Bielefeld. Mit einer letzten guten Tat hat sich der MSC Schlangen nach 75 Jahren Vereinsgeschichte verabschiedet. Das verbliebene Vereinsvermögen in Höhe von 9.843,93 Euro spendete der Motorsportclub an die ADAC Luftrettung. Bei der Scheckübergabe überreichte Gisbert Stolle, Vorsitzender des MSC Schlangen e.V. im ADAC, den Betrag an Christina Tillmann von der ADAC Luftrettung. Für eine Überraschung sorgte außerdem der ADAC Ostwestfalen-Lippe, der die Spende spontan mit weiteren 5.000 Euro unterstützte.

„Die Hilfe kennt keine Grenzen und geschieht ohne Hintergedanken“, betonte der ADAC Ostwestfalen-Lippe bei der Übergabe. Für Christina Tillmann steht fest, dass das Engagement des MSC Schlangen auf diese Weise weiterlebt. „Wir wollen das Gute, das der Verein geschaffen hat, in einer anderen Form weiter strahlen lassen, und zwar bei der Luftrettung.“

Die ADAC Luftrettung betreibt bundesweit 37 Stationen. Nach einem Alarm kann ein Rettungshubschrauber innerhalb von zwei Minuten starten. Geldfragen spielten dabei keine Rolle, wenn es um Menschenleben gehe, erklärte Tillmann. Neben der Luftrettung engagiert sich der ADAC auch in der Verkehrserziehung und Ersten Hilfe. Bereits rund 500.000 Kinder wurden im Rahmen der Mobilitätsbildung erreicht. Erste-Hilfe-Kurse an Schulen sollen Kindern früh vermitteln, dass jeder helfen und einen Unterschied machen kann.

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Fehlender Nachwuchs zwingt Verein zur Auflösung

Die Entscheidung zur Auflösung fiel den Mitgliedern nicht leicht. „Es ist ein schönes, aber trauriges Ende“, sagte Gisbert Stolle. Gleichzeitig sei die Auflösung die richtige Entscheidung gewesen. Ausschlaggebend sei vor allem der fehlende Nachwuchs im Ehrenamt. Vor der entscheidenden Versammlung wurden mehr als 100 Mitglieder persönlich kontaktiert und gefragt, ob sie Verantwortung im Vorstand übernehmen würden. Die Resonanz blieb jedoch gering. An der Versammlung selbst nahmen nur 17 Mitglieder teil.

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Das Problem betrifft nach Angaben des Vereins nicht nur den MSC Schlangen. Es gibt im ADAC Ostwestfalen-Lippe über hundert Ortsclubs, viele kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen. Immer weniger Menschen seien bereit, langfristig Verantwortung zu übernehmen. „Keiner möchte die Last der Organisation allein auf seinen Schultern tragen“, beschreibt Stolle die Situation.

Dabei hatte der Verein in den vergangenen Jahren bereits versucht, neue Wege zu gehen. Mit Angeboten für Radfahrer konnten zwar 75 neue Mitglieder gewonnen werden, doch auch diese wollten sich nicht dauerhaft im Vorstand engagieren. Gleichzeitig fehlten aufgrund der wenigen Helfer immer häufiger Aktivitäten im Vereinsleben.

Ehrenamt im Wandel

Auch Frank Wiegmann sieht den gesellschaftlichen Wandel als große Herausforderung. Viele Jugendliche hätten heute andere Interessen und würden sich nur noch selten langfristig an einen Verein binden. Gleichzeitig fehle vielen Eltern neben Familie und Beruf die Zeit für ehrenamtliches Engagement. „Man ist nicht mehr stolz, dabei zu sein“, beschreibt Wiegmann die Entwicklung.

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Hinzu komme, dass junge Menschen heute andere Erwartungen an Vereinsangebote hätten, die mit begrenzten finanziellen Mitteln oft nur schwer umzusetzen seien. Stolle erinnert sich daran, dass er selbst bereits mit Anfang 20 Verantwortung im Vorstand übernommen habe. Heute würden viele ein Ehrenamt eher als Belastung sehen, weil sie außer dem Motorsport nur wenig zurückbekämen. Manche träten sogar lieber aus dem Verein aus, als ein Vorstandsamt zu übernehmen.

Auch der hohe Medienkonsum spielt nach Einschätzung der Verantwortlichen eine Rolle. Kinder bewegten sich weniger und seien schwieriger für den Motorsport zu begeistern. Gleichzeitig würden Vereine von manchen Eltern eher als Betreuungsangebot gesehen, ohne dass sie sich selbst einbringen wollten.

Der Blick nach vorn

Trotz dieser Entwicklung sehen die Verantwortlichen Chancen für die Zukunft des Ehrenamts. Statt langfristiger Verpflichtungen setzten viele Vereine inzwischen auf projektbezogene Angebote und kürzere Amtszeiten, damit sich mehr Menschen engagieren können. Positive Erfahrungen seien bereits mit Schnupperkursen beim MSC Brake gemacht worden. Solche flexibleren Konzepte sollen künftig mehr Menschen an das Ehrenamt heranführen.

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Für den MSC Schlangen endet damit zwar die Vereinsgeschichte. Mit der Spende an die ADAC Luftrettung soll das Engagement der Mitglieder jedoch weiterwirken – für mehr Sicherheit, mehr Hilfe und für Menschen, die sie brauchen. So bleibt der Gedanke des Vereins auch nach seiner Auflösung lebendig.