
Stand: 06.08.2026 12:12 Uhr
Hitze und fehlende Niederschläge lassen die Grundwasserstände sinken, Flüsse und Talsperren führen Niedrigwasser – und der Wasserbedarf steigt. Wo das in Niedersachsen zu Konflikten führt.
Bürgerinnen und Bürger brauchen es zum Trinken, Landwirte für ihre Ernte, die Industrie für die Produktion und die Natur für Flüsse, Moore und Feuchtgebiete: Wasser ist eine wertvolle Ressource – und eine endliche. Im vergangenen Jahr ergab eine Studie des BUND, dass in jedem zweiten Landkreis mehr Grundwasser entnommen wird als dort neu entsteht. Derzeit liegt der Grundwasserstand bei weit mehr als der Hälfte der Messstellen in Niedersachsen auf einem niedrigen oder sehr niedrigen Niveau. Flüsse und Seen führen an vielen Stellen Niedrigwasser, die Okertalsperre im Harz hat im Juli einen historischen Tiefstand erreicht. Und bei Temperaturen von teils über 30 Grad ist aktuell kaum eine Besserung in Sicht. Dabei wachsen mit zunehmender Trockenheit auch die Konflikte um das Wasser.
Edertalsperre: Tourismus vs. Schiffahrt
In Niedersachsen und Hessen verschärft die Trockenheit in diesem Sommer den Konflikt um das Wasser aus der Edertalsperre. Immer früher im Jahr muss Wasser abgegeben werden, damit die Schifffahrt auf der Oberweser den Betrieb aufrechterhalten kann. Gleichzeitig benötigen hessische Tourismusbetriebe am Edersee in den Sommermonaten dringend das Wasser – aktuell ist der See nur zu rund 18 Prozent gefüllt. Sie fordern daher geringere Mindestabgaben in die Oberweser, während niedersächsische Reeder und Kies-Abbau-Unternehmer auf einem Mindestpegel von 1,20 Meter bestehen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob und wie das Abgabe-Management verbessert werden kann.
So steht es um die Wasserstände in Niedersachsen:
Nordheide: Wasserversorger vs. Umweltverbände
Einen langjährigen Konflikt um das Grundwasser gibt es im Landkreis Harburg. Das Unternehmen Hamburg Wasser fördert in der Nordheide Tiefengrundwasser für die Versorgung der Hansestadt. Jährlich 16,1 Millionen Kubikmeter dürfen nach einer sogenannten gehobenen Erlaubnis des Landkreises im langjährigen Mittel entnommen werden. Dagegen gab es mehrere Klagen: Für Hamburg Wasser ist die Menge zu gering, sie schränke die Versorgungssicherheit Hamburgs „unverhältnismäßig stark“ ein, heißt es von dem Unternehmen. Die Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN) dagegen stuft die Wassermenge als deutlich zu hoch ein. Sie fürchtet nach eigenen Angaben Schäden an grundwasserabhängigen Ökosystemen wie Wäldern, Mooren und Flüssen. 2021 wies das Landgericht Lüneburg die Klagen ab, woraufhin Hamburg Wasser und weitere Kläger Berufung einlegten. Die Berufungsverfahren finden am Oberverwaltungsgericht in Lüneburg statt, wie ein Sprecher NDR Niedersachsen bestätigte. Termine für die Verhandlungen gebe es noch nicht.
Landkreis Lüneburg: Coca-Cola vs. Anwohner
Pläne des Unternehmens Coca-Cola für den Bau eines Brunnens sorgten auch im Landkreis Lüneburg über rund fünf Jahre für Diskussionen um das Grundwasser. Coca-Cola hatte vor, einen Grundwasserbrunnen bei Reppenstedt zu bauen und damit jährlich bis zu 350 Millionen Liter Wasser aus 195 Metern Tiefe zu fördern. 2021 führte das Unternehmen über Monate einen Pump-Versuch durch. Anwohnende protestierten – sie befürchteten sinkende Grundwasserspiegel und Dürreschäden.

