Wuppertal · Fachwerkhaus, Friedhof, Pavillon, Werbung – sie alle stehen in Wuppertal unter Denkmalschutz. Ein Überblick über die besondersten Denkmäler der Stadt.
Gleichheit bis über den Tod hinaus
Seit 1851 werden auf dem niederländisch-reformierten Friedhof an der Katernberger Straße alle Gräber nach demselben Prinzip gestaltet: Sandsteinplatten und ein Rosenstock am Kopfende symbolisieren, dass vor Gott alle Menschen gleich sind. Die einheitliche Gestaltung der Grabstätten verzichtet auf Unterschiede durch aufwendige Grabmale oder individuellen Schmuck und macht so die besondere religiöse Idee der Anlage sichtbar. Rund 1500 Rosen verwandeln den denkmalgeschützten Friedhof vor allem im Sommer in ein außergewöhnliches Blütenmeer. Zu den hier Bestatteten gehören unter anderem Pastor Hermann Friedrich Kohlbrügge und Daniel von der Heydt. Neben den Grabstätten prägen auch die Kapelle und die Wegeführung den besonderen Charakter des Friedhofs. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, finden um 13 und 14.30 Uhr jeweils einstündige Führungen statt. Nach einem Vortrag geht es über den Friedhof.
Glanzstück im Briller Viertel

Die alte Villa ist ein echter Hingucker.
Foto: JA/Andreas Fischer
Zwischen 1892 und 1895 entstand an der Katernberger Straße eine repräsentative Villa für den Wuppertaler Fabrikanten Otto Baum. Das neoklassizistische Gebäude zählt zu den architektonischen Schmuckstücken des Briller Viertels, einem der größten, zusammenhängenden Villenvierteln Deutschlands. Mit den klassischen Stilelementen steht die Villa beispielhaft für die Wohnkultur des wohlhabenden Bürgertums im späten 19. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude stark beschädigt und wechselte mehrfach den Besitzer. Zeitweise drohten Umbaupläne den historischen Charakter der Villa zu verändern. Durch die denkmalpflegerische Begleitung konnte die besondere Architektur jedoch erhalten werden. Heute wird die Villa als Unternehmenssitz genutzt. Am Tag des offenen Denkmals werden Rundgänge um 11, 12 und 13 Uhr angeboten. Eine Anmeldung bis zum 9. September per E-Mail oder telefonisch ist erforderlich.
Vom Verkaufspavillon zum Treffpunkt

Der Pavillon (links) steht seit dem 19. Jahrhundert auf dem Laurentiusplatz – der Glasanbau kam später hinzu.
Foto: JA/Andreas Fischer
Der Pavillon am Laurentiusplatz gehört seit dem späten 19. Jahrhundert zum Stadtbild Elberfelds und ist ein kleines, aber markantes Zeugnis der Stadtentwicklung über die Jahre. Ursprünglich wurde das Gebäude als Verkaufspavillon in Fachwerkbauweise errichtet. In den 1980er-Jahren erhielt es durch einen modernen Glas-Stahl-Anbau eine neue Nutzung und wurde so an die veränderten Anforderungen des innerstädtischen Lebens angepasst.
Das denkmalgeschützte Gebäude dokumentiert den Wandel des Laurentiusplatzes: Ursprünglich als Kirchenvorplatz angelegt, entwickelte sich der Platz im Laufe der Gründerzeit allmählich zu einem lebendigen Markt- und Begegnungsort. Der Bau des Pavillons steht damit beispielhaft für die Veränderungen, die viele Innenstädte durch zunehmenden Verkehr und neue öffentliche Funktionen erfahren haben.
Bis heute ist der Pavillon ein markanter Bestandteil des Platzes und verbindet historische Bausubstanz mit moderner Nutzung – mittlerweile ist das Café Laurenz in dem altehrwürdigen Gebäude ansässig. Gerade durch seine zentrale Lage erinnert der Pavillon daran, wie sich städtische Räume im Laufe der Zeit verändern und wie sie an neue Bedürfnisse angepasst
werden.
Fachwerkhaus erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Noch eine Baustelle – doch bald soll in dem Bergischen Fachwerkhaus inklusives Wohnen möglich sein.
Foto: JA/Andreas Fischer
Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus in Kotthausen stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist ein typisches Beispiel für die traditionelle Bergische Bauweise. Das zweigeschossige Gebäude mit Fachwerkkonstruktion, teilverschieferter Fassade und massivem Sockel erzählt von der ländlichen Lebensweise vergangener Jahrhunderte.
Jahrzehntelang stand das Gebäude leer und war dringend sanierungsbedürftig. Nun wird es umfassend erneuert und aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Künftig soll hier ein inklusives Wohnprojekt entstehen, das barrierefreien Wohnraum für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf schafft.
Beim Tag des offenen Denkmals können Besucher bei Kaffee, Tee und Kuchen mehr über die Geschichte des Hauses, die Besonderheiten der Fachwerkbauweise und den aktuellen Stand der Sanierung erfahren. Führungen durch das Gebäude werden angeboten, eine eigenständige Besichtigung ist nicht möglich.

