Projekt Vertrauliche Hilfe nach GewaltLudwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar – Ein wichtiges Signal für den Schutz von Menschen, die Opfer häuslicher oder sexualisierter Gewalt geworden sind: Im Klinikum Ludwigshafen wurde am Donnerstag, 6. August 2026, das Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ vorgestellt. Im Mittelpunkt steht ein ebenso einfacher wie wichtiger Grundsatz: Wer Gewalt erfahren hat, soll medizinische Hilfe erhalten können – vertraulich, kostenlos und zunächst auch ohne Strafanzeige.

Bei einer Pressekonferenz um 15 Uhr kamen im Klinikum Ludwigshafen Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Rechtsmedizin, Polizei und Opferhilfe zusammen. Sabine Bätzing-Lichtenthäler Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend (MASFFJ) erläuterte gemeinsam mit den beteiligten Fachleuten das Konzept und die Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen.

Die Begrüßung übernahm Dr. Eefje Barber, Medizinische Geschäftsführerin des Klinikums Ludwigshafen.

An der Vorstellung beteiligt waren zudem Jana Mohr von der Polizeilichen Opferberatung, Prof. Dr. med. Tanja Germerott, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin Mainz, Dr. Peter Brenk, Direktor für Akut- und Notfallmedizin am Klinikum Ludwigshafen, Dr. Klaus Baumann, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Ludwigshafen, Lea Wagner vom Verein Wildwasser und Notruf Ludwigshafen sowie eine Vertreterin des Frauenhauses.

Damit wurde bereits bei der Vorstellung deutlich, was einen wesentlichen Bestandteil des Projekts ausmacht: Die unterschiedlichen Fachstellen arbeiten Hand in Hand.

Drei Säulen bilden das Fundament der „Vertraulichen Hilfe nach Gewalt“

Frauenministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler hob bei der Vorstellung in Ludwigshafen besonders hervor, dass das Angebot „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ auf drei zentralen Säulen basiert: der vertraulichen medizinischen Versorgung, der gerichtsfesten Spurensicherung sowie der psychosozialen Begleitung nach der Tat. Damit sollen Betroffene nicht nur unmittelbar medizinisch versorgt werden. Gleichzeitig können mögliche Beweise professionell gesichert und die Betroffenen anschließend mit der belastenden Situation nicht allein gelassen werden. Gerade das Zusammenspiel dieser drei Bereiche macht den besonderen Ansatz des Projekts aus: Medizinische Hilfe, die Möglichkeit einer späteren strafrechtlichen Verfolgung und psychosoziale Unterstützung greifen ineinander, während die Entscheidung über weitere Schritte bei den Betroffenen selbst bleibt.

Das Netzwerk wächst dabei weiter. Bereits zwölf Kliniken in Rheinland-Pfalz beteiligen sich an dem Angebot. Nach Angaben bei der Pressekonferenz laufen zudem Gespräche mit weiteren Kliniken. Ziel ist es, das Angebot weiter auszubauen und damit möglichst vielen Betroffenen in Rheinland-Pfalz einen wohnortnahen und niedrigschwelligen Zugang zu vertraulicher Hilfe nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt zu ermöglichen.

Kostenlose Hilfe bekommen, ohne sofort Anzeige erstatten zu müssen

Für Betroffene kann nach einer Gewalttat die Frage nach einer Strafanzeige eine enorme zusätzliche Belastung darstellen. Genau an dieser Stelle setzt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ an.

Menschen, die häusliche oder sexualisierte Gewalt erfahren haben, können sich medizinisch untersuchen und behandeln lassen, ohne zuvor eine Anzeige bei der Polizei erstatten zu müssen. Die medizinische Behandlung unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Die Entscheidung darüber, ob und wann später eine Strafanzeige erstattet wird, bleibt bei den Betroffenen. Das schafft einen geschützten Raum in einer Situation, in der viele Menschen zunächst Zeit benötigen, um das Erlebte zu verarbeiten und über weitere Schritte zu entscheiden.

Klinikum Ludwigshafen übernimmt wichtige Rolle

Für Ludwigshafen und die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar ist die Beteiligung des Klinikums von besonderer Bedeutung. Wer Hilfe benötigt bekommt sie, kein Betroffener von Gewalt wird abgewiesen.

Das Klinikum verbindet die notwendige medizinische Versorgung mit einer professionellen und standardisierten Sicherung möglicher Beweise. Gleichzeitig können Betroffene auf Wunsch an Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen weitervermittelt werden.

Damit endet die Hilfe nicht mit der medizinischen Untersuchung. Vielmehr entsteht eine Unterstützungskette, die medizinische Versorgung, mögliche spätere Strafverfolgung und psychosoziale Betreuung miteinander verbindet.

Gerade diese Vernetzung unterstreicht die wichtige Rolle, die das Klinikum Ludwigshafen als zentraler medizinischer Versorger der Region bei diesem sensiblen Thema übernimmt.

Speziell geschulte Ärztinnen und Ärzte

Ein entscheidender Bestandteil des Projekts ist die Qualifikation des medizinischen Personals. Die Ärztinnen und Ärzte der teilnehmenden Kliniken sind für den Umgang mit Menschen nach Gewalterfahrungen besonders geschult. Neben einem sensiblen Umgang mit den Betroffenen geht es auch darum, Verletzungen und mögliche Spuren fachgerecht und so zu dokumentieren, dass diese bei einem späteren Strafverfahren verwendet werden können. Dabei entscheiden die Betroffenen selbst, was untersucht und dokumentiert werden soll.

