Bielefeld-Heepen. Manchmal entscheidet eine einzige Begegnung über den Rest des Lebens. Für Dieter und Ursula Steinmeier war es ein zufälliges Wiedersehen am Jahnplatz. Als Kinder waren sie Nachbarn im Wellensiek gewesen und hatten oft zusammen gespielt, ehe sich ihre Wege für mehrere Jahre trennten. Eines Tages habe er den Film „Cleopatra“ im Kino sehen wollen, berichtet Dieter. „Doch die Vorstellung war ausverkauft.“

Plötzlich begegnet er Ursula, die mit ihrer Schwester und deren Verlobtem ebenfalls auf dem Weg ins Kino war. Dieter berichtete, dass es keine Karten mehr zum Verkauf gibt, und entschied sich kurzerhand, den Abend mit Ursula alleine zu verbringen. Aus dieser spontanen Entscheidung wurde eine Liebe fürs Leben. Am 5. August feiern die beiden ihre Diamantene Hochzeit.

Nach ihrem Wiedersehen ging es für die beiden Schritt für Schritt weiter. 1964 beschlossen sie, zusammenzubleiben, im Februar 1965 folgte die Verlobung und ein Jahr später die Hochzeit. Für Dieter war schon damals klar, dass er nicht irgendeine Beziehung suchte. „Ich habe eine Frau gesucht, mit der ich durch dick und dünn gehen und mit der ich bis an mein Lebensende zusammenbleiben kann“, erzählt er.

Liebe auf den zweiten Blick

Die ersten Jahre als Ehepaar waren geprägt vom Aufbau eines gemeinsamen Lebens. Zunächst wohnten die Steinmeiers in einer Mietwohnung, bevor 1970 ihr Sohn Lars auf die Welt kam. „Das war unser schönster gemeinsamer Moment“, erinnern sich die beiden. Beide unterstützten sich über die Jahre hinweg gegenseitig und in ihren jeweiligen Aufgaben. Ursula kümmerte sich zunächst um die Familie und das Haus und kehrte dann später ins Berufsleben zurück. Schließlich arbeiteten beide bei der Deutschen Bundespost im selben Gebäude.

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Besonders stolz ist Dieter auf seine Frau und die gemeinsame Zeit als Familie. „Sie hat unseren Sohn hervorragend begleitet“, sagt er. Lars machte Abitur, studierte und arbeitet heute als Diplomingenieur für Elektronik, Elektrotechnik und Informatik und hat ein eigenes Zuhause. Ursula schätzt vor allem an der Ehe, dass sie sich trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten immer wieder gut verstehen. „Das man sich liebt und harmonisch zusammen ist, ist mit das Wichtigste“, sagt Ursula. Auch nach 60 Jahren Ehe sei es nicht selbstverständlich, dass zwei Menschen so gut miteinander auskommen.

Für beide war immer wichtig, wichtige Entscheidungen zusammen zu treffen, auch wenn sich Ursula meistens mit den Finanzen auseinandergesetzt habe. „Was wir uns angeschafft haben, haben wir uns immer zusammen ausgesucht und gemeinsam beschlossen“, sagt Dieter. „Hand in Hand – das war uns wichtig.“

Gemeinsame Erinnerungen von Reisen rund um die Welt

Nach dem Berufsleben begann für die Steinmeiers eine neue Lebensphase. Schon vorher hatten die beiden gerne gemeinsam Urlaub in den Posthäusern am Meer und in anderen Städten gemacht. Die größten Abenteuer warteten jedoch im Ruhestand.

Haus, Hochzeit, Kind: Einer will, eine nicht – und nun?

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihnen die Reisen mit ihrem Sohn. „Irgendwann haben wir ihm gesagt: Wenn du mal eine große Reise machst, würden wir gerne mitkommen“, erzählten sie. Als Lars sie dann fragte, ob sie eine Reise durch die USA und Kanada machen wollen, fiel ihnen die Antwort nicht schwer.

Von New York ging es dann kurze Zeit später weiter nach Toronto zu den Niagarafällen, anschließend durch die Rocky Mountains bis nach Vancouver. Besonders beeindruckt hätten sie die Nationalparks, die Landschaft und die Tiere unterwegs.

Daneben unternahmen die Steinmeiers viele Kreuzfahrten. Eine der schönsten führte sie über den Atlantik bis nach Südafrika. „Wir waren in Marokko, auf Madeira, auf den Kapverden und später in Namibia“, erzählt Dieter. Auch der Tafelberg gehörte zu den besonderen Erinnerungen.

Das Ehe-Geheimnis: Reden ist entscheidend

Wenn sie nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe gefragt werden, sind sich die beiden einig: Reden ist entscheidend. „Man darf sich nicht tagelang anschweigen“, sagt Ursula. Bei Meinungsverschiedenheiten müsse man sich zusammensetzen und darüber sprechen. „Man muss aufpassen, nicht Worte zu sagen, die einem später leidtun.“ Wichtig sei außerdem, den anderen zu respektieren.

Jeder müsse seine Meinung sagen können und man solle miteinander an der Beziehung arbeiten und nicht gegeneinander. Gefeiert wird die Diamantene Hochzeit im kleinen Kreis mit der Familie und ein paar Freunden.