Mit grünem Wasser und einer satirischen Tourismuskampagne macht ein Widerstands-Kollektiv auf Hitzeprobleme in Mannheim aufmerksam.
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Das sogenannte Widerstands-Kollektiv hat am Sonntag mit einer satirischen Kunstaktion am Wasserturm auf Hitze in Mannheim und unzureichende Klimaanpassung aufmerksam gemacht. Gegen 16 Uhr färbten Aktivist*innen um Raúl Semmler das Wasser im oberen Becken grün. Im Wasser hielten Beteiligte ein großes Banner mit der Aufschrift „Stadtmarketing Mannheim 2030 – Die heißeste Stadt der Welt“.
Die fiktive Stabsstelle für Tourism & Hotness vor dem Mannheimer Wahrzeichen | Foto: Alexander Kästel
Nach Angaben der Aktivist*innen verwendeten sie für die Grünfärbung ein biologisch abbaubares und ungiftiges Salz. Die Substanz werde auch zur Darstellung von Wasserströmungen eingesetzt. Sonnenlicht baue sie innerhalb weniger Tage vollständig ab. Rund um den Wasserturm verteilten mehrere Teams Flyer und erklärten Besucher*innen die Aktion.
Kein Wackelpudding und auch keine hitzebedingte Algenplage, sondern ein harmloses Salz | Foto: Alexander Kästel
Kein Wackelpudding und auch keine hitzebedingte Algenplage, sondern ein harmloses Salz | Foto: Alexander Kästel
Zur Kampagne gehört auch die Internetseite visit-mannheim.net. Dort tritt eine erfundene „Stabsstelle für Tourism & Hotness“ auf. Die Adresse lehnt sich bewusst an das offizielle Mannheimer Tourismusportal visit-mannheim.de an.
Die satirische Seite wirbt mit Hitze, Flächenversiegelung und wenigen Trinkbrunnen als vermeintlichen Vorzügen Mannheims. Sie bezeichnet sich selbst als Kunstaktion eines Widerstands-Kollektivs. Die Texte auf der Seite sind laut einem Hinweis dort mit Künstlicher Intelligenz erstellt.
Satirisches Stadtmarketing für das heiße Mannheim | Screenshot: visit-mannheim.net
Polizei fordert Aktivist*innen aus dem Becken
Kurz nach Beginn der Aktion traf die Polizei am Wasserturm ein. Zunächst waren zwei Einsatzkräfte vor Ort. Später erhöhte sich ihre Zahl nach Beobachtung unseres Reporters auf etwa acht.
Die Polizei nimmt die Personalien der Aktivist*innen | Foto: Alexander Kästel
Die Polizei nimmt die Personalien der Aktivist*innen | Foto: Alexander Kästel
Die Polizei sprach mit den Aktivist*innen und forderte die Personen im Wasser auf, das Becken zu verlassen. Anschließend nahmen Einsatzkräfte die Personalien der Beteiligten auf.
Später kam der Kommunale Ordnungsdienst hinzu. Personen am und im Wasser mussten das Becken verlassen, weil das Betreten untersagt ist. Die Aktion endete danach ohne weitere Zwischenfälle.
Fiktive Behörde wirbt für mehr Hitze
Patrick Heißer stellte die Kampagne in einem Interview beim bermuda.funk vor. Als Vertreter der fiktiven „Stabsstelle für Tourism & Hotness“ erklärte er satirisch, Mannheim wolle bis 2030 zur „heißesten Stadt der Welt“ werden.
Das Interview nimmt Themen wie Stadtklima, Flächenversiegelung, Verkehr und Klimaanpassung auf. Heißer stellt dabei mehr Beton, weniger Bäume und zusätzlichen Autoverkehr als vermeintliche Ziele dar. Die Aussagen gehören zur satirischen Rolle und sind keine Positionen der Stadt Mannheim.
Hitze-Check liefert den Hintergrund
Anlass für die Kampagne ist der Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe. Die Organisation untersuchte 195 Städte mit mehr als 50.000 Einwohner*innen. Sie bewertete den Beschirmungsgrad durch höhere Vegetation, den Versiegelungstrend und die Hitzebetroffenheit der Bevölkerung.
Mannheim erhält in allen drei Kategorien eine rote Bewertung. Der Beschirmungsgrad liegt laut DUH bei 14,14 Prozent. Beim Hitzebetroffenheitsindex erreicht Mannheim einen Wert von 18,37. Zwischen 2018 und 2025 nahm die versiegelte Fläche innerhalb der Verkehrs- und Siedlungsflächen um 0,35 Prozent zu.
Rechnerischer Verlust von 7.332 Bäumen in Mannheim
Zusätzlich errechnet die DUH für Mannheim einen Verlust von 7.332 Bäumen seit 2018. Dabei handelt es sich nicht um gezählte Fällungen. Die Organisation berechnet den Wert aus dem Rückgang der Baumkronenfläche und einer angenommenen durchschnittlichen Kronengröße von 70 Quadratmetern. Diese Zahl fließt nicht in die Gesamtwertung ein.
Quellen: Kampagnen-Webseite, bermuda.funk, eigener Reporter
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