Einheitliche Untersuchungskits für eine standardisierte Spurensicherung

Eine wichtige Rolle spielen zudem standardisierte Untersuchungskits. Sie stellen sicher, dass die Spurensicherung nach einheitlichen Verfahren erfolgt. Die notwendigen Materialien für die Dokumentation und Sicherung möglicher Spuren stehen dadurch strukturiert zur Verfügung.

Dazu gehören unter anderem Materialien für Abstriche und die Sicherung möglicher DNA-Spuren sowie Hilfsmittel für die medizinische und fotografische Dokumentation von Verletzungen.

Der Vorteil dieses einheitlichen Vorgehens: Unabhängig davon, in welcher teilnehmenden Klinik eine Untersuchung erfolgt, soll eine qualitativ hochwertige und nachvollziehbare Spurensicherung gewährleistet werden.

Beweise können über Jahre gesichert werden

Besonders wichtig ist die Möglichkeit der vertraulichen Spurensicherung.

Entscheidet sich eine betroffene Person zunächst gegen eine Strafanzeige, können die dokumentierten Befunde und gesicherten Spuren dennoch aufbewahrt werden. Die Befunde werden beim Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz über mehrere Jahre gesichert.

Erst wenn sich eine betroffene Person später für eine Strafanzeige entscheidet und die notwendige Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht erteilt, können die entsprechenden Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben werden.

Damit geht kein wichtiges Beweismaterial allein deshalb verloren, weil jemand unmittelbar nach einer Gewalttat noch nicht bereit oder in der Lage ist, eine Entscheidung über eine Strafanzeige zu treffen.

Zeit für eine selbstbestimmte Entscheidung

Genau darin liegt eine der großen Stärken des Projekts. Betroffene erhalten medizinische Hilfe und können gleichzeitig mögliche Beweise sichern lassen. Dennoch behalten sie die Kontrolle über das weitere Vorgehen. Sie können anschließend mit Unterstützung von Fachberatungsstellen entscheiden, ob sie Strafanzeige erstatten möchten.

Auf Wunsch vermittelt das Klinikum nach der medizinischen Versorgung den Kontakt zu regionalen Frauenunterstützungseinrichtungen. Dort können Betroffene psychosoziale Unterstützung erhalten und sich auch bei der Entscheidung über weitere Schritte beraten lassen.

Keine Kosten für Betroffene

Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Angebot ist für die Betroffenen kostenfrei. Damit soll verhindert werden, dass finanzielle Sorgen Menschen davon abhalten, nach einer Gewalterfahrung medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen oder Verletzungen und Spuren professionell dokumentieren zu lassen.

Das Angebot richtet sich dabei nicht ausschließlich an erwachsene Frauen. Auch andere Menschen ab 14 Jahren, die von sexualisierter oder häuslicher Gewalt betroffen sind, können die vertrauliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Klinikum Ludwigshafen rund um die Uhr erreichbar

Das Klinikum Ludwigshafen gehört zu den beteiligten Klinikstandorten in Rheinland-Pfalz und bietet sowohl die vertrauliche medizinische Versorgung als auch die vertrauliche Spurensicherung nach sexualisierter und häuslicher Gewalt an.

Betroffene können sich grundsätzlich rund um die Uhr und an jedem Tag an das Klinikum wenden. Eine vorherige Anmeldung ist nicht zwingend erforderlich.

Damit steht in Ludwigshafen eine niedrigschwellige Anlaufstelle zur Verfügung, bei der medizinische Kompetenz, rechtsmedizinische Standards und psychosoziale Unterstützung zusammengeführt werden.

Ein starkes Netzwerk für Menschen in einer schwierigen Situation

Die Pressekonferenz im Klinikum Ludwigshafen zeigte vor allem eines: Effektiver Opferschutz funktioniert besonders gut, wenn Institutionen nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten.

Medizin, Rechtsmedizin, Polizei, Frauenhaus und spezialisierte Beratungsstellen wie Wildwasser bringen jeweils ihre Fachkompetenz ein. Das Klinikum Ludwigshafen bildet dabei einen entscheidenden medizinischen Anlaufpunkt.

Für Betroffene bedeutet dieses Netzwerk vor allem Sicherheit und Selbstbestimmung: Sie erhalten professionelle medizinische Hilfe, mögliche Beweise können gesichert werden und gleichzeitig entsteht kein Druck, unmittelbar eine Strafanzeige stellen zu müssen.

Das Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ schließt damit eine wichtige Lücke zwischen medizinischer Versorgung, Opferschutz und einer möglicherweise erst später erfolgenden Strafverfolgung.

Für das Klinikum Ludwigshafen ist die Beteiligung zugleich ein starkes Zeichen: Neben der medizinischen Versorgung übernimmt das Klinikum Verantwortung für Menschen, die sich in einer besonders verletzlichen und schwierigen Lebenssituation befinden.

Wichtig für Betroffene

Nach einer Gewalttat sollte möglichst früh medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Verletzungen können innerhalb kurzer Zeit verheilen und Spuren durch Waschen oder andere Einflüsse verloren gehen.

Auch vermeintlich kleinere Verletzungen wie Kratzer oder Hämatome können später für die Dokumentation von Bedeutung sein.

Im Klinikum genügt der Hinweis:

„Ich brauche vertrauliche Hilfe.“

Damit können Betroffene an die zuständige Stelle vermittelt werden.

Klinikum Ludwigshafen am Rhein
Bremserstraße 79
67063 Ludwigshafen

Frauenklinik: 0621 / 503 32 51
Zentrale Notaufnahme außerhalb der regulären Zeiten: 0621 / 503 40 06

Quelle: MRN-News

Zuletzt aktualisiert am 6. August 2026, 23:16