Schon Stunden vor dem Anpfiff erstrahlten die Vorplätze des Grünwalder Stadions in Blau und Weiß. Fahnen, Schals, Schmäh-Gesänge gegen Ex-Investor Ismaik oder den Gegner aus Augsburg – die Vorfreude der 1860-Anhänger auf das erste Heimspiel der Saison war deutlich spürbar. Dass es sich nicht um ein gewöhnliches Regionalligaspiel handelte, war nicht nur den Löwen-Fans zu verdanken. Denn auch ein großer Teil der FCA-Fanszene machte sich auf den Weg nach München, befindet sich die Profimannschaft doch noch in der Vorbereitung auf die Bundesligasaison. So schallte es schon eine Stunde vor Anpfiff lautstark „Hier regiert der FCA“ aus dem Gästeblock. Anders als bei den meisten Spielen der Regionalliga Bayern mit Beteiligung einer Zweiten Mannschaft gab es also sowohl von Heim- als auch von Gästeseite lautstarken Support.

Die beiden Fanlager eint seit Jahren eine erbitterte Feindschaft, die sich immer wieder in gewaltsamen Auseinandersetzungen entlädt. Erst im Sommer 2025 kam es in Lustenau zu einer Massenschlägerei zwischen Anhängern des FC Augsburg und Austria Lustenau einerseits, sowie Fans des TSV 1860 München auf der anderen Seite. Auch rund um das letzte Gastspiel der Löwen bei der zweiten Mannschaft des FC Augsburg im Jahr 2017 kam es in der Augsburger Innenstadt zu Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern. Die Polizei trennte die Anhänger beim aktuellen Aufeinandertreffen deshalb von Beginn an konsequent voneinander.

TSV 1860 München geht früh mit 2:0 in Führung

Als weitere Maßnahmen wurde ausschließlich Leichtbier ausgeschenkt – der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Volles Haus, lautstarke Unterstützung auf beiden Seiten: Die Kulisse im Grünwalder Stadion war insbesondere für die jungen Spieler des FC Augsburg ein ungewohntes Umfeld. Vielleicht ließ sich das Team von Markus Feulner von der Atmosphäre zu sehr beeindrucken, denn es erwischte einen denkbar schlechten Start. Viele Fehlpässe, viele Ungenauigkeiten, viele Ballverluste – und schließlich nach einer Doppelchance der Löwen ein Handelfmeter für 1860 in der 14. Minute. Michael Eberwein blieb vor der Augsburger Kurve cool und verwandelte flach ins linke Eck.

Während die Augsburger Fans munter weiter sangen und klatschten, änderte auch die Mannschaft auf dem Feld nichts an ihrer Herangehensweise – es spielte nur 1860. Und so erhöhte der ehemalige Augsburger Florian Niederlechner bereits in der 20. Minute auf 2:0. Die Löwen drängten in der Folge auf das 3:0, während der Augsburger Block ruhiger wurde. Außer wenn es um Gesänge gegen den TSV 1860 ging – dann hüpfte der ganze Gästeblock. Kurz vor der Pause dann aber doch Jubel auf Augsburger Seite: Mit dem ersten Torschuss von Augsburger Seite traf Thomas Kastanaras in dieser Phase des Spiels völlig überraschend zum 1:2-Anschlusstreffer.

Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Augsburger dagegen deutlich aggressiver, erspielten sich zahlreiche kleinere Chancen und hatten direkt nach der Pause durch Kastanaras sogar eine hochkarätige Möglichkeit. Auch die Fans spürten, dass der Ausgleich in der Luft lag, und peitschten ihre Mannschaft lautstark nach vorne. Belohnt wurde der Aufwand schließlich in der 74. Minute, als Aris Isa Malaj per Kopf zum 2:2 traf.

In der Schlussphase drängten beide Teams auf den Siegtreffer, die ganz großen Torchancen blieben jedoch auf beiden Seiten aus. So stand am Ende ein Unentschieden, mit dem der FCA nach einer desaströsen ersten Halbzeit wohl gut leben kann. Entsprechend feierten die mitgereisten Fans ihre Nachwuchsmannschaft nach dem Abpfiff. Auf den Rängen war die Rivalität zwischen beiden Lagern über die gesamten 90 Minuten deutlich zu spüren – auf dem Platz blieb es in der Schlussphase dagegen weitgehend ruhig.