Es gibt Ereignisse, die bleiben im Gedächtnis. So wie die Nachricht vom Tod von David Bowie. Der Musiker war am 10. Januar 2016 gestorben. Sven-André Dreyer kann sich noch gut daran erinnern, wie traurig es ihn gemacht hat, als er aus dem Radio erfuhr, dass Bowies Stimme für immer verstummt ist.
Gemeinsam mit Michael Wenzel flaniert Sven-André Dreyer regelmäßig als Stadtführer auf den Spuren der bewegten Musikszene Düsseldorfs. Was viele nicht wissen, auch David Bowie hatte einen Bezug zum Rhein. „Dazu müssen wir in die Mitte der 1970er zurückreisen“, beginnt Dreyer die Geschichte. Als Ziggy Stardust war der Brite zum gefeierten Star geworden. Doch der ganze Rummel um seine Person hinterließ Spuren. Sein Drogenkonsum nahm extreme Ausmaße an. Es war Zeit, die Notbremse zu ziehen. Dafür musste der Musiker aber seinem gewohnten Umfeld in Los Angeles mit all den Verlockungen für eine Weile den Rücken kehren. Berlin – so hatte er von Kumpel Iggy Pop gehört, der dort schon eine Weile lebte – sei gerade total angesagt und der Place to be für Künstler. Bowie versprach sich vom Umzug einen Neuanfang und ein Leben in Anonymität. „Damals war Berlin noch die geteilte Stadt mit einer umtriebigen Musikszene“, erzählt Dreyer weiter.
Bis zu seinem Tod war David Bowie bekannt dafür, dass er musikalisch am Puls der Zeit war, sich dafür interessierte, was in verschiedenen Genres gerade passierte. Die ausgehenden 70er-Jahre waren die Zeit der Elektropioniere. „Bowie hörte zum Beispiel Mouse on Mars“, weiß der Musikexperte zu berichten. Nicht die einzige Formation aus Düsseldorf, die den Briten mit vorübergehendem Wohnsitz in West-Berlin neugierig machten. Auch Kraftwerk weckte sein Interesse – und zwar so sehr, dass sich Bowie auf den Weg an den Rhein machte.
„Auf Fotos aus dieser Zeit erkennt man ihn kaum. Er lief in Holzfällerhemden und Jeans rum“, fährt Sven-André Dreyer fort und ergänzt: „Bowie trug Dreitagebart und wirkte wie ein ganz normaler Typ von nebenan und nicht wie ein gefeierter Rockstar“.
So ein Outfit habe er vermutlich auch angehabt, als der Zug in den Hauptbahnhof Düsseldorf einrollte. Bowie hatte eine Adresse im Kopf, die er unbedingt aufsuchen wollte und die lag fußläufig in der Mintropstraße 14-16. Im Hinterhof befand sich bis 2009 das legendäre Kling-Klang-Studio von Kraftwerk. Die Elektropioniere hatten es dem Besuch aus West-Berlin besonders angetan. „Er hatte sich wohl gedacht, ich gehe einfach mal bei den Jungs im Studio vorbei und sage Hallo“, sagt Dreyer und muss schmunzeln.
Denn wer sich wie er mit der Musikgeschichte allgemein und die der Düsseldorfer im Besonderen so gut auskennt, den überrascht es nicht, dass Bowies Plan nicht wirklich aufging – ja gar nicht aufgehen konnte.
Denn „Kraftwerk haben immer wieder Anfragen von sehr bekannten Kollegen bekommen, doch einmal ihr Studio ansehen zu dürfen, und die Jungs haben es jedes Mal abgelehnt“, sagt Dreyer. Da waren Ralf Hütter und Florian Schneider knallhart. Sie machten auch für den berühmten Rockstar Bowie keine Ausnahme. Doch warum waren sie so dagegen? „Die wollten einfach nicht, dass jemand sah, wie sie ihre Sounds entwickelten“, erklärt Dreyer. „Die konnten sich denken, dass Bowie nicht nur zum schauen gekommen war, sondern auch, um sich für sein neues Album inspirieren zu lassen.“
Nun schlägt nicht jeden Tag ein international gefeierter Künster von diesem Kaliber in Düsseldorf auf und Kraftwerk wollten ihn ja auch kennenlernen. Also luden sie David Bowie zu Kaffee und Kuchen in die Confiserie Bittner am Carlsplatz ein. „Die Band war da oft und fand es wohl cool, dem Gast aus Berlin die Konditorei zu zeigen“, meint Dreyer. Im Anschluss seien Kraftwerk mit Bowie noch über den Markt geschlendert, um für ein gemeinsames Abendessen einzukaufen. Danach stieg der Gast wieder in den Zug zurück nach West-Berlin.
Diese ist nur eine von vielen Geschichten und Anekdoten, die Sven-André Dreyer am 25. August im Bambi-Kino erzählen wird, das mit dem Filmabend auch an den Schauspieler David Bowie erinnert.