Irgendwann geht „Pudding“ nicht mehr weiter. Der vierjährige Esel macht dem Klischee „störrisch“ alle Ehre und bewegt sich keinen Millimeter, so sehr sich sein Herrchen Christoph Klingenhäger beim Ziehen des Gurtes auch abmüht: „Es gibt aber keinen störrischen Esel. Jetzt verweigert er einfach das Gehen, weil es ihm zwischen den Tischen zu eng ist“, erklärt Klingenhäger. Die Tische stehen auf der Terrasse der Seniorenwohnanlage „Am Dreeskamp“ und die Bewohner erfreuen sich an diesem Nachmittag am mobilen Bauernhof von Christoph Klingenhäger aus Viersen: Zwei Esel, eine Ziege, die größte und kleinste Hahnenrasse der Welt, ein Hund und Tauben zaubern ein Lächeln auf die Gesichter.
Die Senioren nehmen gruppenweise am Angebot teil und kommen so alle in den Genuss, die Tiere füttern, streicheln und aus nächster Nähe betrachten zu können. Das ermuntert sie zum Erzählen und Registrieren jeder Bewegung: ein Effekt, der vom launigen Vortrag Klingenhägers noch gefördert wird. Er arbeitet seit über 20 Jahren mit den Tieren. Seine verstorbene Frau, als Erzieherin für Erwachsene mit Behinderungen tätig, brachte die Idee einer Eselwanderung für die ihr Anvertrauten als Unternehmung am Wochenende ein. Der große Erfolg ebnete den Weg für Klingenhägers mobilen Bauernhof, der nun vielen Kindertagesstätten und Senioreneinrichtungen positive Erfahrungen beschert.
Kathrin Schöneberg als Leiterin des Sozialen Dienstes hatte die Idee zu der Aktion: „Dadurch ist noch einmal ein anderer Zugang zu den Bewohnern möglich, die oft in sich gekehrt sind“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Und so lassen sich alle von lebenden „Ventilatoren“ beeindrucken: Tauben der Rasse Rheinische Ringschläger sorgen mit ihren schnellen Flügelschlägen für kurzzeitige Abkühlung. Unerschrocken streicheln die Senioren sanft über die Köpfchen und genießen die Berührungen der Schwingfedern. Großes Erstaunen rufen Hähne der größten und der kleinsten Rasse hervor, aber auch sie lassen sich streicheln und Klingenhäger führt zur Erheiterung aller auch ein Zwiegespräch mit ihnen.
Die Gäste erfahren viel Wissenswertes über die Ziege „Quieny“, denn sie besitzt nur eine untere Zahnreihe, aber vier Mägen. Esel „Jolly“ tut sich an den Möhrenscheiben gütlich, die ihm die Bewohner auf der flachen Hand anbieten. Und wieso heißt sein Kollege nun „Pudding“? Er stamme aus Holland und trug den Namen „Vla“, erklärt Klingenhäger. Seine Enkel bevorzugten aber die deutsche Übersetzung, also „Pudding“. Bewohner Marian Kompasz strahlt: „Der Nachmittag ist eine pure Bereicherung und sehr aufbauend, noch dazu mit einem tollen Vortrag!“