Rund 67 Prozent geben an, von der Sperrung der Bonner Nordbrücke direkt betroffen zu sein. Bei der Eifeltorbrücke sind es rund 57 Prozent.
Die Einschränkungen greifen tief in die betrieblichen Abläufe ein. Jeweils knapp die Hälfte der Unternehmen berichtet von Beeinträchtigungen bei Dienstfahrten, im Außendienst oder bei Handwerkereinsätzen. Mehr als vier von zehn Unternehmen nennen eine schlechtere Erreichbarkeit von Kunden oder Baustellen. Auch Tourenplanung, Lieferzeiten und Warentransporte sind beeinträchtigt. Sechs von zehn Unternehmen geben zudem an, dass viele ihrer Beschäftigten unter den Einschränkungen leiden.
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei den Fahrzeiten: 78 Prozent aller Unternehmen melden, dass pro Fahrt Verzögerungen von mindestens 15 Minuten, in vielen Fällen aber auch deutlich mehr, auftreten. Ebenso leidet die Verlässlichkeit, wenn Fahrzeiten stark schwanken und nicht mehr planbar sind. Mehr als ein Drittel der Unternehmen bewertet die Auswirkungen auf Kosten und Planungsaufwand als stark oder sehr stark, weitere rund 25 Prozent sprechen von einer mittleren Belastung.
„Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal: Fehlende Verlässlichkeit im Verkehrsnetz kostet die Unternehmen jeden Tag Zeit, Geld und Planungssicherheit“, sagt Alexander Felsch, Leiter des Geschäftsbereichs Interessenvertretung bei der IHK. Die Unternehmen sind gezwungen, die Folgen mit erheblichem organisatorischem Aufwand abzufedern. Jeweils rund 51 Prozent nutzen andere Routen oder planen größere Zeitpuffer ein. 45 Prozent verlagern ihre Fahrten auf frühere oder spätere Uhrzeiten, knapp ein Viertel setzt verstärkt auf Homeoffice. Nur 16 Prozent haben bislang keine Maßnahmen ergriffen. Die Anpassungen halten die Abläufe kurzfristig aufrecht, binden aber zusätzlich Personal und Fahrzeuge, verlängern Wege und verlagern den Verkehr auf andere, ebenfalls stark belastete Strecken.
Die Wirtschaft erwartet deshalb vor allem Geschwindigkeit und Verlässlichkeit. 70 Prozent der Unternehmen sprechen sich dafür aus, die Eifeltorbrücke noch in diesem Jahr in Fertigteil- oder Modulbauweise neu zu bauen. 54 Prozent wünschen sich eine bessere Abstimmung und transparentere Darstellung von Baustellen und Sperrungen, 43 Prozent mehr Informationen und regelmäßige Updates zu den Neubauprojekten. Besonders wichtig sind verlässliche Angaben zur Dauer von Sperrungen sowie frühzeitige Hinweise auf neue Einschränkungen.
„Die Brückenprobleme sind längst zu einem erheblichen Risiko für den gesamten Wirtschaftsstandort geworden. Kurzfristig brauchen wir die enge Abstimmung aller Baustellen im Verkehrsnetz, belastbare Umleitungskonzepte und eine verlässliche Kommunikation“, sagt Felsch. Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeverfahren müssten konsequent beschleunigt und Planungs- und Bauprozesse parallel statt nacheinander durchgeführt werden. Die IHK Köln fordert außerdem, die Sanierung der Kölner Rheinbrücken bis 2040 abzuschließen und die neue Rheinspange der A553 zügig zu realisieren. „Die Unternehmen können und müssen derzeit Umwege organisieren – ein leistungsfähiges und verlässliches Verkehrsnetz war und ist aber klar die Aufgabe des Staates.“