Nach dem dritten heißen Sommer ist Wasser zum kostbaren Gut geworden. Menschen in Niedersachsen sorgen sich ums Wasser.
Im Januar 2022 teilte Coca-Cola überraschend mit, man werde keinen Antrag für den Brunnen stellen. Die Proteste spielten dabei nach Angaben eines Sprechers keine Rolle. Stattdessen verwies das Unternehmen auf eine sinkende Nachfrage nach Mineralwasser. Im November 2023 entschied der Landkreis Lüneburg dann, dass der Brunnen zurückgebaut werden muss. Das sei vollständig erfolgt, teilte ein Landkreissprecher nun dem NDR Niedersachsen mit. Coca-Cola schloss damals einen weiteren Anlauf nicht aus. Pläne oder Anträge dafür liegen dem Landkreis nach eigenen Angaben aktuell aber nicht vor.
Niedersachsen: Kommunen rufen zum Wassersparen auf
Knappe Grundwasserstände treffen auch Privatpersonen: Einige Kommunen haben in diesem Sommer bereits Entnahmeverbote ausgesprochen. Unter anderem in Braunschweig, in der Region Hannover und im Landkreis Lüneburg müssen Gartenbesitzerinnen und -besitzer an heißen Tagen etwa beim Gießen und Rasensprengen auf die Uhr schauen. Andernfalls drohen Bußgelder. Andere Kommunen wie der Landkreis Emsland und der Landkreis Nienburg/Weser verzichten zwar bislang auf Verbote, rufen aber zu einem achtsamen Umgang mit Wasser auf. So rät der Landkreis Verden dazu, den Garten vorwiegend mit Grund- oder Regenwasser zu wässern und im Haushalt das Wasser abzustellen, wenn es nicht benötigt wird – etwa beim Zähneputzen.

Rasen sprengen oder Pool befüllen: In vielen Kommunen ist die Wasserentnahme inzwischen beschränkt.
NABU fordert konsequente Renaturierung
Bei den ausgetrockneten Böden, überhitzten Gewässern und sinkenden Wasserständen handele es sich nicht um ein kurzfristiges Extrem, sondern ein unübersehbares Warnsignal der Klimakrise, betont der Naturschutzbund NABU in Niedersachsen. Der Landesverband fordert deshalb, die Renaturierung von Mooren, Flüssen und Auen deutlich zu beschleunigen und unnötig versiegelte Flächen zurückzubauen, damit Wasser wieder länger in der Landschaft gespeichert werden kann. „Wiedervernässte Moore, lebendige Auen und naturnahe Gewässer speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und stabilisieren den natürlichen Wasserhaushalt“, sagte Pressesprecher Lamin Neffati in einer Mitteilung. So könnten Extremwetterlagen abgepuffert werden.

Plattform für Niedrigwasser
Zu viel Hitze, zu wenig Niederschlag: Seit Jahren nimmt die Trockenheit in Deutschland zu. Erstmals lassen sich nun Pegelstände auf einer einheitlichen Website einsehen.
Wassergesetz und Masterplan: Wie das Land Abhilfe schaffen will
Um Gewässer zu schützen und die Entnahme von Wasser zu regeln, hat das Land Niedersachsen Ende Juni ein modernisiertes Wassergesetz vorgestellt. Neben Hochwasserschutz-Maßnahmen umfasst das Gesetz etwa strengere Überprüfungen von Wasserentnahmen in stark belasteten Regionen und erleichterte Zulassungsverfahren für die Renaturierung von Gewässern. Außerdem sollen Wasserversorger Gebühren stärker nach Verbrauch staffeln dürfen – wer wenig verbraucht, bekäme dann einen günstigeren Tarif, wer besonders viel verbraucht, könnte mehr zahlen. Zusätzlich hat das Umweltministerium im Juli mit dem „Masterplan Wasser“ 66 Maßnahmen vorgestellt, um auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren. Die Maßnahmen reichen vom Wassersparen und der Entsiegelung von Flächen für mehr Wasserrückhalt über Hochwasserschutz bis hin zur Schonung von Grundwasser und der Renaturierung von Gewässern und Auen.

Neue Rechenzentren sind auch in Norddeutschland geplant. Doch die verbrauchen oft viel Wasser – zu viel für unseren Wasservorrat?

Der Edersee war Mitte Juli nur zu 18 Prozent gefüllt. Nun wächst der Streit um Wasser für Tourismus und Schifffahrt.

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Im Sommer suchen Menschen die Abkühlung im eigenen Pool – aber ist das noch zeitgemäß oder reine Wasserverschwendung? Wie stehen Sie dazu?

Wie sehen die Pegelstände der Flüsse in Ihrer Region aus? Die aktuelle Lage im Überblick.

Umweltminister Meyer (Grüne) hat jüngst zu einem achtsamen Umgang mit Wasser gemahnt. Ein Überblick über die aktuelle Situation.

22 Millionen Euro stellt Niedersachsen in diesem Jahr dafür zur Verfügung. Dem Großteil der Gewässer geht es schlecht.