Markus Lanz kritisiert die Potsdam-Recherche. Correctiv reagiert darauf mit Social-Media-Videos, die Lanz‘ Kritik grob verfälschen und ihn unfair vorführen. Wie weit hat sich Correctiv vom Anspruch des „faktenbasierten Diskurses“ entfernt?

Bei Correctiv wissen sie, wer Journalist ist und wer nicht. Nachdem Reporter des rechtspopulistischen Mediums Apollo am Rande des AfD-Parteitags am 4. Juli 2026 von linken Demonstranten angegriffen worden waren, verfasste Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit auf Bluesky einen Post. Sie sprach sich gegen Gewalt gegenüber den Reportern aus, betonte aber zugleich: „Die Mitarbeitenden von ‚Apollo News‘ sind keine Journalisten.“ Auf Nachfrage, wie sie Journalismus definiere, antwortete Dowideit: „Mein Kriterium ist: Journalisten sind Leute, die faktenbasiert berichten und sich nach bestem Gewissen mühen, wahrhaftig zu berichten.“

Eine gute Definition. Früher war dies auch die prominente Selbstbeschreibung von Correctiv. Das Medium stehe für „faktenbasierten Diskurs“, hieß es unter „Wir über uns“ auf der Website. Der Satz ist seit Ende des Jahres dort verschwunden. Stattdessen heißt es nun, Correctiv stehe für „Journalismus, der Wirkung zeigt“

Man könnte diese Umgestaltung der Homepage als Petitesse abtun. Denn ohne Frage arbeiten bei Correctiv hervorragende Journalisten, die in vielen faktenstarken Berichten gesellschaftliche Missstände offenlegen. Man kann die Streichung allerdings auch als Eingeständnis bewerten, dass es sich bei Correctiv in erster Linie um ein Community-Medium handelt: also um ein Medium, das gesellschaftliche Wirkung im Sinne der politischen Überzeugungen seiner Unterstützer erzielen will. Diese Unterstützer finanzieren Correctiv, weil sie erwarten, dass bestimmte politische Debatten beeinflusst werden. 

Genau darin liegt die journalistische Gefahr: Wo Themenwahl und Zuspitzung an die Erwartung der eigenen Community gekoppelt sind, kann der faktenbasierte Diskurs schnell unter die Räder geraten. 

Ob die Correctiv-Recherche zu Potsdam einen solchen förderte, wurde und wird inzwischen breit diskutiert. Offen zutage getreten ist allerdings nun, dass sich Correctiv bei der öffentlichen Verteidigung dieser Recherche vom faktenbasierten Diskurs verabschiedet hat. Während die bisherige Öffentlichkeitsarbeit von Correctiv von Freund-Feind-Denken und einer demonstrativen Kritikresistenz geprägt war, tritt nun gezielte Irreführung hinzu. Das zeigen die Social-Media-Videos, mit denen Correctiv die Recherche zu Potsdam gegen die Kritik im Podcast Lanz und Precht (Folge 248) verteidigen will. 

Was Lanz Correctiv tatsächlich vorwirft

Die Podcast-Folge von Lanz+Precht drehte sich um das Thema Community-Journalismus. Die beiden Moderatoren kamen dabei neben ben.unscripted, Nius und weiteren Medien auch auf Correctiv zu sprechen. Sie ordnen das Medium wegen einseitiger Themenauswahl als aktivistisches Community-Medium ein. Dabei kommen sie auch auf die Recherche zu Potsdam zu sprechen. Precht sieht darin eine „verzerrte Darstellung durch Kürzung, durch falsche Analogien, durch Raunen, durch Metaphorik, durch Begriffsverdrehungen“. 

Lanz macht die Kritik konkret und fokussiert sich auf eine Aussage in der Potsdam-Recherche, die aktuell Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen ist. So wird vor Gericht darum gestritten, ob die Aussage „‚Masterplan‘ zur Ausweisung deutscher Staatsbürger“ eine zulässige Meinungsäußerung (so das Landgericht (LG) Hamburg) oder eine unwahre Tatsachenbehauptung (so das LG Berlin II) ist. 

