Bei gehypten Startups denken die meisten an London, Berlin oder Paris. Aber auch deutlich kleinere Städte können Milliardengründungen hervorbringen.

Warrington in England hat nicht nur dieses imposante Rathaus, sondern auch ein Unicorn zu bieten.
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Von Unicorn-Startups aus London, Berlin oder Paris hat man oft gehört. Die Metropolen stehen für urbane Vielfalt, Nachtleben und viel Geld. Aber es gibt auch kleinere Städte, die Startups mit Milliardenbewertung hervorgebracht haben. Die sind weniger als globale Drehkreuze von VC-Millionen bekannt. Und gerade das macht sie interessant.
Wer hätte schon gewusst, dass es in Chemnitz, Sachsen, oder Oulu (Finnland) Unicorns gibt? Und nicht nur Unicorns, sondern sogenannte „Unicorn Founder Factories“. Das sind Milliardenunternehmen, die selber wiederum viele neue Gründungen hervorgebracht haben. Wir haben dafür Daten der Investmentfirma Accel ausgewertet.
Kommt mit uns nach UK, Finnland und Sachsen!
Warrington, England
Warrington liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Liverpool und Manchester. Also klassisches englisches Industrieland. Die Stadt hat knapp 180.000 Einwohner und war mal für Drahtfabriken bekannt. Das Rugbyteam Warrington Wolves hatte zeitweise auch den Spitznamen „The Wires“. Die englische Industrie ist zwar nicht mehr, was sie mal war. In Warrington hat aber ein Startup bewiesen, wie viel Erfindergeist es auch fernab der Metropole an der Themse gibt.

Ein Brunnen im Zentrum von Warrington erinnert an einen Bombenanschlag der IRA 1993.
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Blue Prism wurde 2001 in Warrington gegründet. Die Firma ist auf Roboter und Automatisierung von Prozessen spezialisiert. Speaking of Industrie! Im Jahr 2022 wurde Blue Prism von SS&C Technologies gekauft. Für umgerechnet etwa 1,6 Milliarden US-Dollar. Der Status beruht nicht nur auf einer theoretischen Bewertung – nach dem Börsengang hat das Unternehmen die Milliarden auch tatsächlich reingeholt. Aus dem Team wurde das Startup Opendialog gegründet. Es bietet KI-Agenten für Versicherungen an.
Chemnitz, Sachsen

Blick auf das Karl-Marx-Monument in der Innenstadt von Chemnitz.
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Chemnitz liegt im Südwesten Sachsens, direkt am Rand des Erzgebirges. Die Stadt hat rund 250.000 Einwohner und hieß zu DDR-Zeiten bekanntlich Karl-Marx-Stadt. Nach der Wiedervereinigung verlor Chemnitz viele Industriearbeitsplätze. Lange galt die Stadt als Beispiel für den harten Strukturwandel im Osten. Inzwischen zeigt sich aber auch hier, dass aus Universitäten, Tüftlern und Softwareentwicklern milliardenschwere Unternehmen entstehen können.

Die Büros sind wie aus dem Startup-Bilderbuch.
Staffbase
Das Einhorn-Startup Staffbase wurde 2014 in der sächsischen Stadt gegründet. Das Unternehmen entwickelt Software für die interne Kommunikation in Firmen – vereinfacht gesagt ein modernes Intranet für Mitarbeiter. 2022 erreichte Staffbase eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro und stieg damit zum Unicorn auf.
Anders als bei einem Exit-Unicorn beruht dieser Status bislang auf einer Investorenbewertung. Die Milliarden wurden also nicht durch einen Verkauf oder Börsengang realisiert. Die Chemnitzer bleiben damit eigenständig.
Staffbase-Mitarbeitende haben drei weitere Startups gegründet: Altamiga hilft beim Buchen von Wanderhütten, Nuwacom baut eine KI-Plattform für Unternehmen und Trills. Letzteres ist nicht mehr auffindbar.
Oulu, Finnland
Oulu liegt in Finnland, fernab der Hauptstadt am Bottnischen Meerbusen. Die Stadt zählt rund 220.000 Einwohner und war lange vor allem für Holz, Teerhandel und später Nokia bekannt.
Als der Handyhersteller Jobs strich, befürchteten manche den Absturz des Technologiestandorts. Tatsächlich passierte eher das Gegenteil: Aus den ehemaligen Nokia-Netzwerken entstand eine der lebendigsten Startup-Szenen Skandinaviens. Übrigens ist Oulu 2026 europäische Kulturhauptstadt – Chemnitz war es 2025.

Die Toripolliis-Statue in Oulu.
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Das Startup Oura wurde 2013 in Oulu gegründet. Die Firma entwickelt Sensor-Ringe (Wearables), die Schlaf, Aktivität, Herzfrequenz und andere Gesundheitsdaten messen. Aus einem Nischenprodukt wurde ein durch üppige Werbekampagnen getriebener Trend. Spätestens 2022 erreichte Oura den Unicorn-Status, inzwischen liegt die Bewertung sogar deutlich darüber. Der Weg zeigt, dass eine Lage weit nördlich in Skandinavien kein Nachteil sein muss, wenn die Ingenieurinnen und Marketingleute gut sind.
Das Team von Oura brachte mit Valo.ai ein Unternehmen hervor, das KI-Monitoring in Salesforce baut.