Die Ruhmeshalle, heute das Haus der Jugend, wurde vor mehr als 100 Jahren eingeweiht.
Foto: Vivian Junker/ Bergische Universität
Als Kaiser-Wilhelm- und Friedrich-Ruhmeshalle wurde das monumentale Gebäude 1900 am Geschwister-Scholl-Platz eingeweiht und diente zunächst als Denkmal und Kunsthalle. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg entstand beim Wiederaufbau das Haus der Jugend. Bis heute prägen das imposante Säulenportal und die Natursteinfassade das Gebäude. Heute vereint das Denkmal unter anderem die Kunsthalle, den Live Club und die Stadtteilbibliothek – und bleibt damit ein lebendiger Ort der Kultur.
Das steinerne Barockjuwel

Der Wunderbau, benannt nach einem der sieben Wunder der Antike, ist das älteste Natursteingebäude im Tal.
Foto: Fischer, Andreas (f22)
Der „Wunderbau“ gilt als das älteste Natursteingebäude Elberfelds. Der Kaufmann Peter vom Heydt ließ das barocke Gebäude 1754 am Hardtberg errichten. Der Name kommt von den damals prachtvollen Terrassengärten, die an die Hängenden Gärten der Semiramis erinnern sollten. In den Felsen gehauene Weinkeller, Grotten, Springbrunnen und Skulpturen machten das Anwesen zu einer Besonderheit. Trotz schwerer Kriegsschäden blieben die fast zwei Meter dicken Außenmauern erhalten. Heute ist der denkmalgeschützte Bau ein eindrucksvolles Zeugnis der Elberfelder Baugeschichte.
Blickfang der besonderen Art

Die bekannte Werbung am heutigen Milias.
Foto: Fischer, A. (f22)/Fischer, Andreas (f22)
Ein besonderes Denkmal hängt an der Kirchstraße. Die Leuchtreklame, die an die Vergangenheit des Klubs Maxim erinnert, ist ein bewegliches Denkmal und als solches auch unter Schutz gestellt. Das Etablissement gibt es schon lange nicht mehr – die leuchtende Tänzerin bleibt aber. Heute befindet sich an der Stelle unter anderem das Milias Café. So anrüchig soll das Maxim auch gar nicht gewesen sein, wie viele Wuppertaler angesichts der Werbe-Dame denken mögen. Kein Rotlicht-Betrieb, eher ein edler Nachtclub, wie eine ehemalige Mitarbeiterin sich vor einigen Jahren im WZ-Gespräch erinnerte.

Die jugendstilgeprägte Eingangshalle des Bahnhofs.
Foto: Uli Kopka
Der 1908 eröffnete Bahnhof Vohwinkel ist mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt. Als zweitgrößter Bahnhof Wuppertals, nach dem Hauptbahnhof bildet er gemeinsam mit Postgebäude und ehemaligem Eilgutschuppen ein nahezu vollständig erhaltenes Trio aus der Blütezeit der Eisenbahn. Besonders beeindruckend sind die Schalterhalle mit Jugendstilelementen sowie das rund 100 Meter lange Tunnelsystem für Post und Gepäck. Seit 2008 wird der Bahnhof im Rahmen des Projekts „Bürgerbahnhof“ schrittweise revitalisiert. Am Tag des offenen Denkmals gibt es Führungen um 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr. Um 17 Uhr spielt das Drehorgelorchester Gewu in der historischen Schalterhalle Rock-, Pop-, Film- und Musicalmelodien.