Bielefeld. Die Insolvenz des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbandes Bielefeld nimmt der Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe der Gewerkschaft Verdi zum Anlass, noch einmal deutlich die derzeitigen Entwicklungen der Politik infrage zu stellen und aufs Schärfste zu kritisieren. Die AWO Bielefeld hatte am 27. Juli beim Amtsgericht Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht hat das Verfahren bestätigt und die vorläufige Eigenverwaltung beschlossen. Betroffen sind rund 800 Mitarbeiter.
Auch wenn die Gehälter für die nächsten drei Monate durch die Bundesagentur für Arbeit über das Insolvenzgeld abgesichert seien, zeige diese Insolvenz einmal mehr die Unverantwortlichkeit der derzeitigen Finanzierung sozialer Arbeit, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.
„Wenn soziale Träger aufgrund unzureichender Refinanzierung und problematischer Zahlungsstrukturen der Kostenträger in wirtschaftliche Schieflagen geraten, werden die Kosten am Ende dennoch von der öffentlichen Hand getragen“, kritisiert Verdi politische Entscheidungen und die Zahlungsmoral der Kostenträger.
Die Hintergründe: AWO Bielefeld insolvent: 800 Mitarbeitende und zahlreiche Angebote von Krise betroffen
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„Politik stellt die sozialen Träger an die Wand“
Hinzu käme ein erheblicher zusätzlicher Verwaltungsaufwand für alle Beteiligten. Zurück würden verunsicherte Kolleginnen und Kollegen in Existenzangst bleiben. Seit Jahren gerieten soziale Träger zunehmend unter Druck. Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten würden auf eine Finanzierung treffen, die vielerorts nicht mehr auskömmlich sei. Gleichzeitig müssten Leistungen häufig über lange Zeiträume vorfinanziert werden.
Genau auf diese Problematik habe die AWO selbst in ihren Erklärungen hingewiesen. „Es kann nicht sein, dass die Politik die sozialen Träger derart an die Wand stellt“, so Gewerkschaftssekretärin Nicole Krug von Verdi OWL. Viele Arbeitgeber im sozialen Bereich stünden inzwischen mit dem Rücken zur Wand. Wer gute soziale Arbeit erwarte, müsse auch für eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung sorgen.
Soziale Träger würden laut Gewerkschaft Planungssicherheit und Refinanzierung benötigen, die den tatsächlichen Kosten entsprächen. Nur so ließen sich Situationen vermeiden, in denen Arbeitgeber zu solch drastischen Maßnahmen greifen und Beschäftigte um ihre Existenz fürchten müssten.
Beratung für Mitglieder
Verdi stelle fest, dass diese Sparpolitik zulasten der Beschäftigten und den zu versorgenden Personen gehe. Diese dürften nicht die Leidtragenden politischer Entscheidungen werden. Tarifliche Standards, sichere Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen müssten als unerlässlich angesehen werden.
Die Gewerkschaft will ihre Mitglieder vor Ort unterstützen und in dieser schwierigen Situation beraten: „Wir werden die Entwicklungen in den kommenden Wochen sehr aufmerksam begleiten. Am Mittwoch, 2. August bieten wir für unsere Mitglieder eine Online-Veranstaltung an, wo wir mit juristischem Beistand alle Fragen rund um das Insolvenzverfahren beantworten.“
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