Auf dem Dach wächst der Salat, der unten verkauft wird. Was lange nach Zukunftsvision klang, ist in Berlin-Lankwitz jetzt Realität: Die größte Dachfarm Deutschlands hat ihren Betrieb aufgenommen. Rewe hat eine gläserne Salatfarm auf dem Dach der Filiale in der Malteserstraße gemeinsam mit dem Partner ECF Farmsystems feierlich eröffnet.

Noch im April 2025 waren auf dem Grundstück Sand- und Schuttberge zu sehen: Die alte Rewe-Filiale in der Malteserstraße 128 war abgerissen, der Neubau hatte gerade begonnen. Im Mai dieses Jahres öffnete der neue Markt. Die Dachfarm gab es da noch nicht, die war zu dem Zeitpunkt noch im Bau. Mittlerweile wurden die Arbeiten abgeschlossen. Die Ernte läuft, die ersten Salate wurden bereits ausgeliefert, wie Rewe mitteilt.

Der sogenannte „Lankwitzer Pflücksalat“ ist im 100-Gramm-Beutel als Salatmischung erhältlich und besteht laut Rewe aus den Sorten Bataviasalat, grüner Römersalat, Lollo Rosso und dunkelgrünem Easy Leaf Salat. In rund 500 Rewe-Märkten im Osten Deutschlands soll er verfügbar sein.

So funktioniert die Dachfarm

Die Pflanzen wachsen auf 2760 Quadratmetern in einem automatisierten, sogenannten hydroponischen System. Die Salatpflanzen wachsen dabei nicht in der Erde, sondern in einer Nährlösung. Bewässert wird der Salat mit Regenwasser, das in einer Zisterne auf dem Dach gesammelt wird. Während der rund 23 Tage bis zur Ernte rotieren die Pflanzen durch das Gewächshaus, das auf 25 Grad temperiert ist. Geerntet werde an sechs Tagen in der Woche, teilte Rewe mit. Vier Mitarbeiter betreuen die Farm an sieben Tagen.

Auf dieser Skizze ist die Dachfarm auf dem Supermarktdach gut zu erkennen.

© REWE GROUP

In diesen Verpackungen wird der Lankwitzer Pflücksalat schließlich im Erdgeschoss verkauft.

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Nach der täglichen Ernte wird der Salat direkt im Markt verarbeitet und verpackt. Gegenüber Importware aus Südeuropa könnten so laut Rewe rund 500.000 Transportkilometer eingespart werden. Perspektivisch seien jährlich bis zu 900.000 Salatmischungen von der Dachfarm möglich. „Mit der Dachfarm ist jetzt alles komplett und wir können mit dem extrafrischen Salat unseren regionalen Charakter unterstreichen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Felix Thomas, Betreiber des Rewe-Marktes in der Malteserstraße.

Urbane Landwirtschaft als Modell

Nicolas Leschke von EFC-Farmsystems, der das Konzept gemeinsam mit Rewe entwickelt hat, sieht in dem Standort ein Signal für die Zukunft der Lebensmittelversorgung in Städten: „Heute zieht Landwirtschaft mitten in die Stadt“, sagte er bei der Eröffnung. „Wir können ganzjährig frische Produkte anbauen und auf kurzen Lieferwegen bereitstellen. Der Markt zeigt, wie ungenutzte Dachflächen in der Großstadt zur regionalen Lebensmittelproduktion beitragen können.“

Einen Pilotbetrieb des Rewe Green-Farming-Konzepts gibt es bereits seit 2021 in Wiesbaden. Der Lankwitzer Standort ist jedoch deutlich größer und soll als Blaupause für weitere Märkte dienen.

Holzbau und Kreislaufwirtschaft

Der neue Supermarkt selbst ist ebenfalls ein Experiment: Die helle, sieben Meter hohe Markthalle wird von 72 sichtbaren Holzsäulen aus gestapelten Balken heimischer Nadelhölzer getragen. Das modulare Konzept kann flexibel an unterschiedliche Standorte angepasst werden – etwa mit variabler Dachnutzung. Rewe zufolge werden durch die Holzhybridbauweise über 700 Tonnen CO₂ eingespart. Neben dem Gewächshaus sind auf dem Dach auch 200 Photovoltaikmodule installiert.

„In einigen Jahrzehnten könnten wir den Markt zurückbauen und die Bauteile wiederverwenden“, hatte Peter Maly, Vorstand der Rewe Group, beim Baustart erklärt. Die Abwärme der Kühlanlagen soll bei Bedarf zum Heizen des Marktinneren genutzt werden; rund um den Supermarkt gibt es über 90 begrünte Stellplätze mit versickerungsfähigem Pflaster sowie E-Ladesäulen und Fahrradabstellplätze.

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„Dieser Markt zeigt, dass Rewe bereit ist, neue Wege zu gehen und innovativen Konzepten eine Chance zu geben“, sagt Florian Sörensen, Geschäftsleiter Vertrieb der Rewe Region Ost, laut Pressemitteilung. „Und jetzt können wir mit Stolz sagen, dass wir in Deutschland den ersten Supermarkt haben, bei dem der Salat über den Köpfen der Kund:innen wächst.“