Nicht nur heutigentags dient den Bürgern der Stadt das Baden zu Abkühlung an heißen Tagen. Das war auch in früheren Zeiten so. Im 18. Jahrhundert wurden hierfür in Augsburg besonders die Lechkanäle genutzt. Der Schwalllech verlief vor dem Nonnenkloster St. Ursula und war der bevorzugte Badeplatz zwischen den Mauern, wie ein zeitgenössischer Kupferstich von Simon Grimm zeigt. Die ausgelassenen und meist nackten Badenden störten aber nicht nur die Nonnen, sondern verstießen auch gegen die Moralvorstellungen der reformierten Obrigkeit. Bürgermeister Langenmantel nahm 1707 die Sache sogar selbst in die Hand und versuchte, zeternd und mit einem Stock auf Badende einprügelnd, die unerwünschte Handlung zu unterbinden.
Verfasser war ein anonymer Autor des 18. Jahrhunderts
An diese sommerliche „Szene“ und andere Ereignisse des einstigen Augsburger Stadtlebens erinnert gerade das Bayerische Hauptstaatsrchiv in München in einer kleinen Ausstellung. „Feste, Freizeit und Geselligkeit im Augsburg des 18. Jahrhunderts: ,Das Augspurgische Jahr ein-mahl‘“ basiert auf einem mehrseitigen Gedichts, dem der Titel der Schau entlehnt ist: „Das Augspurgische Jahr einmahl, oder Kurze Beschreibung alles dessen, was durch das gantze Jahr einmahl in Augspurg zu sehen oder zu begehen“. Darin schildert ein anonymer Autor des 18. Jahrhunderts den Jahresablauf in der Reichsstadt Augsburg und präsentiert Monat für Monat einen Überblick über Bräuche, Traditionen und Gewohnheiten ihrer Bewohner.
Die Ausstellung bietet Einblicke in die Begebenheiten, die hinter den im „Jahreinmahl“ idealtypisch dargestellten Ereignissen stehen. Vorgestellt werden Reibungspunkte, Konflikte, vor allem aber auch die schönen Momente im Alltagsleben der Reichsstadt. Erarbeitet wurde die Ausstellung unter Federführung von Erik Hihler im Rahmen der Ausbildung an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern.
Gerade auch beim Glücksspiel gab es Regelungsbedarf
Über das Jahr hinweg werden im „Jahreinmahl“ vier Themenbereiche behandelt. Den Auftakt macht die Geselligkeit mit Besuchen in Gastwirtschaften oder Zusammenkünften im privaten Kreis. Beliebte Ziele waren die knapp außerhalb der Stadtmauern gelegene Wirtschaft auf dem Bach oder das Jägerhäusl im heutigen Siebentischwald, letzteres bereits auf kurbayerischem Boden. Obrigkeitlicher Regelungsbedarf ergab sich dabei nicht nur bei Speis und Trank, sondern vor allem auch beim Glücksspiel.
Ein zweiter Themenbereich waren die Freizeitbeschäftigungen, die schon damals der Erholung und körperlichen Betätigung dienten. Die Wintermonate prägten Fahrten auf Pferdeschlitten oder Schlittschuhlaufen. In der warmen Jahreszeit unternahm man Ausflüge und Spaziergänge ins Umland, an den Hirschgraben oder zu Schießplätzen, oder ging baden.
Schließlich gliederten kirchliche und weltliche Feste und Feiern den Jahreslauf. Religiöse Feste wurden häufig durch Jahrmärkte, Festessen und gesellige Veranstaltungen ergänzt. Umgekehrt wurden auch Feiern aus weltlichen Anlässen meist von Gottesdiensten begleitet.
Für das städtische Selbstverständnis war der Wahltag Anfang August der wichtigste jährliche Festtag. An diesem Tag wurden die Stadtpfleger, die Mitglieder des Stadtrats und die Inhaber vieler weiterer Ämter vom Rat gewählt und anschließend vereidigt. Repräsentative Bauten wie das Rathaus und der Perlachturm waren an diesem Tag öffentlich zugänglich. Am folgenden Sonntag fand der Schwörtag statt, an dem sich Stadtregierung, -wache und -bevölkerung wechselseitig auf die Stadtordnung verpflichteten. (mit pm)
Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Hauptgebäude des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (Treppenhaus, 1. OG) zu besichtigen (Schönfeldstraße 5). Geöffnet ist Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 18, Freitag bis 13.30 Uhr.