Die Ukraine hat erneut ein Logistikzentrum des größten russischen Versandhändlers Wildberries mit Drohnen angegriffen. Bei dem Angriff auf das Lager in Jekaterinburg sei ein Feuer ausgebrochen, teilte das Unternehmen mit. Das Personal sei rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden.
Drei Drohnen stürzten laut dem Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk, Denis Pasler, auf das Dach eines Logistikzentrums, das aus Sicherheitsgründen geräumt wurde. Feuerwehrleute seien zur Brandbekämpfung im Einsatz. Verletzte gebe es nicht.
In sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die den Angriff und Rauchsäulen über einer Lagerhalle zeigen sollen. Bereits Ende Juli hatte die Ukraine ein Wildberries-Logistikzentrum in Jekaterinburg angegriffen. Das Unternehmen gab danach an, dass es keine Schäden gegeben habe.
Angriffe auf rund 20 Wildberries-Standorte seit Mitte Juli
Wildberries ist
in Russland sehr beliebt und wird häufig als »russisches Amazon«
bezeichnet. Seit Mitte Juli wurden nach Angaben russischer Behörden rund
20 Standorte von Wildberries in
verschiedenen Teilen Russlands und auf der von Moskau annektierten
ukrainischen Halbinsel Krim angegriffen.
Die Regierung in Kiew wirft Wildberries vor, über Logistikzentren auch das russische Militär zu beliefern und damit Teil des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu sein. Das Unternehmen und der Kreml bestreiten dies. Bei
den Angriffen auf Wildberries-Lagerhäuser wurden bisher mindestens 13 Menschen
getötet. Russland griff wiederum zuletzt ebenfalls
Lagerhäuser in und um Kiew an und behauptete, dort würden
militärische Güter gelagert.
Betreiber von Abholstationen und Händler kämpfen mit Folgen
Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Wildberries-Standorte haben nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen enorme Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Nicht nur die Betreiber
von Abholstationen haben mit den Folgen zu kämpfen, sondern auch
Händler, die darauf angewiesen sind, ihre Produkte über Wildberries zu verkaufen. Das Unternehmen wickelt zusammen mit anderen
E-Commerce-Plattformen Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5
Prozent der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen.
Die ukrainischen Angriffe führen den Angaben zufolge zu massiven Störungen im russischen Logistiknetz und beeinträchtigen den Einzelhandel. Ein Fünftel der Lagerkapazität von Wildberries wurde
laut einer Reuters-Auswertung von Satellitenbildern beschädigt
oder zerstört. »Die Verkäufe sind im vergangenen Monat um etwa 50 Prozent
eingebrochen, weil es fast keine Lieferungen mehr gibt«, sagte
Wassili Klimow, der eine Abholstation für Wildberries in Moskau
betreibt. Sein Geschäft habe im Juli Verlust
gemacht. Wie er versuchen Tausende Franchisenehmer und Händler,
die auf die Plattform angewiesen sind, ihre Einbußen zu
begrenzen.
© Lea Dohle
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Die Folgen der Angriffe auf Wildberries-Logistikzentren sind mittlerweile auf höchster Ebene ein
Thema. Die Regierung in Moskau berät demnach über mögliche
Hilfen für das Unternehmen und die betroffenen Händler. Wildberries sucht zudem offenbar nach Ausweichmöglichkeiten. Im benachbarten Kasachstan baut der Versandhändler Lagerkapazitäten mit einer Gesamtfläche von 260.000 Quadratmetern auf. Die geplanten Anlagen sind nach kasachischen Regierungsangaben Teil eines langfristigen Expansionsprojekts und sollen im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen.
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