Nach monatelangen Verzögerungen und einer fast ein Jahr andauernden Hängepartie hat die Regierung von Oberbayern in dieser Woche das sogenannte Übergangswohnheim in Ismaning in Betrieb genommen. Am Montag sind in den umgebauten Bürokomplex an der Max-von Eyth-Straße die ersten Bewohner eingezogen, im Laufe der nächsten Monate sollen weitere folgen. Vorbehalten sind die insgesamt 66 Zimmer deutschstämmigen Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern sowie jüdischen Emigrantinnen und Emigranten aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Zudem kommen in dem Gebäude Menschen unter, die über humanitäre und politische Aufnahmeprogramme der Bundesrepublik nach Deutschland kommen.

Zu diesem Personenkreis zählen überwiegend ehemalige afghanische Ortskräfte und ihre Familienangehörigen, wie die Regierung von Oberbayern mitteilt. Letztere mussten nach dem schnellen Abzug von US-Militär und Bundeswehr sowie der Machtübernahme durch die Taliban vor fünf Jahren um Leib und Leben fürchten. Die Unterkunft ist auf maximal 190 Plätze für Familien und Alleinstehende ausgelegt.

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Personen, die in sogenannten Übergangswohnheimen der Regierung von Oberbayern leben, sind keine Asylsuchenden im herkömmlichen Sinn. Sie müssen kein entsprechendes Verfahren mehr durchlaufen, denn sie haben bereits bei ihrer Einreise ein Aufenthaltsrecht in Deutschland, direkt Zugang zum Arbeitsmarkt und dürfen privat eine Wohnung beziehen. Bis ihnen das gelungen ist, können sie in einer vom Freistaat bereitgestellten Unterkunft übergangsweise einen Platz finden.

Dass dies vielfach angesichts der angespannten Situation auf dem Mietmarkt in ganz Oberbayern kaum möglich ist, weiß die Bezirksregierung, wie ihr Sprecher Wolfgang Rupp auf Anfrage einräumt. Man bemühe sich freilich, Rücksicht zu nehmen, und biete Unterstützung an, wobei das nicht in jedem Einzelfall möglich sei. Allerdings habe man in der Vergangenheit festgestellt, dass – je näher der Termin für den Umzug komme – mehr Betroffene doch eine Wohnung fänden.

Gegen die Unterbringung hatte sich Protest rund um einen Kandidaten der Partei „Die Basis“ formiert

In der Gemeinde im Münchner Norden hatte sich nach dem Bekanntwerden des Vorhabens im Herbst 2024 Protest formiert. Im Umfeld des früheren Landtagskandidaten Udo Kappelmaier und dessen von Politologen als nach rechts offen eingestuften Partei „Die Basis“, gründete sich eine Bürgerinitiative (BI). Diese schürte mit Flugblättern Ängste und griff dabei auch auf die Zusammenarbeit mit der in weiten Teilen rechtsextremen AfD zurück.

Dass das Heim nun zu Beginn der Sommerferien bezogen wird, sei etwas kurzfristig mitgeteilt worden, sagt Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD). Man erreicht ihn telefonisch im Urlaub. Gerade was die Betreuung und Beschulung der Kinder und Jugendlichen angeht, sei das eine große Herausforderung. „Unsere Kitas und Schulen sind voll. Aber wir werden natürlich versuchen, für sie den reibungslosen Übergang hinzubekommen“, kündigt Greulich an, nicht ohne darauf zu verweisen, „dass wir nicht das erste Mal von der Regierung von Oberbayern irritiert sind“.

Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) will in Ismaning für eine Eingliederung der ankommenden Kinder und Jugendlichen sorgen.Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) will in Ismaning für eine Eingliederung der ankommenden Kinder und Jugendlichen sorgen. Claus Schunk

Mehr will der Bürgermeister dazu nicht sagen, dürfte damit aber auf die lange Ungewissheit anspielen, wie es mit dem Übergangswohnheim am Ort weitergeht. Regierungssprecher Rupp gibt sich dagegen pragmatisch: Für die Kommunen komme der Bezug von Übergangswohnheimen „nicht überraschend“, man sei immer in „intensiver Abstimmung“. Zudem werde den Städten und Gemeinden geholfen, wenn es um Schulen und Kitas gehe. So gebe es vom Freistaat finanzielle Förderprogrammen.

Bestehende Übergangswohnheime, wie zum Beispiel in Eichstätt, Ingolstadt oder Vaterstetten, müssten aus Spargründen und auch wegen auslaufender Mietverträge geschlossen werden, heißt es vonseiten der Regierung. Für die Betroffenen bedeutet dies, dass sie nun nach Ismaning umziehen müssen, wenn sie nicht rechtzeitig eine Wohnung finden. Und das im schlimmsten Fall mit erheblichen Konsequenzen: dem Verlust des Arbeitsplatzes und dem Herausreißen von Kindern aus ihrem sozialen Umfeld in Tagesstätten oder Schulen.

Ende Januar 2025 mobilisierte der Verein „Ismaning bleibt bunt“ mehr als 300 Menschen für eine Mahnwachse gegen einen AfD-Stand vor dem geplanten Übergangswohnheim.Ende Januar 2025 mobilisierte der Verein „Ismaning bleibt bunt“ mehr als 300 Menschen für eine Mahnwachse gegen einen AfD-Stand vor dem geplanten Übergangswohnheim. Johannes Simon

Die Räume in der neuen Unterkunft in Ismaning sind nach Angaben der Regierung von Oberbayern einfach und zweckmäßig ausgestattet: Es gibt Gemeinschaftsküchen, einen Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschinen und Trocknern, draußen einen Kinderspielplatz sowie überdachte Fahrradabstellplätze. Betreut wird das Heim durch einen Verwaltungsdienstleister, die Caritas München und Oberbayern ist für die Flüchtlings- und Integrationsberatung vor Ort zuständig. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich per E-Mail an alveni-ismaning@caritasmuenchen.org wenden.