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Das Berliner Luxushotel soll verkauft werden. Der Prozess wird eine Menge über das „Adlon“, Berlin und Deutschland aussagen.

Es gibt keine bessere Adresse in Berlin, kaum einen anderen Ort mit mehr Marmor, Gold und Glamour. Das Frühstück im „Hotel Adlon“ am Pariser Platz ist legendär, der Wellnessbereich frisch renoviert, in den Suiten übernachten Präsidenten, Stars und zahlungskräftiges Volk. Jetzt soll das Hotel verkauft werden. Für mindestens 280 Millionen Euro soll es in neue Hände kommen.

Das „Adlon“ ist mehr als ein Hotel. Es ist aus mehreren Gründen ein Symbol für Deutschland als Ganzes. Wie das vereinigte Land gründete es auf hochfliegenden Erwartungen, die der Realität nicht standhielten. Ähnlich wie das Gemeinwesen schuf es eine Atmosphäre des Komforts und des überangenehmen Lebens, auch wenn die Zahlen zwischendurch nicht stimmten.

Das Verkaufsverfahren wird nicht nur den realistischen Preis für ein in die Jahre gekommenes Luxushaus im Herzen Berlins offenlegen. Es wird auch eine Aussage darüber zulassen, welchen Stellenwert Deutschland bei den Großinvestoren hat. Der Kaufpreis wird uns sagen, wie viel Fantasie internationale Anleger für Deutschland haben. Älteren wird er auch einen Hinweis geben, wie hoch der Abschlag auf ein Investment ausfällt, wenn im Alter mehr und mehr Anlagen zu Geld gemacht werden müssen. Und die Bieter schließlich werden dem Land zeigen, wie viel Prestige es da genießt, wo der neue Reichtum der Welt wohnt.

Zur Person

Ursula Weidenfeld zählt zu den renommiertesten Wirtschaftsjournalistinnen Deutschlands. Sie beschäftigt sich mit Konjunktur und deutscher Politik, früher unter anderem bei der „Financial Times Deutschland“ sowie als Wirtschaftsressortleiterin beim Berliner „Tagesspiegel“. Zuletzt erschien von ihr im Rowohlt-Verlag „Das doppelte Deutschland. Eine Parallelgeschichte 1949–1990“.

Das „Hotel Adlon“ war das Symbol der Einheits- und Berlin-Euphorie

Als das „Adlon“ im Jahr 1907 an der besten Adresse Berlins eröffnet wurde, bevölkerten alter Adel und neues Geld das Haus. Der Kaiser persönlich wurde zum Stammgast und mischte sich unter seine wohlsituierten Untertanen. 1945 durch ein Feuer zerstört, in der DDR-Zeit abgetragen, wurde es nach der Einheit neu errichtet. Wer im wilden Berlin der Neunzigerjahre etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, investierte ins „Adlon“. Das „Hotel Adlon“ war das Symbol der Einheits- und Berlin-Euphorie jener Zeit, es stand für Aufbruch, Vaterland und Größenwahn. Und für alle damit verbundenen Enttäuschungen und Fehleinschätzungen stand es auch.

Die Investoren des geschlossenen Immobilienfonds Fundus 31 hatten selten Grund zur Freude. Immer wieder stritten sie mit dem Gründer des Fonds, dem Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld, über eigenmächtige Pachtnachlässe, um Eigenkapitalverzehr und um Schulden. Wer als Erstkäufer eingestiegen war und seinen Anteil behielt, hat über die Jahre gerade einmal 43 Prozent auf das eingezahlte Kapital ausgezahlt bekommen, dazu Steuergutschriften. Zeitweise wurden die Anteile auf dem Zweitmarkt nur noch für ein Viertel des Nennwertes gehandelt. Mit dem rasanten Anstieg der Berliner Immobilienpreise erholte sich der Wert auf zwischenzeitlich über 100 Prozent, zuletzt wurden sie bei allerdings unter 70 Prozent gekauft.