
AUDIO: Hannover: Der Titel UNESCO City of Music und seine Folgen (4 Min)
Stand: 06.08.2026 16:10 Uhr
Hannover ist seit 2014 UNESCO City of Music – neben Mannheim eine von zwei Städten mit diesem Titel in Deutschland. Ein Grund, nachzufragen, was Hannoveraner davon haben und ob sie davon etwas bemerken.
Der Titel UNESCO City of Music wird weltweit an Städte vergeben, die sich durch eine besonders große musikalische Vielfalt und exzellente Musikausbildung auszeichnen und in denen Kreativität Teil der nachhaltigen Stadtentwicklung ist. 28 solcher Städte gibt es aktuell in Europa. Wenn man in Hannovers Stadtzentrum allerdings nach der City of Music fragt, bekommt man Antworten wie: „Nee, habe ich tatsächlich nicht festgestellt, tut mir leid.“
UNESCO Cities of Music werden immer mehr
Ganz anders ist das, wenn man in die Szene eintaucht: „Für die hannoversche Musikszene gibt es Ansprechpartner*innen weltweit in allen, im Moment 83, weiteren UNESCO Cities of Music. Alle zwei Jahre werden weitere Städte hinzugefügt“, erklärt Alice Moser. Sie ist Koordinatorin für die UNESCO City of Music im Kulturbüro der Stadt Hannover. „Natürlich haben wir auch Fördermittel, die wir in Projekte geben können“, betont sie.
Nach über zehn Jahren blickt Moser auf viele Erfolge zurück, die dieser Titel ermöglicht hat. „Musiker*innen aus Hannover haben viele Projekte gemacht mit anderen Musiker*innen aus anderen UNESCO Cities of Music – in Hannover, aber auch international in anderen Städten“, sagt die Koordinatorin. Es gebe enge Verbindungen in spannende Städte, beispielsweise in Südkorea, England und Nordirland. „Wir haben aus verschiedenen Genres Menschen zusammengebracht, von Reggae bis hin zu Metal“, betont Moser.

In Hannover gab es ein Jahr lang Kultur-Kioske zum zehnjährigen Jubiläum als UNESCO City of Music.
Förderung für Frauen und FLINTA in Musikszene
Eine Initiative, die es ohne die UNESCO City of Music wohl auch nicht geben würde, ist „wim-FLINTA* in music hannover“. Hier können sich Frauen und Flinta aus allen Branchen der hannoverschen Musikszene vernetzen. Die Soul-Sängerin Joy Bogat will das Projekt wieder sichtbarer machen. „Ursprünglich wurde das Projekt vom Musikzentrum ins Leben gerufen, zusammen mit einigen Einzelpersonen, aber direkt von Anfang an mit der UNESCO City of Music, die gesagt haben: Wir möchten das unterstützen“, sagt Bogat. Das sei eine wichtige Botschaft gewesen.
„Andererseits hat es auch sehr viel Spielraum ermöglicht, dass einfach Geld da war und das Projekt gefördert wurde. Dadurch konnten wir auch tolle Speakerinnen einladen. Das hatte dann auch über Hannover hinaus Reichweite“, so die Sängerin.

Ein Zeichen für die Gemeinschaft: Das setzt David Lang mit seinem Mitsing-Stück „The Public Domain“ – der Abschiedsproduktion für Laura Berman.
Musik bekommt Schlüsselrolle in Stadtentwicklung
Damit kommt Hannover gleichzeitig seinen Verpflichtungen als UNCESCO Citiy of Music nach. Das sind unter anderem: Die Nachhaltigkeitsziele der UNO umzusetzen, zu denen auch Geschlechtergerechtigkeit gehört. Außerdem: Die Stadt als Kreativstandort voranzubringen. Dafür hat Hannover bundesweit als erste Stadt eine umfassende Musikstrategie verfasst. In der Stadtentwicklung soll demnach die Musik eine Schlüsselrolle erhalten.

Mit Tuba und Trompeten wurde die Eröffnung des Musikkiosks in Hannover gefeiert.
Sabine Busmann vom Sprecher*innenrat der Vereinten Kultur Hannover begrüßt das – blickt aber auch kritisch darauf. Es sei entscheidend, dass zukünftig mit der neuentwickelten Musikstrategie, die mit dem Titel verbundenen Impulse möglichst vielen Akteur*innen zugute kommen, sagt Busmann. „Dann zeigt eigentlich Hannover erst wirklich, was für eine offene, lebendige und auch gut vernetzte Stadtgesellschaft sie gerne pflegen möchte. Und die Herausforderung für meine Begriffe besteht wirklich darin, die Communities miteinander zu vernetzen.“
Hannovers Vielfalt international wahrgenommen
Denn ob Jazz, Klassik, Pop, Instrumental, Chor, Rock, Funk oder Soul – das musikalische Hannover hat viele Gesichter. Und das werde international wahrgenommen, so Koordinatorin Moser: „Viele Besucher*innen, die aus anderen UNESCO Cities of Music nach Hannover kamen, sind super begeistert gewesen, was es hier alles gibt und was Hannover bietet.“

Seit zehn Jahren trägt Hannover den Titel. Gemeinsam mit der Band Brazzo Brazzone haben das mehr als 300 Musiker gefeiert.
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