Unstreitig ist, dass in Potsdam keine Ausweisungen deutscher Staatsbürger im eigentlichen Begriffssinne geplant wurden. Correctiv räumte es in einem Gerichtsverfahren selbst ein. Der Rechtsextremist Martin Sellner, der den Remigrationsplan vorstellte, habe die deutsche Staatsbürgerschaft „ausdrücklich als juristische Sperre für eine Ausweisung anerkannt“, so die Aussage von Correctiv in einem Verfahren vor dem LG Hamburg (Az. 324 O 61/24). Und so verteidigt Correctiv die Aussage konsequent als zulässige Meinungsäußerung. Zwar sei es in Potsdam nicht um behördliche Ausweisungen deutscher Staatsbürger gegangen, aber darum, dass mit maßgeschneiderten Gesetzen Anpassungsdruck auf Deutsche mit Migrationsgeschichte ausgeübt werden sollte, damit diese das Land verlassen. Daher könnte wertungsmäßig von Ausweisungen deutscher Staatsbürger gesprochen werden.  

Was Lanz wörtlich nahm

Lanz greift genau dies auf. Er zitiert zunächst die streitige Passage und fährt dann fort, dass sich Correctiv-Journalist Marcus Bensmann als Gast in Lanz‘ Sendung darauf zurückgezogen habe, dass es sich um eine Meinungsäußerung gehandelt habe. Dann sagt Lanz: 

„Und wenn du das so liest, dann (…) bin ich offenbar zu doof dafür. Ich bin voll drauf reingefallen. Ich habe das ernst genommen, ich habe das wörtlich genommen.“

Lanz fühlt sich durch Correctiv hinters Licht geführt, wenn er sagt, die Aussage „wörtlich“, also als Tatsachenbehauptung verstanden zu haben. Der Moderator ging also – wie zahlreiche andere Medien, Journalisten und Bürger – nach der Lektüre des Textes irrtümlich davon aus, dass die Teilnehmer in Potsdam planten, deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund durch behördliche Anordnung des Landes verweisen zu lassen.

Correctiv startete als Reaktion auf die Kritik eine Social-Media-Kampagne mit Videos, die u.a. auf LinkedIn, Instagram und YouTube veröffentlicht wurden. Obwohl Precht eigentlich die deutlich härteren Töne angeschlagen hatte, fokussierte sich Correctiv dabei ganz auf Markus Lanz. 

Das Video des Correctiv-Chefredakteurs

Das erste Social-Media-Video wurde am 9. Juni u. a. auf Instagram und LinkedIn veröffentlicht. Es spricht Justus von Daniels, Chefredakteur von Correctiv. In einem Begleittext auf LinkedIn spricht von Daniels davon, dass Correctiv bei Lanz+Precht „vollkommen verzerrend“ dargestellt werde und veröffentlicht unter einem Plädoyer für eine „gut sortierte Öffentlichkeit“ dann ein Video, das die Kritik von Lanz selbst vollkommen verzerrend wiedergibt. 

Von Daniels greift dabei zum einfachsten Mittel im Repertoire der unredlichen Rhetorik: dem Strohmann-Argument – Kritik wird falsch wiedergegeben mit dem Ziel, sie dann spielend zu entkräften. Das wirkt, als würde man sich der Kritik stellen, dabei tut man genau das nicht.

Correctiv spielt im Video die oben zitierte Passage aus dem Podcast ein, in der Lanz sagt, „voll drauf reingefallen“ zu sein und „das ernst“ und „wörtlich genommen“ zu haben. 

Doch den Kontext des Zitats, nämlich die Kritik von Lanz an der Aussage „Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger“ blendet Correctiv aus. Wer den Podcast nicht gehört hat, weiß also nicht, worauf Lanz sich mit seiner Kritik bezieht. Stattdessen liefert von Daniels dem Publikum den angeblichen Bezugspunkt von Lanz‘ Aussagen. 

