Wohl selten hat ein Termin des Augsburger Sommerferienprogramms schon im Vorfeld so große Wellen geschlagen wie dieser: Die Drag Queen Vicky Voyage liest Kindern im Grundschulalter am Mittwoch, 5. August, in der Stadtbücherei Geschichten vor. Ein AfD-naher Jugendverein hat bei der Stadt nun eine Kundgebung gegen die Veranstaltung angemeldet. Dagegen wiederum hat sich eine Kundgebung aus dem linken Lager formiert.
Lesung von Drag Queen in der Augsburger Stadtbücherei sorgt für Debatte
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Sommerleseferienclubs der Stadtbücherei statt. Leiterin Tanja Fottner möchte auf diesem Weg Werte wie Toleranz, Respekt und Wertschätzung schon an Kinder im Grundschulalter vermitteln. Entsprechend sei die Lesung altersgerecht konzipiert. Start ist um 15.30 Uhr. Drag Queens sind meist, aber nicht immer, Männer, die unter anderem im Rahmen von künstlerischen Auftritten Weiblichkeit darstellen oder parodieren.
Von der Augsburger AfD kam schon früh Gegenwind. Fraktionschef Andreas Jurca sagt, Kinder benötigten eine „unbescholtene Kindheit“, aber keine „woke-ideologische Indoktrination“. Gegen die Lesung will nun offenbar der Verein „Alternatives Jugendzentrum Augsburg“ (Aljuza) demonstrieren. Dessen Zweck ist nach eigener Aussage „die Förderung der politischen Bildung und des demokratischen Engagements junger Erwachsener“. Tatsächlich handelt es sich um ein Nachwuchsprojekt einiger AfDler aus dem Raum Augsburg. In führender Position ist dort auch ein Mitarbeiter von Andreas Jurca tätig, der vor drei Jahren wegen Vergewaltigung verurteilt worden war.
Unterstützt wird der Verein Aljuza von Mitgliedern der Bürgerinitiative „Augsburg steht auf“, die sich am Mittwoch ab 15 Uhr ebenfalls am Ernst-Reuter-Platz einfinden wollen. „Obszöne Köperkult-Ideen“, heißt es in dem Aufruf, hätten „in Kinderbüchereien nichts verloren“.
Linke wollen Lesung von Drag Queen in Augsburg vor „rechten Übergriffen“ schützen
Bereits um 13 Uhr wollen sich am Ernst-Reuter-Platz auch Mitglieder des linken „Roten Zentrums Weichenberger“ einfinden, um wiederum gegen die „queerfeindliche“ Kundgebung von Aljuza und anderen Gegnern der Lesung auf die Straße zu gehen. „Wir werden die Lesung sowohl vor rechten Übergriffen und Störversuchen schützen, als auch den Rechten nicht unbeantwortet die Straße überlassen, um ihren fundamentalistischen und sexistischen Müll zu verbreiten“, so die Organisatoren.
Laut Stadt sind zu den Kundgebungen von beiden Seiten je rund 50 Teilnehmer gemeldet. Die Polizei sprach am Dienstagabend nach weiteren Ankündigungen bereits von rund 200 erwarteten Teilnehmern.