Flugabwehr für die Ukraine

„Da werden sich die Amerikaner verweigern“

05.08.2026 – 20:28 UhrLesedauer: 4 Min.

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Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand in Kiew nach dem jüngsten Angriff: Den UN zufolge werden Russlands Luftangriffe häufiger – und fordern immer mehr Todesopfer. (Quelle: Dan Bashakov)

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Keine einzige russische Rakete konnte die Ukraine in der Nacht zu Mittwoch abfangen. Eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht, sagt Militärexperte Gressel.

Der jüngste Angriff legt die Verwundbarkeit der Ukraine schonungslos offen: Von 28 russischen Raketen konnten die Verteidiger in der Nacht zu Mittwoch keine einzige abfangen. Mindestens 17 Menschen wurden bei dem Angriff in und um Kiew getötet, 44 weitere verletzt. Und es dürfte nicht der letzte traurige Tag für die Ukraine in diesem Krieg gewesen sein.

Seit Monaten appelliert Präsident Wolodymyr Selenskyj an die Verbündeten, mehr Flugabwehrraketen zu liefern. Besonders dramatisch ist der Mangel an Munition für die Patriot-Systeme der Ukraine. Als wirksamstes Mittel gegen russische Raketen wie Iskander, Zirkon oder Kinschal gelten Patriot-Raketen der jüngsten Generation vom Typ PAC-3. Diese wurde speziell gegen Raketen entwickelt, während sich die Vorgängerversion PAC-2 etwa zur Bekämpfung von Kampfjets besser eignet.

Nun aber könnten die PAC-3-Bestände der Ukraine endgültig zur Neige gegangen sein, fürchtet auch der österreichische Militärexperte Gustav Gressel.

„Zuletzt kam noch eine kleine Lieferung aus Polen“

„Die Lagerbestände sind geheim, aber wenn überhaupt, hat die Ukraine nur noch sehr wenige dieser Raketen“, sagt Gressel auf Anfrage von t-online. „Es kann sein, dass die Ukrainer noch welche zurückhalten, es kann aber auch sein, dass sie jetzt komplett ausgegangen sind“, so Gressel. Größere Mengen an PAC-3-Raketen habe Kiew lange nicht erhalten. „Zuletzt kam noch eine kleine Lieferung aus Polen, die sind aber auch längst verschossen“, erklärt der Politikwissenschaftler und Offiziersausbilder des österreichischen Bundesheeres.

Wolodymyr Selenskyj vor einem Flugabwehrsystem PatriotVergrößern des BildesDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem Patriot-Raketenwerfer (Archivbild): Der Mangel an Abwehrraketen trifft die Ukraine hart. (Quelle: Jens Büttner/dpa/dpa-bilder)

Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation löste kürzlich die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump aus, der Ukraine die Herstellung von Patriot-Raketen in Lizenz zu gestatten. Die Zusage aus Washington kam überraschend, schließlich hatte sich die Trump-Regierung den Bitten aus Kiew monatelang verschlossen. Doch vorige Woche relativierte Trump seine Zusage schon wieder und nach Angaben des US-Botschafters bei der Nato, Matthew Whitaker, wird die Ukraine die Patriot-Lizenz nicht vor dem Winter erhalten. Für Gustav Gressel kommt diese Entwicklung nicht überraschend.

Gressel glaubt nicht an Patriot-Lizenzen für die Ukraine

„Ich glaube nicht, dass die Ukraine wirklich die Lizenz für Patriot-Raketen bekommt, da werden sich die Amerikaner verweigern“, so der Militärexperte. „Wenn es um den Export von Waffen geht, ist die US-Bürokratie extrem langsam, mal ganz abgesehen von den politischen Launen des Präsidenten.“ Zur Debatte stehe ohnehin nur die Erlaubnis zur Produktion von PAC-2-Raketen, deren Nutzwert gegen Russlands ballistische Raketen begrenzt ist. „Ob die Ukrainer jemals Lizenzen für PAC-2 bekommen, hängt von der bestellten Stückzahl und politischen Faktoren ab“, so Gressel. Theoretisch sei es aber denkbar.