50 Kinder und Soldatenwitwen erleben zwei Wochen in Glücksburg eine Auszeit vom Krieg / Gedenkgottesdienst am 9. August
Eine zweiwöchige Auszeit vom Krieg verleben dieser Tage 50 Kinder, Jugendliche und Mütter in und um Glücksburg. In einem Ort sind sie zu Gast, dessen Name schon Glück verspricht. Es ist bereits die zweite Gruppe von überwiegend jungen Menschen aus der Ukraine, die sich in diesem Jahr auf Einladung des Lions Club Angeln fern der schrecklichen Geschehnisse in ihrem Heimatland etwas erholen können.
„Das Wichtigste“, sagt Maryna, eine Mutter, „dass unsere Kinder hier für zwei Wochen in Sicherheit sind. Sie können ruhig schlafen und sich frei vom Krieg für einige Zeit erholen.“ Von ihren zwei Kindern fiel der ältere Sohn als 20-jähriger bereits in den ersten Tagen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Mit Tränen in den Augen schluchzt sie: „Wir hatten lange Zeit gehofft, dass er doch lebt oder in einem russischen Gefängnis ist.“
Die 50 Gäste aus der Ukraine kommen aus mehreren Städten und Dörfern, insbesondere aus der Hauptstadt Kyjiw, aus Lemberg (Lwiw), Brody und Schytomyr. Unter ihnen ist auch die Studentin Valeria aus Brody. An einer Universität in Lemberg studiert sie das Fach Wirtschaftswissenschaft. Seit 2014, dem russischen Einmarsch in die ostukrainische Donbass-Region und die Annexion der Krim-Halbinsel, war ihr Vater Soldat in der ukrainischen Armee. 2022 steuerte er als Pilot ein Flugzeug, das von einer russischen Rakete getroffen wurde. Von den vier Besatzungsmitgliedern starben zwei Personen, darunter ihr Vater. Valeria war damals 16 Jahre alt, ihr Bruder 14 Jahre. Als Studentin erlebt sie in Lemberg sehr häufig Fliegeralarm und bekommt mit, wie durch Raketentreffer zum Teil ganze Familien umkommen.
Auch Oxana, eine 36-jährige Mutter von einer Tochter und einem Sohn aus der Stadt Korosten, 160 Kilometer nordwestlich von Kyjiw gelegen, hat ihren Mann bereits vor vier Jahren verloren. Er wurde in der ostukrainischen Provinz Donezk erschossen. Wenn sie darüber spricht, bricht sie aufgelöst in Tränen aus. Russische Soldaten hatten das Mobiltelefon ihres Mannes an sich genommen. Per SMS wurde sie wiederholt beschimpft, verhöhnt und verdächtigt. Nur um mehr Geld zu verdienen, habe ihr Mann im ukrainischen Heer gekämpft. „Es fällt mir schwer, über den Krieg zu sprechen; der Krieg ist viel schrecklicher, als man es in Worten ausdrücken kann.“
Die Gäste aus der Ukraine freuen sich über die deutsche Gastfreundschaft. Sie danken allen Spendern sehr, die ihnen diese Auszeit vom Krieg ermöglichen. Peter Dietrich Henningsen vom Lions Club Angeln, der Mitinitiator dieser Hilfsaktion, betont: „Wir müssen uns immer wieder für die notleidenden Menschen in der Ukraine einsetzen, da die Bedrohung Tag und Nacht anhält. Die Ukrainer schützen auch uns, unsere Freiheit.“
Der Lions Club Angeln lädt zu einer Friedensandacht am Sonntag, 9. August, um 14.30 Uhr in die Auferstehungskirche in Glücksburg ein. Der Gottesdienst für die Gefallenen des russisch-ukrainischen Krieges und für die Rückkehr des Friedens wird von Pastor Siemen und den ukrainischen Gästen gestaltet.
Wer zur weiteren Unterstützung beitragen möchte, kann den Förderverein Lions Club Angeln gern unterstützen (Verwendungszweck Ukraine – Hilfe). Weitere Informationen und unser Spendenkonto findet ihr auf unserer Website https://angeln.lions.de/ueber-uns.
Dieser Text wurde erstellt von:
Hans Stintzing
Lions Club Angeln