Vor dem Asylheim in der Inninger Straße im Augsburger Stadtteil Haunstetten liegen am Mittwoch keine Blumen. Zwei Menschen, die hier wohnten, wurden gewaltsam aus dem Leben gerissen. Doch offenbar kannte die Opfer im Viertel kaum jemand gut genug, um sichtbare Zeichen der Trauer zu hinterlassen. Berührungspunkte zu der Welt, die sich hinter der Eingangstür zu dem Haus mit der gräulichen Fassade auftat, scheinen nur wenige Menschen von außerhalb gehabt zu haben. 17 Männer waren hier zuletzt untergebracht, sie stammen aus Somalia, der Türkei, aus Pakistan, Syrien, Mali, Afghanistan, Irak, Eritrea. Einer von ihnen war nach Recherchen unserer Redaktion Mohamad K., 29 Jahre alt, ein Syrer. Er soll, davon gehen die Ermittler aus, zwei andere Männer umgebracht haben. Inzwischen werden weitere Details zu dem Verdächtigen und den Umständen der Tat bekannt.
Wie berichtet, war die Polizei am Montag auf zwei Leichen gestoßen und daraufhin mit einem Großaufgebot zu dem Gebäude geeilt. Der Einsatz dauerte bis tief in die Nacht und ging am Dienstag in den frühen Morgenstunden weiter; teils standen gut ein Dutzend Polizeiautos vor dem mutmaßlichen Tatort, Beamte der Spurensicherung gingen ein und aus, ebenso Kripo-Ermittler in Zivil. Nach ersten Informationen der Polizei soll ein 29 Jahre alter Mann einen 39-Jährigen mit syrischer sowie einen 54-Jährigen mit irakischer Staatsangehörigkeit umgebracht haben. Noch am Montag wurde der Verdächtige festgenommen; inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigt.
Tötungsdelikte in Augsburg: Kripo ermittelt in Asylunterkunft im Stadtteil Haunstetten
Viel zu dem Beschuldigten ist bislang nicht bekannt. Mohamad K. soll, so heißt es, in Aleppo im Norden Syriens aufgewachsen sein, er lebt wohl schon seit Jahren in Deutschland. Im sozialen Netzwerk Facebook hat er unter einem anderen Namen ein Profil eröffnet; viel gibt er dort nicht von sich preis. Ein Foto zeigt ihn vor einigen Jahren mit angespanntem, muskulösem Oberarm in einer Umkleide, möglicherweise der eines Fitnessstudios. Aus dem Umfeld der dezentralen Asylunterkunft in Augsburg heißt es, dass es in dem Gebäude öfter mal Ärger gegeben habe unter den wohl größtenteils jungen Männern, die auf engem Raum miteinander auskommen mussten.
Augsburger Polizei findet zwei Leichen: Die Bilder vom Großeinsatz in Haunstetten

Im Umfeld eines Asylheims im Augsburger Stadtteil Haunstetten soll es zu einem Tötungsdelikt gekommen sein. Die Polizei hat am Montag zwei Leichen gefunden.
Es deutet vieles darauf hin, dass Mohamad K. in den vergangenen Wochen und Monaten im Mittelpunkt mancher Konflikte und Streitigkeiten stand; bestätigt ist dies derzeit aber nicht. Die beiden Opfer sind aber nach Informationen unserer Redaktion weitere Bewohner der Unterkunft gewesen. Als die Beamten am Montagmittag offenbar wegen einer Vermisstenmeldung zu dem Gebäude in der Inninger Straße eilten, machten sie einen grausigen Fund: Der Täter hatte die Leichen der beiden getöteten Männer dem Vernehmen nach in einen der Müllcontainer verfrachtet.
Wer die beiden Getöteten sind – dazu gibt es derzeit noch keine näheren Angaben. Die Polizei hat sie identifiziert; die Opfer müssen Angehörige gehabt haben, Freunde, ein Leben. Doch was dazu führte, dass sie so brutal umgebracht wurden, ob es überhaupt einen konkreten Anlass gab, ist zu derzeitigem Zeitpunkt ein Rätsel. Auch ist offen, wann sie getötet wurden – und wo. Vieles spricht dafür, dass der Täter sie in den Räumen der Unterkunft selbst attackierte. Aber gesichert ist dies bislang wohl nicht. Zu einer Tatwaffe nennen die Ermittler derzeit ebenfalls keine Details.
Vorwurf zweifacher Totschlag: Polizei nimmt Mohamad K. in München fest
Nach Auskunft der Polizei wurde der 29-jährige Verdächtige am Dienstag in der Innenstadt von München festgenommen. Was er dort tat: unklar. Aktuell laufen die Ermittlungen wegen zwei Fällen des Totschlags. Möglich, dass sich dies noch ändert und die Staatsanwaltschaft die Taten wegen neuerer Erkenntnisse irgendwann als Morde wertet. Eine wichtige Rolle im Verfahren dürfte auch die Frage spielen, ob der Verdächtige möglicherweise psychisch krank ist. Es heißt, dass Mohamad K. sich bereits in der Vergangenheit gegenüber Mitbewohnern im Asylheim auffällig verhalten haben soll.
Die Asylunterkunft selbst ist auf unbestimmte Zeit geschlossen, die Bewohner sind in anderen Gebäuden untergekommen. Vor dem Gebäude flattert ein Absperrband der Ermittler; die Eingangspforte ist zu. Bis die Polizei den Tatort wieder freigibt, wird niemand in dem Haus leben. Florian Engert, der Anwalt von Mohamad K., wollte zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten abgeben.