Blick in die Garderobe einer Kita

AUDIO: Nach harten Verhandlungen: Stadt Leipzig plant Erhöhung der Beiträge für Horte und Kitas (3 Min)

Familienpolitik

Stand: 07.08.2026 14:35 Uhr

Rund 45.000 Kinder werden in Leipzig in Kitas und Horten betreut. Die Beiträge dafür sind seit zehn Jahren gleich geblieben. Doch das kann sich Leipzig nicht mehr leisten – das Haushaltsdefizit der Stadt liegt aktuell bei rund 300 Millionen Euro. Also sollen die Gebühren steigen. Die Stadtspitze hat dafür nun ein Konzept vorgelegt. Darüber hat MDR SACHSEN mit Peter Hirschmann gesprochen, dem kommissarischen Leiter des Dezernats Jugend, Schule und Demokratie.

Herr Hirschmann, warum müssen die Kita-Beiträge erhöht werden?

Peter Hirschmann: Die Kita-Beiträge müssen zum einen erhöht werden, weil wir rechtliche Rahmenbedingungen haben, die mittlerweile nicht mehr eingehalten werden. Wir brauchen für den Krippenplatz mindestens 15 Prozent als Refinanzierung von den Eltern und aktuell liegen wir darunter.

Peter Hirschmann, der kommissarische Leiter des Dezernats Jugend, Schule und Demokratie,

Peter Hirschmann, der kommissarische Leiter des Dezernats Jugend, Schule und Demokratie

15 Prozent wovon? Können Sie es noch kurz einordnen?

Für die Kitabeiträge ist immer wichtig, was haben wir an Personalkosten und was haben wir an Sachkosten in einer Kita? Und davon, von den Gesamtkosten pro Kinderplatz in einer Einrichtung, müssen 15 Prozent mindestens durch die Eltern getragen werden.

Das steht im Sächsischen Kitagesetz. Jetzt macht Ihnen auch die Landesdirektion Druck. Sie fordert mehr Einnahmen, nachdem die Stadt aktuell im Haushalt ein Defizit von 300 Millionen Euro habe. Was für einen Vorschlag bringen Sie jetzt in den Stadtrat ein, um das auszugleichen?

Wir wollen für die Krippe den Mindestbeitrag von 15 Prozent erreichen und schlagen dem Stadtrat vor, das jetzt festzuschreiben und dann jährlich mit einem Automatismus die Beiträge so anzupassen, dass sie auch nicht über die 15 Prozent hinausgehen.

Was soll das für ein Automatismus sein?

Wir berechnen jedes Jahr zum Oktober anhand der Kosten, die im Vorjahr angefallen sind, den Kitabeitrag für das Folgejahr. Also praktisch haben wir drei Jahre, die wir betrachten. Das erste Jahr: Welche Kosten sind angefallen? Im aktuellen Jahr schauen wir, was sind die Kosten gewesen? Und für das Folgejahr werden die Kita-Beiträge dann festgelegt.

Wenn wir jetzt mal genau auf den Abrechnungszettel schauen: Was würde das für Eltern ab dem kommmenden Jahr bedeuten, wenn diese Vorlage durch den Stadtrat geht?

Für die Krippe wird das bedeuten, dass wir um die 40 Euro Mehrkosten haben werden pro Monat und Kitaplatz. Für das erste Kind. Wir werden weiterhin die Ermäßigungen beibehalten für zweite und folgende Kinder, und auch alleinerziehende Eltern haben einen ermäßigten Beitrag.

Und im Bereich Hort? Kann man das auch schon sagen?

Im Hort werden wir bei einer Erhöhung von 10 bis 15 Euro liegen.

Sie haben die Absenkungsgründe gerade schon genannt. Welche sozialen Ausgleichsmaßnahmen sind denn geplant?

Wie schon erwähnt, gibt es einen reduzierten Beitrag für Alleinerziehende. Wir haben weiterhin für die zweiten und folgenden Kinder Ermäßigungen vorgesehen und im Weiteren haben wir die kostenfreien Plätze für sozial benachteiligte Eltern, die das entsprechend auch nachweisen können. Also beispielsweise für Familien, die Wohngeld oder Bürgergeld beziehen.

Eine Mutter mit ihren beiden Kindern.

Ab dem zweiten Kind muss nicht mehr der volle Betrag bezahlt werden.

Es gab ja offenbar harte Verhandlungen über die Anpassung. Da noch einmal nachgefragt: Was machen Sie nicht, was noch möglich gewesen wäre?

Wir könnten theoretisch den Beitrag weiter erhöhen. Bei der Kinderkrippe wäre das auf 22,5 Prozent. Wir bleiben bei 15. Im Bereich der Kita und der Horte könnten wir bis zu 30 Prozent unserer Kosten an die Eltern weitergeben. Wir haben uns auf 22,5 Prozent geeinigt. Wir werden auch nicht die Betreuungsstunden der Kinder, deren Eltern aktuell arbeitssuchend zu Hause sind und die Kinder dort betreuen könnten, reduzieren. Sondern wir wollen allen Kindern die Gelegenheit auf Kita und Hort geben, um sich dann entsprechend auch pädagogisch und sozial weiterzuentwickeln.

Das Interview führte Ine Dippmann.

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MDR (cke)