Stromkrise in Europa
Vor diesem Szenario warnen Forscher schon lange
05.08.2026 – 12:56 UhrLesedauer: 4 Min.
Atomkraftwerk Paks in Ungarn: Die Donau-Dürre bringt die Stromversorgung in Osteuropa an ihre Grenzen. (Quelle: Janos Kummer/getty-images-bilder)
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Die Dürre in der Donauregion verursacht in Osteuropa eine Stromkrise. Davor warnen Energieexperten schon seit einiger Zeit. Doch es gibt Lösungen.
Mittlerweile zeigen viele Daten schon jetzt die Auswirkungen des Klimawandels: Temperaturen, Extremwetterphänomene, Artensterben – sie alle zeichnen ein klares Bild. Forscher weltweit sind sich einig, was sie bedeuten. Genauso einig ist man sich auch darüber, was die Antwort sein muss: Die Menschheit muss aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrauchen.
Die Alternativen sind auch längst bekannt: Die erneuerbaren Energien sollen im Wesentlichen das fossile Zeitalter ablösen und so die Erderwärmung begrenzen. Die Wasserkraft hat den größten Vorteil, da die an den Flüssen angedockten Kraftwerke jeden Tag rund um die Uhr laufen können – also grundlastfähig sind. Flankiert werden sollen diese Technologien in vielen Ländern noch durch die Atomenergie, die kohlenstoffarmen Strom produziert und genauso grundlastfähig ist.
Donau-Dürre zeigt: Auch Atom- und Wasserkraft können ausfallen
Die Grenzen dieses neuen Systems hat die Donau-Dürre jedoch in den ersten Augusttagen gnadenlos offengelegt. Die Donau trocknet aus, die Pegel sinken so stark, dass Atomkraftwerke in Ungarn und Rumänien vor der Abschaltung stehen. Noch dazu fallen Wasserkraftwerke in der gesamten Region aus, insgesamt stehen in Südosteuropa in der ersten Augustwoche nur 60 Prozent der normalen Stromerzeugungskapazitäten zur Verfügung. Auch in Österreich und der Schweiz, die besonders viel Wasserkraft nutzen, fiel die Stromerzeugung aus dieser Quelle um fast 50 Prozent.
Witterungsbedingte Ausfälle waren immer schon die Achillesferse der Erneuerbaren. In diesen Tagen zeigt sich, dass das auch die Schwachstelle bei Atom- und Wasserkraft sein kann.
Wetterbedingte Atomkraftausfälle steigen um 300 Prozent
Vor diesen Gefahren warnen Forschende schon seit Jahren. Auch die Internationale Atomenergiebehörde International Atomic Energy Agency (IAEA) warnt seit mindestens 2021 regelmäßig in seinen Jahresberichten davor, dass Kernkraftwerke vermehrt vom Netz gehen müssten, wenn sie nicht an die neuen klimatischen Bedingungen angepasst werden.
Allein zwischen 2009 und 2019 kam es den IAEA-Daten zufolge fast 4.000-mal zu wetterbedingten Ausfällen von Atomkraftwerken. Zwischen 1990 und 1999 waren es unter 900-mal. In diesem Zeitraum (1990 bis 2019) ist die Anzahl der weltweit installierten Atomkraftwerke weitgehend konstant geblieben, mehr Vorfälle gehen also nicht auf mehr AKW insgesamt zurück. Die meisten Ausfälle, laut IAEA sind es drei Viertel, betrafen Kraftwerke, die an Flüssen oder Seen stehen.
Bisher hatten die Drosselungen oder Ausfälle weniger mit Wasserknappheit zu tun. Vielmehr mussten die AKW zurückfahren, da ansonsten die Temperaturen in den angrenzenden Flüssen zu stark steigen würden, was die dort lebenden Tiere und Pflanzen gefährden würde. In Frankreich und der Schweiz sind diese Meldungen mittlerweile zum jährlichen Standard in den Sommermonaten geworden. Atomenergie-Befürworter wie auch der IAEA beklagen dann die strengen Umweltauflagen, ohne die der Betrieb der Kraftwerke ungestört verlaufen würde.
