Bielefeld. Staub hängt in der Luft, die Sonne brennt und mit lautem Krachen frisst sich der Greifarm des Baggers durch das Mauerwerk. Immer wieder brechen große Teile der Fassade heraus. Vor dem Bauzaun bleiben Passanten stehen, fotografieren den spektakulären Abriss. Am Montag endet an der Schildescher Straße 102 die Geschichte der Kreuzkirche – eines Gotteshauses, das mehr als sechs Jahrzehnte zum Stadtbild gehörte.

Die Kreuzkirche wurde 1962 errichtet. Zunächst nutzte die evangelische Kirche das Haus, 1980 kaufte die evangelisch-methodistische Gemeinde das Gebäude. Über Jahrzehnte war die Kirche nicht nur Gottesdienstort, sondern Treffpunkt für Gemeindeleben, Kinder- und Jugendarbeit und Veranstaltungen. Noch 2019 feierte die Gemeinde dort ihr 150-jähriges Bestehen in Bielefeld. Damals kamen unter anderem der Bischof der evangelisch-methodistischen Kirche, Harald Rückert, und der damalige Oberbürgermeister Pit Clausen nach Schildesche.

Doch wie viele Kirchengemeinden blieb auch die evangelisch-methodistische Gemeinde von den Veränderungen der vergangenen Jahre nicht verschont. Die Zahl der Gemeindemitglieder ging zurück, viele Ehrenamtliche wurden älter und konnten ihre Aufgaben nicht mehr übernehmen. Zuletzt besuchten durchschnittlich nur noch acht Menschen die Sonntagsgottesdienste.

Kirchen-Geschichte endet nach 156 Jahren

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Nach fast 156 Jahren endete damit die Geschichte der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Bielefeld. Im letzten Gottesdienst am 27. April 2025 wurde die Kreuzkirche offiziell entwidmet. Superintendent Stefan Kraft stellte den Abschied unter das Thema „Nach dem Ende der Neuanfang“ und ermutigte die Gemeindemitglieder, sich in anderen Gemeinden einzubringen. Pastorin Tanja Vorsteher sprach trotz aller Trauer von einem hoffnungsvollen Blick nach vorn. Die meisten verbliebenen Gemeindemitglieder schlossen sich inzwischen der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Lage an, andere fanden in evangelischen Gemeinden der Region eine neue geistliche Heimat.


Anja Padberg und Thorsten Hojas haben den Kirchturm gerettet und im Garten ihres Unternehmens an der Herforder Straße aufstellen lassen. - © Barbara Franke

Anja Padberg und Thorsten Hojas haben den Kirchturm gerettet und im Garten ihres Unternehmens an der Herforder Straße aufstellen lassen.
| © Barbara Franke

Ganz verschwindet die Kreuzkirche allerdings nicht aus Bielefeld. Ihr markanter Turm mit Wetterhahn und rund 300 Kilogramm schwerer Glocke wurde bereits vor einigen Wochen mit zwei Kränen vom Dach gehoben und vor der Verschrottung bewahrt. Das IT-Unternehmen MarcanT ließ den rund zehn Meter hohen Turm auf sein Firmengelände an der Herforder Straße bringen. Dort erinnert er künftig an die Kreuzkirche – und läutet inzwischen sogar die Mittagspause der Belegschaft ein.

Die Kreuzkirche ist ein Kirchenbau von vielen, die in den vergangenen Jahren in Bielefeld abgerissen wurden. Dazu zählen unter anderem St. Johannes Baptist in Senne, St. Pius in Gadderbaum, die Neuapostolische Kirche in Stieghorst und die St.-Liborius-Kirche im Bielefelder Westen. Hinzu kommen mehrere entwidmete Kirchen, die erhalten blieben und umgenutzt wurden, etwa die Martini-Kirche als Restaurant oder die Paul-Gerhardt-Kirche als Synagoge.

„Alles sehr traurig“: Bewegender Abschied von Bielefelder Kirche – dann wird sie entweiht