Berlin – Von wegen Laubenpieper-Idylle. Die ehemalige Finanzvorständin Viola K. (55) des Kleingartenverbands „Gartenfreunde Pankow“, ihr Mann Guido K. (51) und ihre Tochter Elisa K. (25) sollen sich knapp eine Million Euro an Mitgliedsbeiträgen in die eigene Tasche gesteckt haben!

Die Staatsanwaltschaft, die Anklage wegen Veruntreuung erhebt, teilte am Donnerstag mit: Das kriminelle Trio soll in hunderten Fällen Geld vom Verbandskonto auf private Konten von Mutter, Ehemann und Tochter geleitet und den Überweisungszweck jeweils verschleiert haben, um bei den anderen Verbandsverantwortlichen keinen Verdacht zu erregen.

So flog die Masche auf

Diese Masche klappte offenbar so gut, dass der Betrug gut drei Jahre lief und erst im Jahr 2023 aufflog. Eher per Zufall – denn zum Verhängnis wurde der betrügerischen Familie schließlich ein Mahnschreiben des Grünflächenamts Pankow an den Bezirksverband, weil der Verband seine Rechnungen aus dem Jahr 2022 nicht bezahlt hatte.

Viola K. soll die treibende Kraft für die kriminellen Überweisungen gewesen sein. Denn, wie Staatsanwalt Michael Petzold mitteilte, werden ihr von der Justiz „insgesamt 548 Fälle vorgeworfen, ihrer Tochter 163 Fälle und ihrem Ehemann einen Fall“. Der Schaden beträgt laut Staatsanwaltschaft 972.220 Euro.

Das Geld floss auf die Konten der Familie

Allein im April 2021 soll sich Viola K. nach B.Z.-Information 31.300 Euro an Gehalt überwiesen haben. Gestückelt in sechs Beträge. Niemand nahm daran Anstoß. Vermutlich, weil sie das Finanz-Controlling selbst in den Händen hielt. Ihrem Gatten, der als Geschäftsstellenmitarbeiter beim Verband angestellt war, überwies sie im April stattliche 14.000 Euro. Ihrer Tochter, die im April 2021 nur zum Schein angestellt war, immer noch 5000 Euro.

Viola K. war von Januar 2020 bis Februar 2023 Finanzvorstand im Bezirksverband. Ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt dort angestellt, ihre Tochter war von September 2017 bis August 2020 Auszubildende im Verband.

Der Bezirksverband ist ein Dachverband für Kleingartenanlagen und setzt sich aus mehreren Kleingartenvereinen im Bezirk Pankow zusammen. Die Mitglieder der Kleingartenvereine pachten ihre Gartenparzellen vom Bezirksverband, dieser wiederum vom Land Berlin. Die Pächter zahlen an den Bezirksverband, der dann ans Land Berlin.

Der Verband als Zwischenpächter für 5379 Parzellen in 55 Pankower Kleingartenanlagen war eigentlich pleite – das Insolvenzverfahren war die Folge. Die Auflösung war nur eine Frage der Zeit. Doch die Mitglieder konnten das Blatt wenden. Die Gläubiger des Verbands hatten ein Einsehen und stimmten für den Erhalt des Verbands, um die Pächter nicht von ihren Schollen vertreiben zu müssen. Im November 2025 wurde ein neuer Vorstand gewählt.

Beschuldigte schweigen

Staatsanwalt Petzold: „Die Staatsanwaltschaft strebt die Ersatzeinziehung der unberechtigt erlangten Gelder bei den Angeschuldigten und die anschließende Rückzahlung an den Verband an. Die Angeschuldigten schweigen zu den Vorwürfen.“

Von der knappen Million Euro fehlt bislang jede Spur – „das Geld ist weg“, so ein Ermittler zur B.Z.

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