Stand: 06.08.2026 10:34 Uhr

Weil der Leipziger Flughafen in der Nacht zu Mittwoch nach einem Drohnenfund gesperrt wurde, wich eine Frachtmaschine auf den Flughafen in Hannover aus. Unterwegs kollidierte sie mutmaßlich mit einer weiteren Drohne.

Das teilte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen dem NDR mit. Das Flugzeug sei sicher in Hannover gelandet. Der Flughafen habe weder vor noch im Anschluss an die Landung gesperrt werden müssen, sagte ein Sprecher des Flughafens Hannover dem NDR Niedersachsen. Die Bundespolizei dokumentierte eigenen Angaben zufolge leichte Beschädigungen an der Front der Maschine. Von der Polizei in Niedersachsen heißt es, man unterstütze die Ermittlerinnen und Ermittler in Leipzig. Weitere Informationen gab die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht bekannt.

Daniela Behrens (SPD), Innenministerin Niedersachsen, spricht bei einer Pressekonferenz.

Sicherheitsmaßnahmen müssten konsequenter werden, sagte die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) auf NDR Info.

Drohnenfund: Flugzeuge müssen nach Hannover ausweichen

In der Nacht zu Mittwoch war auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt worden. Sie habe sich nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor befunden, hieß es später. Der Vorfall wird mittlerweile als „hybrides Anschlagsszenario“ bewertet, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte. Dahinter müssten hochprofessionelle Täter stecken, denn bei dem verwendeten Sprengstoff habe es sich vermutlich um militärischen Sprengstoff gehandelt. Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ hatten dies zuvor ebenfalls nahegelegt. Wie aus vertraulichen Behördenunterlagen hervorgeht, entdeckten Experten der Landespolizei Sachsen die hochexplosiven Sprengstoffe PETN und Semtex. Beide waren in einem Paket deponiert, in dem sich „ein Zünder“ befunden haben soll.

Sprengstoff auch auf Norderney gefunden

Der Flugbetrieb in Leipzig/Halle war daraufhin eingestellt worden, mehrere Frachtmaschinen wurden nach Hannover umgeleitet. Eine von ihnen kollidierte daraufhin in einigen Hundert Metern Höhe über dem Leipziger Flughafen mutmaßlich mit einer weiteren Drohne. Inwiefern die Vorfälle in Zusammenhang stehen, dazu machte die Polizei zunächst keine Angaben. Am Mittwochnachmittag war auch auf Norderney (Landkreis Aurich) Sprengstoff gefunden worden. Das explosive Material war laut Polizei in Höhe des bekannten Restaurants „Milchbar“ angespült worden.

Ministerium hält sich zu Details von Drohnensichtungen bedeckt

In Niedersachsen sind in diesem Jahr bis zum 30. Juni „260 Vorkommnisse mit auffälligen Positionslichtern bzw. Drohnensichtungen“ gemeldet worden, teilte das Innenministerium in Hannover mit. Ob es sich bei den beobachteten Flugobjekten tatsächlich um Drohnen oder um andere Luftfahrzeuge handelt, könne nicht in jedem Fall sicher verifiziert werden. Weitere Details will das Ministerium nicht nennen. „Eine Veröffentlichung könnte Rückschlüsse auf die polizeilichen Meldeprozesse und Ermittlungsfähigkeiten ermöglichen und dadurch Planungen rechtswidriger Aktionen erleichtern“, hieß es.

Alexander Dobrindt

Drohne am Flughafen Leipzig/Halle

Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle zeigen sich die Behörden alarmiert. Bundesinnenminister Dobrindt sprach von einer „neuen Gefahrenqualität“.

Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen am Flughafen Leipzig/Halle.

Flughafen Leipzig/Halle

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde ein verdächtiger Gegenstand gefunden. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung handelt es sich um eine mit den Sprengstoffen PETN und Semtex präparierte Drohne.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) informiert sich bei einem Objektschutzregiment auf dem Fliegerhorst Upjever zu einem Abwehrsystem für Drohnen

Das kündigte der Bundesverteidigungsminister bei einem Besuch auf dem Fliegerhorst Upjever in Schortens an.

Eine Drohne in der Luft. (Themenbild)

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Niedersachsen fordert mehr Tempo beim Schutz. Für „langwierige Debatten“ sei keine Zeit.