Im Kreis Viersen ist es ab Freitag, 7. August, verboten, Wasser aus Oberflächengewässern wie Flüssen und Seen zu entnehmen. Das teilte der Kreis am Donnerstag mit. Die entsprechende Allgemeinverfügung wurde am Donnerstag im Amtsblatt des Kreises Viersen veröffentlicht. Das Wasserentnahmeverbot gilt zunächst bis zum 31. Oktober. Immer mehr Kreise und Städte in NRW untersagen aktuell wegen der anhaltenden Trockenheit die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Seen für private Zwecke. Auch der Kreis Viersen beschäftigte sich damit, man prüfe die Situation, teilte ein Sprecher vor wenigen Tagen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Jetzt ist die Allgemeinverfügung da.
Vieh darf noch mit Flusswasser getränkt werden
Von dem Verbot betroffen sind alle oberirdischen Gewässer im Kreisgebiet, also Bäche, Flüsse und Seen. Nicht nur die Entnahme größerer Wassermengen, etwa zur Feldberegnung, ist verboten, sondern auch die Entnahme kleinerer Mengen für die Bewässerung von Privatgärten. Vom Verbot ausgenommen sind das Tränken von Vieh und das Schöpfen mit Handgefäßen. „Mit dieser Maßnahme sollen die sehr beeinträchtigten Gewässer im Kreisgebiet geschützt werden“, teilte der Kreis mit. Verstöße können im Einzelfall mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Wasserstände in den Gewässern sind sehr niedrig
In den Gewässern im Kreisgebiet sind die Wasserstände teilweise sehr niedrig. Das liegt laut Kreis nicht nur an der Trockenheit der vergangenen Wochen, sondern auch der Vorjahre. „Trotz des niederschlagsreichen Jahres 2024 konnten sich nach den milden und niederschlagsarmen Jahren die Grundwasser- und Oberflächenwasserstände noch nicht ausreichend erholen“, so der Kreis. Im Sommer 2026 sei es nicht besser geworden.
Viel zu wenig Regen im Juli
Seit Juli fehlt es an Regen. Laut Landesumweltministerium fielen in NRW im Juli im Schnitt 18 Liter pro Quadratmeter – etwa 79 Prozent weniger im Vergleich zum langjährigen Mittel für diesen Monat. 163 von 201 ausgewerteten Pegeln in NRW wiesen Ende Juli Niedrigwasserstände auf, 46 Prozent der Grundwasserstellen wiesen niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände auf. 94 Prozent der Landesfläche seien von ungewöhnlicher Trockenheit und Dürre betroffen. Kostenpflichtiger Inhalt Zuletzt hatten auch Landwirte im Kreis Viersen berichtet, durch die Trockenheit stark belastet zu sein. Auf den Feldern laufen die Beregnungsanlagen teilweise fast rund um die Uhr.
Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt
Dass der Regen fehlt, ist den Gewässern im Kreis Viersen anzusehen: Im Bereich des Poelvenn in Nettetal ist laut Kreis die Nette bereits trockengefallen. Auch der Niersverband spricht von einem deutlich zu trockenen Juli. „Momentan zeigen sich die Wasserstände der Niers noch nicht besorgniserregend. Problematisch sind die niedrigen Wasserstände aber im Zusammenspiel mit den hohen Außentemperaturen. Hierdurch kommt es derzeit zu erhöhten Wassertemperaturen, was wiederum den Sauerstoffgehalt im Wasser sinken lässt“, teilte eine Sprecherin des Niersverbandes am Donnerstag auf Anfrage mit. Man überwache alle Werte der Niers kontinuierlich und passe die Gewässerunterhaltung so weit wie möglich an die klimatischen Bedingungen an.
Tiere und Pflanzen in Gewässern gefährdet
Die Sorge ist groß, dass der für Fische, Kleinstlebewesen und Pflanzen lebensnotwendige Wasserabfluss bald nicht mehr flächendeckend gewährleistet werden kann. Durch den niedrigen Wasserstand kann die Gemeinschaft von Organismen verschiedener Arten, die sogenannte Gewässerbiozönose, dauerhaft gestört werden, erklärt der Kreis. Die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern durch Pumpen verstärkt diese Gefahr erheblich – selbst dann, wenn an einzelnen Entnahmestellen augenscheinlich noch ausreichend Wasser vorhanden zu sein scheint.
Ressource Wasser achtsam nutzen
Die Entnahme von Grundwasser ist im Kreis Viersen aktuell übrigens nicht verboten. Gleichwohl appelliert der Kreis, Bewässerungsanlagen der öffentlichen Hand, aber auch private Gartenbrunnen effektiver einzusetzen. So soll etwa auf Rasensprenger und anderes in der Zeit zwischen 10 und 19 Uhr verzichtet werden, da dann ein Großteil des Wassers verdunstet. Zudem sind Bürger aufgerufen, etwa die Gartenpoolbefüllung zu reduzieren.