
AUDIO: Wohnungslos in der Hitze: „Ohne Hilfe ist man hier aufgeschmissen“ (3 Min)
Stand: 07.08.2026 05:00 Uhr
Hitzewellen, wie wir sie gerade erleben, machen allen Menschen zu schaffen. Besonders schwierig ist die Zeit aber für Wohnungslose. Ihnen fehlt der Zugang zu Trinkwasser und kühlen Räumen. In Leipzig gibt es Anlaufstellen, die helfen.

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Bei über 30 Grad haben sich einige Wohnungslose im Schatten eines alten DDR-Plattenbaus versammelt. Hier, im Leipziger Osten, ist die „Oase“: Eine Hilfestelle für Wohnungslose – und wichtiger Zufluchtsort. Die Männer und Frauen sehen erschöpft aus und schwitzen. Die meisten sind gereizt und möchten nicht über ihre Situation sprechen. “Dieses Jahr ist es sehr anstrengend, unangenehm, ich muss sehen, wie ich hier zurechtkomme.”, sagt eine Frau.

Dieses Jahr ist es sehr anstrengend, unangenehm.
wohnungslose Frau
Täglich kommen rund 100 Gäste in die Einrichtung – Tendenz steigend. Wer das Angebot nicht kennt, steht bei großer Hitze oft ohne Hilfe da. Die Situation sei dann belastend, erzählt eine Frau. Wer das Hilfsangebot nicht kennt, sei „aufgeschmissen“.
Hohe Temperaturen für Wohnungslose besonders gefährlich
Wie gefährlich hohe Temperaturen für wohnungslose Menschen werden können, merkt Benjamin Müller, Leiter der Leipziger Oase, immer wieder: “Letzte Woche erst war hier ein Klient, wohl auch in der Verbindung mit, wovon wir natürlich bei dieser Witterung dann ganz dringend abraten, Alkoholkonsum, ja, in einen epileptischen Anfall geraten und das draußen in der Hitze.”

Hitzewelle Juni 2026
Bei der Hitzewelle im Juni 2026 gab es eine beispiellose Zahl an Einlieferungen auf Grund von Hitzebelastung. Das zeigen neue Daten, die durch das RKI und Forschung in Magdeburg bereitgestellt werden.

Letzte Woche erst war hier ein Klient […] in einen epileptischen Anfall geraten und das draußen in der Hitze.
Benjamin Müller, Leiter der Leipziger Oase
Dass Hitze für Wohnungslose lebensbedrohlich werden kann, bestätigt auch Sabine Bösing. Sie ist die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Genaue Zahlen zu Hitzetoten unter Wohnungslosen gebe es zwar nicht, sagt Bösing, aber das Risiko ist hoch. Wohnungslose Menschen hätten keinerlei Schutz und seien ohnehin durch ihre Situation sehr stark belastet, so Bösing weiter. Die Hitze verschärfe das. „Das heißt, es besteht eben auch die Gefahr, dass sie versterben.“

Klimawandel
In Deutschland sind alleine in den letzten zwei Juniwochen über 5.000 Menschen wegen der extremen Hitze gestorben. Laut WHO wären viele Todesfälle vermeidbar.
Es besteht eben auch die Gefahr, dass sie versterben.
Sabine Bösing, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe
Jeder kann wohnungslosen Menschen in der Hitze helfen
Umso wichtiger sind Hilfsangebote. In der Leipziger Oase bekommen Betroffene Wasser, Sonnencreme, Sonnenhüte und einen kühlen Aufenthaltsraum. Passanten können aber auch helfen, erklärt Müller von der Leipziger Oase: „Mitzubeobachten, sie anzusprechen, auch da, wenn das geht, in den Schatten oder kühlere Plätze hinzumotivieren. Und wenn das alles nicht fruchtet und man merkt, da ist schon eine Person sehr sehr dehydriert, dann bitte unbedingt die Rettung rufen.“ So können Wohnungslose schnell Hilfe bekommen.
Stadtplanung: Mehr Schatten und Trinkwasserbrunnen gefordert

Aber darüber hinaus braucht es in den Städten langfristige Veränderungen. Bösing von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert Maßnahmen, die allen Menschen zu Gute kommen würden. Die Stadtplanung müsse dafür sorgen, dass es genug schattige Plätze gibt, Trinkbrunnen und Anlaufstationen, wo die Menschen sich runterkühlen könnten, sagt sie. Ein Wunsch, den auch viele Betroffene haben. “So einen Spender, so einen Wasserspender. Müsste man vielleicht mehr hinstellen.”, sagt eine wohnungslose Frau.

Schutz gegen Hitze
Die Hitzewellen haben besonders Städte belastet. UFZ-Experte Roland Müller erklärt, wie Bäume, Gründächer und gespeichertes Regenwasser für Abkühlung sorgen können.
Wasserspender müsste man vielleicht mehr hinstellen.
wohnungslose Frau
Aktuell gibt es in Leipzig rund 35 öffentliche Wasserspender. Ein Blick nach Wien zeigt, dass deutlich mehr möglich wäre: Dort stehen rund 1.800 Trinkwasserbrunnen