn man ihnen Geld gibt. (Quelle: IMAGO/Joko/imago)
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Viele Menschen wollen Bettlern helfen. Doch nicht jeder, der in München auf der Straße um Geld bittet, ist tatsächlich obdachlos.
Das Phänomen aggressiver Bettel-Banden ist aus vielen Großstädten bekannt – München macht da keine Ausnahme. Die Spendenbereitschaft vieler Menschen ist hoch, besonders an kalten Tagen. Wer scheinbar direkt vor der eigenen Haustür auf dem Gehweg sitzt, bekommt dann besonders oft Geld zugesteckt.
„Hier muss man aufpassen“, sagt Anja Sauer. Sie hat die Münchner Obdachlosenhilfe „Aktion Brücke“ gegründet und beschäftigt sich seit Jahren mit der Szene. Nach ihren Angaben sitzen auf Münchens Bürgersteigen und vor Supermärkten häufig nicht „normale“ Obdachlose, sondern organisierte Bettlergruppen. Die gesammelten Spenden dürften die Bettler laut Sauer meist nicht behalten. Das Geld werde ihnen abgenommen und fließe nach ihren Worten in kriminelle Strukturen.
Im Gespräch mit t-online erklärt die Expertin, woran Passanten erkennen können, wem sie guten Gewissens Geld geben – und wann Vorsicht geboten ist.
Exerpertin: „Obdachlose meiden belebte Orte“
Einer der Brennpunkte, an denen Händler und Anwohner nach wie vor gehäuft bettelnden Personen begegnen, sind die Straßen rund um den Hauptbahnhof, aber auch am Laimer Platz. Dass sich Münchner Wohnungslose an diesen Orten aufhalten, sei eher unüblich, weiß Anja Sauer:
„Die Mitglieder der Bettel-Banden sitzen immer an sehr belebten Plätzen, mitten in der Stadt. Obdachlose hingegen meiden lebhafte Orte und leben lieber zurückgezogen“, sagt sie. „Sie sind froh, wenn sie ihre Ruhe haben und ein paar Stündchen schlafen können“.
Besonders auffallend: Keiner der rund 550 Obdachlosen, die Sauer mit der „Aktion Brücke“ regelmäßig in München auf der Straße betreue, habe ein „Ich habe Hunger“-Schild vor sich stehen. Dies sei nur unter Mitgliedern von „Bettel-Banden“ üblich, macht sie deutlich. Der Wortlaut auf den Schildern sei hier beinahe immer identisch. Auch das sehr forsche Ansprechen und das verbale Erbetteln von Geld sei für Obdachlose untypisch.
„Spätestens, wenn man die Menschen fragt, ob sie etwas zu essen möchten und sie stattdessen vehement Geld einfordern, ist das ein klares Zeichen für Bandenkriminalität“, weiß die Münchner Expertin.
„Bettler sind die Ärmsten der Armen“
Natürlich hätten auch die Bettler, die den vorwiegend rumänischen Banden in München angehören würden, ein trauriges Schicksal: „Die Menschen, die zum Betteln auf der Straße ausgesetzt werden, sind wirklich die Ärmsten der Armen. Dahinter steht eine riesengroße Organisation“, berichtet Anja Sauer. Diese Leute würden zum Betteln gezwungen und dürften nichts von den „erwirtschafteten“ Spenden für sich behalten. Auch Essen oder Sachspenden dürften sie nicht entgegennehmen.

