Hamburg/Altdöbern – Jung, Nazi, brandgefährlich. Acht Teenie-Terroristen der „Letzten Verteidigungswelle“ wurden am Mittwoch zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Auch Jerome Mü. (17) aus Berlin und Lenny M. (17) aus Brandenburg.
Sie nannten sich „Gauleiter“, „Gestapo-Chef“ und „Propagandaminister“. Als sie in Chatgruppen ihre Terror-Vereinigung „Letzte Verteidigungswelle“ gründeten, waren die meisten der acht Nazi-Teenies erst 13 bis 17 Jahre alt. Alle stammen aus „braunen Kinderzimmern“ in stramm rechten Elternhäusern, so die Richterin. Ihr Ziel: Angst und Chaos stiften. Bald schritten sie zur Tat.
Meterhoch schlugen die Flammen in der Nacht des 23. Oktober 2024 aus der Gaststätte „Kultberg“ in Altdöbern (Brandenburg). Nur knapp kamen die Betreiber und ihre kleine Tochter mit dem Leben davon. Das beliebte Kulturhaus im Oberspreewald-Lausitz-Kreis brannte komplett aus. Die Brandstifter: Jerome Mü. und Lenny M..

Die Gaststätte „Kultberg“ in Altdöbern nach dem Brandanschlag
Foto: Olaf Selchow
Lenny M. war auch an der Planung eines Anschlags auf das Asylbewerberheim in Senftenberg beteiligt. Explosionen sollten die Bewohner töten, zwei Kugelbomben hatten die Jung-Terroristen schon in Tschechien besorgt. Ein ähnlicher Anschlag in Schmölln (Thüringen) scheiterte. Die Jung-Nazis hinterließen SS-Runen und Hakenkreuze an der Fassade. Nur dank einer cleveren RTL-Journalistin flogen die Senftenberger Anschlagspläne auf.
Im Mai 2025 schwärmten bundesweit 220 Polizisten aus, nahmen die Teenie-Terroristen fest. U-Haft statt Klassenzimmer, selbst für einen damals 14-Jährigen. Wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung landete der Fall beim Generalbundesanwalt – und im März 2026 vor der Staatsschutzkammer des Hamburger Oberlandesgerichts. Ohne Presse und Öffentlichkeit. So will es das Jugendstrafrecht.

220 Polizisten machten im Mai 2025 Razzien bei den Jung-Terroristen in drei Bundesländern
Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Jetzt die Urteile: Fünf Jahre Haft für Rädelsführer Lenny M. aus Brandenburg. Wegen Terror-Mitgliedschaft, schwerer Brandstiftung, versuchtem Mord und weiterer Taten. Jerome M. aus Berlin kam als Terror-Unterstützer und Brandstifter mit zwei Jahren und vier Monaten davon. Wegen der langen U-Haft wird sein Haftbefehl aufgehoben. Die anderen Jung-Nazis müssen für vier bis viereinhalb Jahre in Jugendhaft. Nur der Jüngste (15) kommt auf Bewährung davon.
Beunruhigend: Die Ermittlungen brachten eine „wirklich große Anzahl“ weiterer Jugendlicher an den Tag, die sich an der Gruppe beteiligt hätten, sagte Ankläger Stefan Biehl. Sie hätten sich schnell über das Internet radikalisiert und seien in die Vereinigung aufgenommen worden. Biehl: „Die acht Angeklagten hier sind nur die Spitze des Eisbergs.“
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