Oliver Prehl versorgt Menschen in der ambulanten Pflege mit dem Fahrrad. Seine ungewöhnliche Arbeitsweise steht für nachhaltige Mobilität und eine Pflege, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Telgte (gl) – Wenn Oliver Prehl zu seinen Einsätzen aufbricht, greift er nicht zum Autoschlüssel, sondern an den Lenker seines Fahrrads. Der Pflegehelfer ist für die St. Christophorus Ambulante Pflege Telgte unterwegs und fährt von Haus zu Haus. Für ihn ist das Alltag und Ausdruck dessen, worauf es in der ambulanten Pflege ankommt: Nähe, Verlässlichkeit und der Blick auf den Menschen.

Erste Berührung im Zivildienst

Die St. Christophorus Ambulante Pflege Telgte begleitet Menschen in Telgte, Everswinkel, Wolbeck, Handorf und Mauritz. Das Angebot umfasst häusliche Krankenpflege, Beratungsbesuche für pflegende Angehörige, Betreuung, Hilfe im Haushalt, Demenzbegleitung und eine 24-stündige Rufbereitschaft. Als hundertprozentige Tochter des St. Rochus-Hospitals Telgte bietet der Dienst zudem ambulant-psychiatrische Pflege an.

Oliver Prehl arbeitet in der ambulanten Alten- und Krankenpflege und ist mit dem Fahrrad in Telgte unterwegs. Seinen beruflichen Weg beschreibt er als ungewöhnlich. Ursprünglich ist er gelernter Speditionskaufmann und hat Gestaltung studiert. Während seines Zivildienstes im Krankenhaus kam er erstmals mit der Pflege in Berührung. Was zunächst als Übergang gedacht war, wurde zum Beruf.

Respekt, Geduld und Offenheit

Seit 18 Jahren arbeitet er in der Pflege, zunächst in einem Wohnprojekt, heute als Pflegehelfer mit Qualifikation in der ambulanten Pflege. „Am Anfang war die Pflege eher als Nebentätigkeit während meines Studiums gedacht“, berichtet Prehl. „Aber ich habe schnell gemerkt, wie viel mir diese Arbeit bedeutet. Man unterstützt Menschen – und bekommt gleichzeitig sehr viel Menschlichkeit zurück.“

Für Prehl besteht Pflege nicht nur aus festen Abläufen. Im Mittelpunkt steht für ihn die Begegnung. Menschen in ihrer eigenen Wohnung zu begleiten, bedeutet auch, sich auf unterschiedliche Lebensgeschichten, Erkrankungen und Persönlichkeiten einzulassen. In seinem Berufsalltag hat er Erfahrungen mit Demenz, Multipler Sklerose, Suchterkrankungen, psychiatrischen Erkrankungen und den Folgen von Einsamkeit gesammelt. „Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit“, sagt er. „Deshalb ist es wichtig, mit Respekt, Geduld und Offenheit zu arbeiten.“

Entscheidend ist Verlässlichkeit

Dass er seine Touren mit dem Fahrrad fährt, sieht er als Vorteil. Während andere nach Parkplätzen suchen oder im Verkehr stehen, ist er flexibel unterwegs, fährt durch Wohngebiete, biegt in Nebenstraßen ein und hält direkt vor der Haustür. Das Fahrrad werde dabei oft selbst zum Türöffner. „Viele sprechen mich darauf an – Klientinnen und Klienten, Passanten oder auch Kolleginnen und Kollegen von anderen Pflegediensten“, erzählt er. „Das Rad fällt auf und sorgt oft direkt für ein Lächeln.“

Für Prehl liegen die Vorteile auf der Hand: Bewegung an der frischen Luft, nachhaltige Mobilität und ein Arbeitsalltag, der gut organisiert und zugleich nah an den Menschen ist. „Ich habe keinen Führerschein und arbeite trotzdem seit Jahren erfolgreich und gerne in der ambulanten Pflege“, berichtet er. „Gute Pflege hängt nicht am Auto. Entscheidend sind Verlässlichkeit, Organisation und die Haltung, mit der man Menschen begegnet.“

Mehr als eine Randnotiz

Auch Pflegedienstleiter Philipp Marcks sieht darin ein Signal. „Oliver Prehl steht beispielhaft für das, worauf es in der ambulanten Pflege ankommt: Fachlichkeit, Eigenverantwortung, Verbindlichkeit und einen echten Blick für die Menschen“, berichtet Marcks. „Dass er mit dem Fahrrad unterwegs ist, ist dabei weit mehr als eine Randnotiz. Es zeigt, dass ambulante Pflege flexibel, modern und nachhaltig gedacht werden kann.“

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