Wer bei der Fernsehübertragung vom Eröffnungsspiel der 2. Liga die Ohren gespitzt hat, hörte meist nur die Fans von Hertha BSC. Der Bochumer Anhang hat immer mal wieder den Gesang der Berliner mit einem lauten „VfL, VfL, VfL“ übertönt, aber nicht durchgängig. Mit den Fans hinter sich hat Hertha mit ordentlichem Rückenwind die neue Spielweise nun auch in einem Pflichtspiel gezeigt. Intensives Anlaufen, die Suche nach kurzen Wegen Richtung gegnerisches Tor: die Ansätze waren klar zu erkennen.

Sebastian Grönning durfte starten, eine Entscheidung über die Trainer Stefan Leitl nach eigenen Angaben zwei Nächte drüberschlafen hat. Es zahlte sich aus, denn der Däne sorgte für den Unterschied. Nach feiner Vorarbeit von Talent Soufian Gouram musste Grönning nur noch über Bochums Keeper Timo Horn chippen. Der Jubel war ausgelassen und unterstrich die gute Laune innerhalb der Mannschaft und auch die Motivation, sowie den Spielwitz.

Hertha verlor in der zweiten Hälfte „einbisschen die Kontrolle“

Mit 1:0 ging es in die Pause, der Spielstand war schlussendlich auch das Resultat. Die erste Halbzeit gehörte dem Hauptstadtklub, der nach 13 Abgängen auf die Jugend setzt. Der Beginn von Hälfte zwei wurde ebenfalls von Hertha übernommen, während Bochum immer mehr in den Flow kam. VfL-Coach Uwe Rösler fand im Sky-Interview nach Abpfiff, dass seine Mannschaft über das Spiel hinweg sich deutlich stärker präsentierte. Viele Chancen hatten sie, aber die Chancenverwertung war nicht gegeben.

Das war bei Hertha in der Rückrunde der vergangenen Saison ein großes Problem. Durch den offensiven Ansatz, dem aggressiven Pressing geht man nun einen anderen Weg, nimmt dafür sogar Gegentore in Kauf. Aber die Defensive hat alles andere als geschlafen: „Wir waren vielleicht nicht die bessere Mannschaft, aber wir haben verteidigt bis zum Schluss in jeder Aktion. Darauf kommt es am Ende der Liga an“, sagte Hertha-Torwart Marius Gersbeck gegenüber Sky.

Paul Seguin ist stolz auf die Mannschaft, wie „wir uns reingehauen haben, wie wir gekämpft haben“ im Bezug auf Hälfte zwei, in der man „ein bisschen die Kontrolle“ verloren hat. Coach Leitl hob die Griffigkeit seiner Schützlinge hervor, weiß aber auch, dass in der zweiten Hälfte „diese Körner“ – also die Ausdauer zum Ende hin – fehlten. Das sei zu Beginn einer Saison aber normal. Dennoch: „Ich hatte das Gefühl, die Jungs haben unglaublich Selbstvertrauen, eigentlich von vorne bis hinten“, lobte der 48-Jährige.

Was in den kommenden Wochen ansteht

Mit dem Auftaktsieg – dem ersten seit sechs Jahren – im Rücken richtet sich der Blick auf das erste Heimspiel der Saison. In einer Woche empfängt Hertha den 1. FC Heidenheim im Olympiastadion. Interessant ist die Bilanz der letzten Saison, nur sechs Spiele gewann man zu Hause. Dass diese Statistik geändert werden muss in dieser Spielzeit, ist klar. Aber ein Sache darf nicht außer Acht gelassen werden: der Transfermarkt.

Aktuell hat die Alte Dame mit Oluwaseun Adewumi nur einen externen Neuzugang zu verbuchen. Der 21-Jährige, geliehen vom FC Burnley durfte gegen Bochum für etwa sieben Minuten auf dem Platz stehen. Er soll aber nicht der einzige Neue bleiben, weiterhin befindet man sich auf der Suche nach einem neuen Linksverteidiger und Mittelstürmer. „Diese zwei Positionen zu besetzen“ wird wichtig sein, meinte Leitl. Jedoch spielt die Realisierbarkeit aufgrund der wirtschaftlichen Lage eine entsprechende Rolle.