Wenn der SC Preußen morgen um 14 Uhr in der BRITA-Arena in Wiesbaden in die neue Drittliga-Saison startet – es ist dann die elfte Spielzeit der Adlerträger in dieser Klasse seit ihrer Einführung in der Saison 2008/09 – dann liegt das letzte Punktspiel, der unrühmliche Abschied aus dem Bundesliga-Unterhaus beim 0:3 in Elversberg, bereits 83 Tage zurück. Viel hat sich seither getan an der Hammer Straße. Eine halbe Mannschaft wurde ausgetauscht und mit Thomas Wörle steht ein neuer Übungsleiter an der Seitenlinie.

Unter der Woche wurden dann noch die Leihe von Jojo Schenk zum SK Beveren, sowie die Verpflichtung des 20-jährigen Mittelfeldspielers Samuel Althaus von 1860 München verkündet. Zum neuen Mannschaftskapitän wurde, wie von vielen erwartet, Niko Koulis gekürt, den Mannschaftsrat bilden jetzt Joshua Mees, Morten Behrens, Rico Preißinger und Torge Paetow.

Vorfreude auf den Auftakt und die Qual der Wahl

Der SCP ist also bereit, das Abenteuer 3. Liga anzugehen, und es ist so ein wenig, als würde man einen dunklen Raum betreten, man weiß nicht so genau, was einen dort erwartet. Zu ausgeglichen wirkt die Liga, und nach oben, wie nach unten, scheint alles möglich zu sein. Zum Auftakt wartet mit dem SV Wehen Wiesbaden in der hessischen Landeshauptstadt direkt ein Schwergewicht und der Tabellenführer der ewigen Tabelle der 3. Liga (15 Spielzeiten, 834 Punkte).

Doch Neu-Trainer Wörle gibt sich nach sechs Wochen Vorbereitung optimistisch und voller Tatendrang: „Ich spüre natürlich eine Vorfreude auf den Auftakt, die will ich auch vorleben. Dazu eine Neugier auf das, was kommt, und ein Kribbeln, eine gute Anspannung“. Dabei kann Wörle personell aus dem Vollen schöpfen, denn mit Neuzugang Althaus stehen ihm 25 gesunde Spieler zur Verfügung. Da wird es bei der Nominierung des Kaders sicher zu Härtefällen kommen, doch betont der Trainer, dass jeder im Kader gebraucht wird, da direkt zu Beginn mit dem Pokalspiel in Vreden unter der Woche, dem Heimspiel gegen Ingolstadt und der Erstrunden-Begegnung im DFB-Pokal gegen den KSC, intensive Wochen anstehen.

Trainer Thomas Wörle lässt sich nicht in die Karten schauen

Verzichten muss Wörle beim SVWW lediglich auf die verletzten Simon Scherder, Marvin Schulz, Luca Bolay und Malik Batmaz. Wie genau er spielen lassen wird, lässt der Trainer dabei offen. In Ulm bevorzugte er ein 3-4-3-System, das in der Defensive zu einem kompakten 5-4-1 werden kann. Aber auch eine defensive Ausrichtung wie ein 5-3-2 wäre denkbar. Auch beim Personal lässt er sich nicht in die Karten schauen. Mit dem wieder genesenen Ryan Johansson, der wegen einer Knöchel-Blessur die Generalprobe gegen Southampton verpasste, und dem endlich wieder vollständig gesundeten Oscar Vilhelmsson, stehen ihm auf jeden Fall zwei weitere Optionen im Sturm zur Verfügung.

Gesichert dürfte dagegen sein, dass er die Start-Elf um die Achse Behrens, Koulis, Mees und Felix Higl als Anker-Stürmer aufstellen wird. Zudem sollten Charalambos Makridis, Wesley Adeh und Mikail Demirhan als „Gewinner“ der Vorbereitung gute Chancen haben, zum Anpfiff auf dem Platz zu stehen. Genaues erfahren wir dann, ebenso, wie der Trainer der Gastgeber, am Samstag um 14 Uhr.

Der SVWW setzt auf Konstanz

Vor dem morgigen Gegner, die letzte Saison schlossen die Hessen auf Tabellenplatz acht ab, hat Thomas Wörle größten Respekt: „Wir bekommen es mit einer Mannschaft zu tun, die sehr geschlossen agiert, sehr gewachsen und eingespielt ist. Sie ist dadurch in ihren Abläufen schon sehr weit, entwickelt sowohl mit als auch gegen den Ball eine gewisse Spielkontrolle.“ Und tatsächlich hielt man sich in Wiesbaden auf dem Transfermarkt auffällig zurück. Zehn Abgängen stehen mit Philipp Hercher (Abwehr/Magdeburg), Max Brandt (Mittelfeld/Ulm) und Sinan Karweina (Sturm/Luzern) erst drei Neuzugänge gegenüber.

Stattdessen setzt Trainer Daniel Scherning auf Eingespieltheit und mannschaftliche Geschlossenheit als Schlüssel zum Erfolg. So erwartet unser Coach dann auch von Anfang an einen intensiven Fight. Hoffentlich mit dem besseren Ende für unsere Farben, denn ein guter Saisonstart wäre schon wichtig, um die bösen Geister der abgelaufenen Spielzeit endgültig zu verjagen.

Die Bilanz darf gerne aufpoliert werden

Im direkten Vergleich hat der SVWW die Nase leicht vorne: Bei 16 Aufeinandertreffen gab es fünf Siege für die Hessen und vier für unsere Preußen bei sieben Unentschieden. Letztmalig traf man am 16.03.2019 in Wiesbaden aufeinander. Damals unterlagen die Adler mit 0:2 und Wiesbaden stieg später in die 2. Liga auf. Diese Statistik darf morgen gerne aufpoliert werden.

Geleitet wird die Partie an der Berliner Straße morgen von Hauptschiedsrichter Assad Nouhoum sowie seinen Assistenten Alexander Roppelt und Kadir Yagic. Mit merkwürdigen Interventionen aus dubiosen Kölner Kellern ist dabei nicht zu rechnen. Das kann dem Spiel zugutekommen.

Bis gestern hatten sich 1319 Anhänger der Schwarz-Weiß-Grünen mit Tickets eingedeckt, weitere 1000 Plätze im Gästebereich stünden noch zur Verfügung. Für diese wird morgen am Gästeblock eine Tageskasse geöffnet sein. Also, auf geht’s, auf drei Punkte!

Alle zusammen für Preußen Münster!