
AUDIO: Fall Fabian – Experte analysiert Sprachnachrichten der Angeklagten (1 Min)
Stand: 06.08.2026 14:27 Uhr
Kann die Analyse von Kommunikationsmustern helfen, die Angeklagte zu überführen? Unter anderem dieser Frage wurde heute im Prozess zum Fall des ermordeten Fabians am Landgericht Rostock nachgegangen.
Nach einer vierwöchigen Pause wird heute am Landgericht Rostock der Mord-Prozess im Fall Fabian fortgesetzt. Ein Experte des Bundeskriminalamts (BKA) erläuterte der 3. Strafkammer eine Kommunikations-Analyse, die Fallanalytiker aus zahllosen Sprach- und Textnachrichten der angeklagten Gina H. erarbeitet haben.
Gina H. laut Experten egozentrisch und wenig empathisch
Aus den Analysen der Nachrichten der Angeklagten zogen die Experten den Schluss, dass die 30-Jährige egozentrisch und wenig empathisch für Belange anderer Menschen sei. Zudem habe sie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung vor allem von männlichen Kommunikations-Partnern. In den Nachrichten an ihren damaligen Freund, den Vater des getöteten Fabian, erweist sie sich nach Ansicht der BKA-Experten oft als wehleidig oder genervt. Viele Nachrichten lassen sie zudem als eifer- und kontrollsüchtig erscheinen.
Früh von „abschließen“ gesprochen
Dieses Verhalten habe sich grundsätzlich nicht geändert, nachdem Fabian am 10. Oktober vergangenen Jahres verschwunden war und auch Fabians Vater, mit dem Gina H. trotz einer Trennung zwei Monate zuvor noch ständig Kontakt hatte, nach ihm suchte. Allerdings fielen den Analytikern einige Besonderheiten auf. So habe Gina H. unter anderem in ihren Sprach- und Textnachrichten am und nach dem 10. Oktober wenig Verständnis für die Situation von Fabians Vater gezeigt. Die BKA-Experten fanden auch, sie habe das Verschwinden des Kindes verharmlost, indem sie gegenüber einem Bekannten meinte, Fabian werde schon seine Gründe haben, weg zu sein.

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Außerdem bemerkte Gina H. in einer Nachricht, es sei für Fabians Vater bestimmt gut, gegebenenfalls „abschließen“ zu können. Zu diesem Zeitpunkt galt der Junge lediglich als vermisst, sein Tod war noch nicht bekannt. Die Richterinnen und Richter müssen nun einschätzen, inwiefern die Kommunikations-Analyse helfen kann, die Schuld oder die Unschuld der Angeklagten zu belegen.
Am Tag des Verschwindens Fahrzeug beobachtet
Als Zeugin gehört werden soll am Donnerstag auch die Schwester der Angeklagten, zu der Gina H. dem Vernehmen nach in den vergangenen Jahren allerdings kaum Kontakt hatte. Außerdem ist noch eine Zeugin geladen, die drei Tage nach Fabians Verschwinden ein Fahrzeug beobachtet haben will, das in dem Fall eine Rolle spielt. Am Freitag wird der Prozess mit der Anhörung von Zeugen aus dem familiären und sozialen Umfeld der Angeklagten fortgesetzt.

Im Prozess um den Mord an dem kleinen Jungen aus Güstrow macht das Gericht zurzeit vier Wochen Pause. Zeit für ein Zwischenfazit.
Gina H. angeklagt wegen heimtückischen Mordes
In dem Ende April gestarteten Prozess wirft die Staatsanwaltschaft Gina H. heimtückischen Mord vor. Laut Anklage hat sie den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) erstochen und die Leiche angezündet. Die Ermittler vermuten, dass Gina H. glaubte, Fabian stünde ihr bei ihrem Versuch im Wege, Fabians Vater wieder für sich zu gewinnen.
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