
Stand: 06.08.2026 19:48 Uhr
Wegen des Fundes einer mit Sprengstoff ausgestatteten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle bemängelt der Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) die Sicherheit. Die Länder im Norden sehen in der Bundeswehr einen wichtigen Akteur.
Der Vorfall in Leipzig mache deutlich, dass die gesetzlichen Regelungen trotz Fortschritten „den Realitätstest noch nicht bestehen“, sagte ZDS-Chef Florian Keisinger am Donnerstag. Zwischen dem Erkennen einer Drohne und der Abwehr einer Drohne gebe es „weiterhin eine sicherheitsrelevante Lücke“. Die Drohne war in der Nacht zu Mittwoch mit einer Sprengstoffvorrichtung auf einem Flughafen nahe einer ukrainischen Transportmaschine entdeckt worden.
Verbandschef: Bis Behörden vor Ort sind, ist Drohne weg
Der ZDS sieht Kritische Infrastruktur wie Seehäfen zunehmend im Fokus hybrider Bedrohungen. So könnten Hafenbetriebe zwar mit Unterstützung moderner Sensorik Drohnen frühzeitig erkennen, ihren Flug verfolgen und die Sicherheitsbehörden alarmieren. Aber eine eigenständige Abwehr – zum Beispiel durch Störung, Übernahme oder Neutralisierung einer Drohne – sei ihnen nicht gestattet. „Bei einem hybriden Angriff bleiben häufig nur 60 bis 90 Sekunden Reaktionszeit.“ Bis die Behörden vor Ort eingreifen könnten, ist eine Drohne meist wieder verschwunden oder „hat ihren Auftrag abgeschlossen“, sagt Keisinger. „Diese Lücke muss geschlossen werden.“
Seehäfen: Brauchen leistungsfähige Abwehrsysteme
Die Seehäfen müssen den Flughäfen beim Schutz vor Drohnen gleichgestellt werden lautet die Forderung vom ZDS. Sie seien Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur, so Keisinger. „Wer Versorgungssicherheit, den Schutz kritischer Infrastruktur und militärische Mobilität ernst nimmt“, müsse die großen deutschen Seehäfen mit leistungsfähigen Drohnenabwehrsystemen ausstatten und einen wirksamen Schutz gegen Drohnen gewährleisten. Die größten Seehäfen Deutschlands sind Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven.

Im Norden müssten vor allem die Luftabwehr gestärkt und die Marine-Fähigkeiten erhöht werden, sagte Joachim Krause von der Uni Kiel im Gespräch mit NDR Info.
Olaf Lies: Polizei und Bundeswehr nicht mehr getrennt denken
„Ich glaube, vielen ist jetzt bewusst geworden, wie dramatisch diese Bedrohungslage inzwischen ist“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bei der Eröffnung einer Produktionsstätte für Laser zur Drohnenabwehr in Hannover. Die Bedrohung durch Drohnen sei neben Cyberangriffen nur ein weiteres Szenario, das zeige, dass Russland ganz Europa angreife. Lies wirbt dafür, sich beim Thema Sicherheit im Inneren eng mit der Bundeswehr zu verknüpfen. „Wir können nicht mehr getrennt voneinander in Polizei und Bundeswehr denken, nicht mehr getrennt äußere und innere Sicherheit.“

Pipelines, Kabel, Schifffahrtsrouten: Auch in der Nordsee gibt es kritische Infrastruktur. Experten sehen die Gefahr von Sabotage.
Hamburg will auf Systeme für Fußball-EM setzen
„Wir haben in Hamburg eine funktionierende, zivile Drohnenabwehr“, betonte die Hamburger Innenbehörde während der Verkündung eines geplanten technischen Schutzschirms gegen Drohnen der norddeutschen Länder vor rund einem Jahr. Dabei wollen die Länder auf eine gemeinsame Technik-Plattform – mit Bundeswehr-Unterstützung setzen. Die Innenbehörde verwies auf die Systeme, die für die Terrorabwehr zur Fußball-EM beschafft wurden. Vertreterinnen und Vertreter der Bundeswehr äußerten sich damals skeptischer: Die Gegenseite entwickle Technik und Strategien ständig weiter – darauf müsse permanent reagiert werden. Über die Zahl der Drohnen-Sichtungen am Hamburger Hafen schweigt die Hamburger Polizei – aus ermittlungstaktischen Gründen.
Schleswig-Holstein: Müssen mit Entwicklung Schritt halten
Die schleswig-holsteinische Innenministerin Magdalena Finke (CDU) sieht in dem Leipziger Vorfall eine neue Eskalationsstufe. Wegen der rasanten Weiterentwicklung müsse man bei den Einsatzkräften technisch und fachlich kontinuierlich auf dem neuesten Stand bleiben, sagte Finke am Mittwoch. Schleswig-Holstein habe frühzeitig in Personal und Technik zur Drohnenabwehr investiert, so Finke. Sieben Millionen Euro flossen laut der CDU-Politikerin in die technische Ausstattung.
Mehr Drohnen-Vorfälle in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es seit knapp zwei Jahren ein Drohnenabwehrzentrum bei der Polizei. Sicherheitskräfte warnen in dem Bundesland vor der zunehmenden Gefahr aus der Luft. Im Jahr 2022 gab es offiziell 107 polizeilich registrierte Vorkommnisse mit Drohnen in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr darauf waren es 128. Für 2024 wurden 179 Vorfälle gemeldet. Offizielle Zahlen für 2025 oder Zwischenstände für 2026 liegen noch nicht vor. „Unsere Mitarbeiter sind hier alle sensibilisiert“, sagte Andreas Hein, Leiter der Ground Operations am Flughafen Rostock-Laage. Dabei werde eng mit der Bundeswehr zusammengearbeitet.

Die Entwicklung der Boote wird in Hamburg neue Jobs schaffen. Kritiker bemängeln, dass das Engagement der Rüstungsindustrie kaum hinterfragt wird.

Die Entscheidung betrifft die Jadewerft Wilhelmshaven, Blohm + Voss in Hamburg und die Peene-Werft in Wolgast – nicht immer zum Nachteil.

Die Hamburger Werft Blohm + Voss gehört seit Kurzem zu Rheinmetall. Nun nannte der Rüstungskonzern erstmals den Kaufpreis.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Niedersachsen fordert mehr Tempo beim Schutz. Für „langwierige Debatten“ sei keine Zeit.

Seit Jahresbeginn wurden dort jeweils vier Drohnen gesichtet. Im Zweifel muss der Flugverkehr unterbrochen werden.