Nach dem Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle rückt die Sicherheit an deutschen Flughäfen erneut in den Fokus. Am Leipziger Airport hatte man in der Nacht auf Mittwoch (5. August) die Bomben-Drohne in der Nähe eines Flugzeugs entdeckt.
Kann so etwas auch in NRW passieren? Die beiden größten Flughäfen in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und Köln/Bonn, betonen gegenüber DER WESTEN nach dem Vorfall in Leipzig ihre engen Sicherheitsstrukturen und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden.
📌 Drohnen und Luftverkehr – fünf wichtige Fakten
- Große Sperrzone: Rund um Flughäfen gelten strenge Flugverbotszonen für Drohnen. Wer dort ohne Genehmigung fliegt, riskiert hohe Bußgelder und strafrechtliche Konsequenzen.
- Schon eine Sichtung reicht: Bereits eine glaubhafte Drohnensichtung kann ausreichen, damit Starts und Landungen vorsorglich eingeschränkt oder ausgesetzt werden.
- Gefahr für Triebwerke: Selbst kleine Freizeitdrohnen können beim Zusammenstoß mit einem Flugzeug oder einem Triebwerk erhebliche Schäden verursachen.
- Pflicht zur Kennzeichnung: Viele Drohnen müssen registriert sein und eine Fernidentifizierung (Remote ID) senden, damit Behörden sie leichter zuordnen können.
- KRITIS-Status: Zu den acht deutschen Flughäfen, die als Kritische Infrastruktur (KRITIS) eingestuft sind, gehört auch der Flughafen Düsseldorf. Für sie gelten besonders hohe Anforderungen an den Schutz vor Störungen.
Flughäfen in NRW sind auf Drohnensichtungen vorbereitet
„Sicherheit hat im Luftverkehr stets oberste Priorität“, erklärt Tankred Stachelhaus, Sprecher des Flughafens Düsseldorf, auf Anfrage. Sichtet man eine Drohne im Umfeld des Flughafens, greifen festgelegte Meldewege zwischen der Deutschen Flugsicherung (DFS), dem Flughafen und den zuständigen Polizeibehörden. Wenn es die Lage erfordere, werde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt.
Die Überwachung des Luftraums liege allerdings nicht in der Verantwortung des Flughafens selbst. Zuständig sei die Deutsche Flugsicherung, während mögliche Abwehrmaßnahmen als hoheitliche Aufgabe von Bundes- und Landespolizei durchgeführt würden.
Flughafen begrüßt neues Luftsicherheitsgesetz
Positiv bewertet der Flughafen Düsseldorf zudem die jüngste Reform des Luftsicherheitsgesetzes. Nach Angaben von Stachelhaus wurden dadurch die Zuständigkeiten bei der Drohnenabwehr praxistauglicher geregelt und die Eingriffsbefugnisse der Sicherheitsbehörden erweitert. Dies schaffe im Ernstfall klare Verantwortlichkeiten und ermögliche schnellere Entscheidungen.
Als einer von acht KRITIS-Flughäfen in Deutschland arbeite der Flughafen Düsseldorf eng mit dem Bundesministerium des Innern, der Bundespolizei und weiteren Sicherheitsbehörden an der Umsetzung der neuen gesetzlichen Regelungen. Ziel sei es, Drohnen künftig schneller zu erkennen, ihre Gefährdung zuverlässig einzuschätzen und die Auswirkungen auf den Flugbetrieb auf das notwendige Maß zu begrenzen.
Mehr Nachrichten:
Auch der Flughafen Köln/Bonn verweist auf bestehende Sicherheitsstrukturen. „Die Sicherheit des Flugbetriebs hat für den Flughafen Köln/Bonn stets höchste Priorität. Mit Blick auf das Thema Drohnen arbeitet der Flughafen eng und kontinuierlich mit den zuständigen Sicherheitsbehörden und weiteren Partnern wie etwa der Deutschen Flugsicherung (DFS) zusammen“, teilt Flughafen-Sprecher Lukas Weinberger mit. Sicherheitskonzepte und Abläufe würden unabhängig von einzelnen Ereignissen fortlaufend überprüft und unter anderem in gemeinsamen Arbeitskreisen weiterentwickelt.
Nicht die erste Drohnensichtung in Deutschland
Bereits vor dem jüngsten Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle hatten wiederholte Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen zu Einschränkungen des Flugbetriebs geführt. Doch noch nie war dabei ein Sprengsatz gefunden worden. Darum facht der aktuelle Fall die Diskussion über den Schutz kritischer Infrastruktur und wirksamere Maßnahmen gegen unerlaubte Drohnenflüge weiter an, auch in NRW.