In der deutschen Autoindustrie werden weiter massiv Stellen gestrichen. Am Mittwoch verkündeten gleich zwei wichtige Zulieferer drastische Kürzungsprogramme. Die VW-Tochter IAV baut knapp 2000 Jobs ab, der Herzogenauracher Konzern Schaeffler streicht 1800 Stellen über Altersteilzeit.
Bei IAV ist der Konflikt zwischen Management und Belegschaft offenbar eskaliert. Die IG Metall wirft der Unternehmensleitung vor, während der Verhandlungen wiederholt mit Insolvenz gedroht zu haben. Das erklärte die Gewerkschaft in einer Mitteilung. VW hält 50 Prozent an dem Unternehmen, das vor allem im Bereich der Fahrzeugentwicklung tätig ist, und soll die weitere Unterstützung von einer Einigung abhängig gemacht haben.
Bis Ende 2027 soll die Belegschaft bei IAV um 40 Prozent auf 2970 Mitarbeiter schrumpfen. Der Abbau soll über ein vereinbartes Abfindungsprogramm erfolgen. Beide Unternehmen sollen betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. Die Gewerkschaft schreibt sich zudem auf die Fahnen, bei IAV eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und Gehaltskürzungen verhindert zu haben.
Stammsitz Berlin soll sich verkleinern
„Wir dürfen den Tarifabschluss nicht mit der unternehmerischen Entscheidung zum Stellenabbau vermischen“, begründete IG-Metall-Verhandlungsführer Thilo Reusch die harte Linie. Erreicht IAV die angestrebte Mitarbeiterzahl bis Sommer 2028, greife künftig ein Kündigungsschutz. „Das gibt den Menschen eine gewisse Verlässlichkeit in einer Phase, die von großen Sorgen geprägt ist“, so Reusch.
Am Stammsitz Berlin soll IAV den Standort deutlich verkleinern und Jobs ins niedersächsische Gifhorn verlagern. Noch ist offen, welche Mitarbeitergruppen ein Abfindungsangebot erhalten.
VW kann Fahrzeuge für den chinesischen Markt inzwischen komplett vor Ort entwickeln – unabhängig von deutschen Ingenieuren. VW-Chef Oliver Blume strebt ein Sparpaket an, das bis zu 100.000 Jobs in Deutschland kosten könnte. Dazu gehört auch, bei zugekauften Leistungen wie denen von IAV zu sparen.
Schaeffler setzt auf Altersteilzeit statt Kündigungen
Parallel dazu baut Schaeffler über Altersteilzeit ab. Der Konzern bietet Jahrgängen bis 1971 entsprechende Programme an und rechnet damit, dass ein Fünftel der Berechtigten zusagt. Ab 2027 will Schaeffler dadurch Kosten senken. Ende 2024 hatte das Unternehmen bereits 4700 Stellen in Europa gestrichen, davon 2800 in Deutschland.
Im ersten Halbjahr 2026 sank die Mitarbeiterzahl weltweit um 1900 auf knapp 109.000. „Mit unserem Angebot zur Altersteilzeit reagieren wir auf das hohe Interesse unserer Mitarbeitenden und schaffen zugleich flexible Lösungen, die sowohl den individuellen Bedürfnissen als auch den Anforderungen unseres Unternehmens gerecht werden“, erklärte Personalchefin Astrid Fontaine.