Nach Lanz‘ Verständnis sei es in Potsdam gar nicht um einen „Plan zur Vertreibung von Millionen Menschen“ gegangen und die Aussagen von Correctiv seien teils nicht durch Fakten gedeckt. Im Gestus des freundlichen, aber zugleich von vermeintlicher Ignoranz genervten Aufklärers erzählt von Daniels dann „auch für Markus Lanz“, wie es wirklich war. Richtig sei, so von Daniels, dass schon in der Einladung zum Potsdam-Treffen von einem „Masterplan“ die Rede gewesen sei; keiner der Teilnehmer sei gerichtlich gegen die Aussage „Masterplan“ vorgegangen und in Potsdam sei es tatsächlich darum gegangen, wie man nicht assimilierte deutsche Staatsbürger „vertreiben“ könne. 

Erst verdrehen, dann widerlegen

Doch Lanz hat an keiner Stelle im Podcast auch nur von „Vertreibung“ gesprochen und auch nicht in Abrede gestellt, dass in Potsdam überhaupt ein „Masterplan“ des Rechtsextremisten Martin Sellner vorgestellt wurde. Genau das suggeriert von Daniels aber erstens durch die falsche Wiedergabe von Lanz’ Kritik und zweitens dadurch, dass er sowohl die „Masterplan“- als auch die „Vertreibungs“-Aussage verteidigt. Das ergibt nämlich nur Sinn, wenn Lanz diese Punkte zuvor in Abrede gestellt hätte. Hat er aber nicht, so dass die „Aufklärung“ von von Daniels ins Leere geht. Das merkt aber nur, wer den eigentlichen Streitpunkt kennt oder den Podcast von Lanz gehört hat. 

Von Daniels erfindet aber nicht nur eine Kritik, die Lanz nie geäußert hat, sondern lässt auch dessen eigentliche Kritik an der Aussage „Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger“ komplett unter den Tisch fallen. Sie bleibt nicht nur unerwähnt, sondern  wird in dem vierminütigen Video mit allen Kräften unkenntlich gemacht. So sagt von Daniels, die gerichtlichen Entscheidungen ließen sich auf die Frage herunterbrechen, ob Correctiv von „Ausweisung“ sprechen dürfe, und lässt das eigentliche Problem mit der Formulierung „Ausweisung deutscher Staatsbürger“ einfach weg. 

Damit verwandelt von Daniels die problematische Aussage in eine unproblematische. Denn von einem „Masterplan zur Ausweisung“ hätte Correctiv ohne Weiteres sprechen können. Sellners Remigrationskonzept sieht unstreitig Ausweisungen von Ausländern und Asylbewerbern ohne Bleiberecht vor, aber eben nicht die – eindeutig verfassungswidrige – Ausweisung deutscher Staatsbürger.

Durch die Weglassung der kritischen Textstelle kann dem Correctiv-Publikum einfacher vermittelt werden, dass an der Güte der eigenen Berichterstattung nicht die geringsten Zweifel bestehen.

Die Correctiv-Community applaudiert auf Social Media. Lanz ist doof, Correctiv ist toll, Ziel erreicht.

Correctiv verkauft Wertung erneut als Tatsache 

Von Daniels schafft mit der erfundenen Kritik von Lanz am Begriff „Vertreibung“ aber nicht nur ein Strohmann-Argument, sondern bekämpft dieses dann auch noch mit fragwürdigen Argumenten. Er sagt, dass es in Potsdam darum gegangen sei, wie man als „nicht assimiliert“ abqualifizierte Staatsbürger aus dem Land „vertreiben“ könne, und lässt auf diese Aussage direkt die Worte folgen: „So haben sie es damals gesagt.“ 

Man staunt. Hatte doch Correctiv-Reporter Jean Peters in einem bemerkenswerten Zeit-Artikel selbst eingeräumt, dass der Begriff „Vertreibung“ in Potsdam nicht gefallen sei: („Nein. Aber natürlich war es gemeint.“). Nach Jean Peters’ Darstellung war also die Formulierung „Vertreibung“ ebenfalls nur eine Wertung von Correctiv. Für den Correctiv-Chefredakteur ist dies aber offenbar kein Hindernis, mit der Formulierung „so gesagt“ den Eindruck zu erwecken, die Teilnehmer hätten tatsächlich von „Vertreibung“ gesprochen. 

Das Bensmann-Video

Vielleicht weil das Video publizistisch auf Social Media ein großer Erfolg bei den Correctiv-Followern war, legte Senior-Reporter Marcus Bensmann wenig später nach. In einem Video vom 19. Juni missachtete er elementare journalistische Prinzipien noch eindeutiger.

