Ein „immersives Erlebnis“ nennt das Georg Waibel vom Studio Vierkant. Die Räume zu betreten heißt: eintauchen in die Kunst. Das beginnt schon im Flur, den im ersten Stock die Malermeisterin Christine Schönherr in einen dunklen Aubergineton und ein helles Gelbgrün getaucht hat – allerdings nicht entlang der bestehenden Grenzen von Fußboden und Wänden. Hände, gemalt von Anna Ingerfurth, ragen daraus hervor. 

Im nächsten Stock ist der Flurbereich poppig rot. „Listen“, also „höre“, steht über einem gemalten, grauen Tastentelefon, das mit seinem hohen Sockel verschwimmt, darüber ein Ohr. Auf Ebene 3 blickt einem die schwarze Silhouette eines Mannes entgegen, eine Zielscheibe auf dem Körper. Irgendwo liegt ein Scharfschütze am Boden, gegenüber suchen zwei Hasen das Weite, ebenfalls mit Zielscheibe – wie in einem Computerspiel. Dunkel wie eine Höhle ist der Flur der vierten Etage. „Jakob, der Bruder“ nennt sich der Künstler, dessen braune Formen Wände, Decke, Fußboden überwuchern bis hin zu einer gläsernen Trennwand, die von einer früheren Zahnarztpraxis hier stehengeblieben ist. 

Verwirrende Vielfalt

Viele der beteiligten Künstler:innen kommen wie Studio Vierkant aus dem Streetart-Bereich. Doch die Grenzen sind fließend. Sebastian Mueh etwa, ein Sprayer, hat soeben seine Diplomarbeit an der Stuttgarter Kunstakademie mit Bestnote bestanden. Mit grauen, verwischten Farbflächen will er auf den Genozid in Gaza hinweisen. Eine politische Arbeit, der man dies freilich nicht auf den ersten Blick ansieht, da sie das Nicht-Darstellbare, das Verschwinden und Verschweigen thematisiert.