Im Juli sind am Düsseldorfer Universitätsklinikum erstmals zwei sogenannte autologe Blutstammzelltransplantationen bei Fällen von Knochenmarkkrebs teilstationär durchgeführt worden. Das heißt, dass die Menschen mit Multiplem Myelom teilweise auch ambulant behandelt werden konnten. „Das ist nur in ganz wenigen Kliniken in Deutschland möglich“, heißt es von der UKD. Im Großraum Düsseldorf sei die Behandlung in der Form zum ersten Mal angewandt worden.
Das neu entwickelte Konzept bedeute für Betroffene kürzere Klinikaufenthalte. „Die beiden Patienten konnten die gesamte Therapie ganz ohne stationären Krankenhausaufenthalt absolvieren und verbrachten die Nächte in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung.“ Der teilstationäre Ansatz sei ein wichtiger Meilenstein für die Versorgung von Patienten mit Multiplem Myelom.
Bei der autologen Blutstammzelltransplantation werden Blutstammzellen eingesetzt, die man den Patienten zuvor selbst entnommen hat. Sie wird vor allem bei jüngeren und körperlich belastbareren Patienten genutzt. Nach einer hoch dosierten, speziellen Chemotherapie werden zuvor gewonnene körpereigene Blutstammzellen zurückgegeben. Diese sorgen dafür, dass sich das blutbildende System nach der intensiven Behandlung wieder regenerieren kann.
„Die Therapie gilt als sehr wirksam, ist jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Während der Phase nach der Hochdosistherapie kommt die Blutbildung für einige Tage nahezu vollständig zum Erliegen. Dadurch besteht ein hohes Risiko für Infektionen und Blutungskomplikationen“, erklärt Sascha Dietrich, Direktor der UKD-Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie. „Zusätzlich können Nebenwirkungen an den Schleimhäuten, der Leber oder dem Magen-Darm-Trakt auftreten. Aus diesem Grund werden autologe Blutstammzelltransplantationen traditionell stationär durchgeführt – meist mit einer Krankenhausverweildauer von etwa drei Wochen.“
Unter der Leitung von Sascha Dietrich hat das Ärzteteam nun ein Konzept entwickelt, das eine sichere teilstationäre Durchführung der anspruchsvollen Therapie ermöglicht. Dafür habe man auch neue organisatorische Voraussetzungen schaffen müssen.
Eine Schlüsselrolle spiele das Pflegeteam um Janet Goetzie und Stefanie Schmidt. Das habe ein speziell auf die Patientengruppe zugeschnittenes Betreuungskonzept entwickelt und die sicher durch die Behandlung begleitet. Die ärztliche Betreuung erfolgte durch das Team der Knochenmarkstransplantationsambulanz unter der Leitung von Guido Kobbe. Das Neue: Die Patienten wurden täglich in der Ambulanz untersucht und behandelt. Anschließend konnten sie wieder über Nacht nach Hause in ihre vertraute Umgebung zurückkehren. Für Notfälle stand rund um die Uhr eine telefonische Rufbereitschaft der Klinik zur Verfügung.
„Ein weiterer wichtiger Baustein des Behandlungskonzeptes war eine spezielle Kältebehandlung der Mundschleimhaut während der Chemotherapie. Dadurch konnten bei beiden Patienten schwere Entzündungen im Mund verhindert werden – eine häufige und belastende Nebenwirkung dieser Therapie, die auch die Nahrungsaufnahme stark einschränken kann“, erklärt Guido Kobbe.
Gleichzeitig nahmen beide Patienten an einer klinischen Studie teil, in der ihre Vitalparameter mithilfe tragbarer Sensoren (sogenannte Wearables wie man sie zum Beispiel auch von Smartwatches kennt) kontinuierlich erfasst wurden. Die Daten werden auf einem sicheren Server des Uniklinikums gespeichert und mithilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet. Ziel des Projekts ist es, künftig ein digitales Frühwarnsystem zu etablieren, das Komplikationen frühzeitig erkennt und damit die ambulante Durchführung komplexer Zelltherapien weiter absichert.
„Nach den erfolgreichen ersten Behandlungen werden bereits weitere Patientinnen und Patienten für das teilstationäre Programm ausgewählt“, heißt es von der Klinik. Langfristig soll das Konzept auch auf andere moderne Zelltherapien am UKD ausgeweitet werden.