Bensmann sagt, es sei „komisch“, dass Lanz Correctiv angreife, obwohl die Recherche eine Antwort auf eine Frage von Lanz zur völkischen Ideologie gebe. Im Video zeigt Correctiv dann die Sequenz aus dem Podcast, in der diese angebliche Frage gefallen sein soll. Lanz sagte darin:

„Wenn Höcke zum Thema Geburtenrate, Demografie, Gesellschaft sagt, wir müssen diejenigen außer Landes schaffen, die hier nicht hingehören, dann wünsche ich mir die Nachfrage: Wen genau und wie genau willst du das eigentlich machen?“

Bensmann klärt dann den vermeintlich fragenden Lanz über die Ideologie von Björn Höcke auf und resümiert anschließend: „Der Angriff auf uns macht also wenig Sinn.“

Was Bensmann hier betreibt, ist nichts anderes als gezielte Irreführung. Denn Lanz hatte an der von Bensmann zitierten Stelle gar keine Frage gestellt oder auch nur Kritik an Correctiv geäußert. Es ging hier um ein ganz anderes Thema. Bevor der Podcast auf Correctiv zu sprechen kam, kritisierte Lanz, dass bestimmte Podcaster Interviews mit Politikern führen, ohne ihnen kritische Fragen zu stellen. Als Beispiel führte er das Interview von Ben Berndt mit Björn Höcke bei „Ben ungeskriptet“ an, in dem bekanntlich kritische Fragen Fehlanzeige waren.

Lanz ging es also um gute Interviewführung. Er kritisierte ausbleibende Fragen, stellte aber selbst keine eigene Frage. Den gegenteiligen Eindruck erweckt Bensmann. Er tut nach der Wiedergabe des Zitats und der anschließend in belehrendem Ton vorgetragenen Beantwortung so, als wüsste Markus Lanz nicht, wes Geistes Kind Björn Höcke ist und welche Ideologie er verfolgt.

Argumentativer Offenbarungseid

Spätestens mit der Formulierung „Der Angriff auf uns macht also wenig Sinn“ wird zudem der zwingende, unwahre und damit rechtswidrige Eindruck erweckt, Lanz habe Correctiv gerade deswegen angegriffen, weil Correctiv der Frage, wen Höcke beziehungsweise Sellner außer Landes bringen wolle, nicht nachgegangen sei.

Den letztgültigen argumentativen Offenbarungseid leistet das Video dann am Schluss, wenn Bensmann auf die Worte „Der Angriff auf uns macht keinen Sinn“ ein „es sei denn“ und hiernach das Zitat von Lanz folgen lässt: „Dann bin ich zu doof dafür.“ Diese Aussage hatte Lanz im Podcast ja ironisch darauf bezogen, dass er die Aussage „Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger“ als Tatsachenbehauptung verstanden hatte. Bensmann stellt den Satz einfach in einen anderen Kontext und suggeriert, Lanz habe sich damit auf die völkische Ideologie beziehungsweise deren Erklärung im Correctiv-Bericht bezogen.

Den eigentlichen Kritikpunkt von Lanz verschweigt auch das Bensmann-Video vollständig. Doch erneut treten die gewünschten Folgen ein: Die Correctiv-Community applaudiert: Lanz ist doof, Correctiv ist toll. Ziel erreicht.

Abschied vom faktenbasierten Diskurs

Lanz könnte mit guten Erfolgsaussichten gegen das Bensmann-Video gerichtlich vorgehen. Journalistisch wiegt der Vorgang aber unabhängig davon schwer. Das Video erfüllt alle wesentlichen Merkmale gezielter Desinformation: Es löst eine Äußerung aus ihrem tatsächlichen Zusammenhang, versieht sie mit einer neuen Bedeutung und nutzt den so erzeugten falschen Eindruck, um Lanz’ Kritik als sachlich unsinnig erscheinen zu lassen und ihn auch persönlich vor dem Correctiv-Publikum lächerlich zu machen. All das müsste jedenfalls der Faktencheck-Abteilung von Correctiv eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. 

Der Podcast von Lanz+Precht hätte durchaus mit guten Gründen kritisiert werden können, etwa weil er die unbestrittene Aufdeckung rechtsextremer Strukturen durch Correctiv nicht thematisierte. Doch statt einer solchen Reaktion antwortet Correctiv mit gezielter Irreführung. Warum begeben sich angesehene Journalisten auf ein solches Niveau und werfen journalistische Grundsätze über Bord?

Dass mit Markus Lanz einer der einflussreichsten Journalisten Deutschlands den Correctiv-Bericht kritisiert, trifft Correctiv offenbar hart. Macht es doch die Erzählung, wonach die Kritik am Bericht von rechten Kräften stamme, immer brüchiger. Das Recherchezentrum steht in der öffentlichen Wahrnehmung für diese eine Recherche und für deren „journalistische Wirkung“, das neu formulierte Hauptziel von Correctiv, das offenbar kompromisslos verteidigt werden muss, auch wenn dabei die Fakten unter die Räder kommen.

Bei Correctiv ist jederzeit der Wiederholungsfall möglich

Richard David Precht, der in der Video-Kritik von Correctiv fälschlich als Gegenstimme zu Lanz dargestellt wird, kritisiert Correctiv ebenfalls scharf: Die Recherche zu Potsdam stehe „zu Recht absolut in der Kritik“. „Und ich hoffe, dass diese Kritik auch sehr laut und deutlich ausfällt, damit sich das nicht wiederholt.“

Doch bei Correctiv ist leider jederzeit mit einem Wiederholungsfall zu rechnen. Im unbedingten Willen zur Verteidigung der Recherche und ihrer Wirkung werden die Fehler der Vergangenheit nicht nur wiederholt, sondern intensiviert: Im vergangenen Jahr hat das Magazin erneut die Grenze zwischen Meinung und Tatsachenbehauptung verwischt. Es ließ die Meinung eines Teilnehmers, wonach das Potsdamer Treffen auf „ethnische Säuberung“ hinausliefe, eidesstattlich versichern, was nur bei Tatsachenbehauptungen Sinn ergibt. Sowohl die taz als auch die FAZ gingen nach Betrachtung eines Correctiv-Theaterstücks irrtümlich davon aus, dass in Potsdam tatsächlich von „ethnischer Säuberung“ die Rede gewesen sei. Die taz veröffentlichte deswegen eine Korrektur. In der Bühnenaufführung von Correctiv am Schauspiel Köln wurde sogar insinuiert, dass das Potsdamer Treffen auf „Mord“ hinauslaufe.

Wenn Selbstbild und Wirklichkeit auseinanderfallen

Angesichts der laut gewordenen Kritik am Potsdam-Text scheint es Correctiv vor allem darum zu gehen, die Wagenburg nach innen und außen zu schließen. Die Social-Media-Posts gegen Markus Lanz zeigen, dass Correctiv dabei auch vor journalistisch unredlichen Mitteln nicht zurückschreckt, um Zweifel an der Güte der eigenen Berichterstattung zu zerstreuen.

Besonders problematisch ist dabei der Anspruch, mit dem Correctiv weiterhin auftritt: als aufklärendes Medium, das den öffentlichen Diskurs gegen Desinformation verteidigt und tatsächlich meint, andere darüber belehren zu können, wer Journalist ist und wer nicht. Doch das eigene Vorgehen von Correctiv widerspricht diesem Anspruch immer wieder so eklatant, dass das Medium insgesamt in Misskredit gebracht wird. Ob dies schlichtweg von der Correctiv-Spitze nicht erkannt wird, dahinter Selbstsuggestion, unerschütterliche Selbstgewissheit oder bloßes Kalkül und Schulterzucken steckt, bleibt offen.

Die Prioritäten haben sich jedenfalls verschoben: Die Verteidigung der Potsdam-Recherche ist für Correctiv wichtiger geworden als jener faktenbasierte Diskurs, den das Medium einst zu seinem Markenkern erklärte. 

Zitiervorschlag

Social-Media-Kampagne in Reaktion auf Potsdam-Kritik:

. In: Legal Tribune Online,
07.08.2026
, https://www.lto.de/persistent/a_id/60596 (abgerufen am:
07.08.2026
)

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