In Hannover positionieren sich regelmäßig fast alle Veranstaltungsorte gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Vom Béi Chéz Heinz über Faust und die Glocksee bis hin zum Opernhaus und anderen Kulturinstitutionen. Auch die allermeisten Sportstätten denken ähnlich. Das wollen die Freunde und Wähler einer gesichert rechtsextremistischen Partei nicht wahrhaben. Posts in Social Media, bei denen sich Vereine, Veranstalter und Kulturorte klar positionieren, werden regelmäßig von Rechten mit ihrer Ablehnung geflutet. Politik hat da nichts zu suchen, ist noch die feinste Art der Kritik. Es geht aber über Boykottaufrufe bis hin zur unverhohlenen Beleidigung und Gewaltandrohung.
Als prominentestes Beispiel geht gerade das Wacken-Open-Air durch die Presse.
Ein Auszug vom Statement des Wacken Open Air:
Während des Wacken Open Airs berichteten mehrere Gäste, dass ihnen der Zutritt zum Festivalgelände untersagt wurde, weil sie erkennbar gegen Rechts gerichtete Patches, Flaggen oder Shirts trugen oder Symbole, die für Vielfalt stehen.
An dieser Stelle ist es uns ein Anliegen, unsere klare Haltung zum Ausdruck zu bringen: Diese Handlungen waren zu keinem Zeitpunkt in unserem Sinne. Das Wacken Open Air steht für Weltoffenheit und Toleranz.
Wir sind ein Ort der friedlichen Begegnung der Metal-Community und unterstützen die Meinungsfreiheit. Rechtsextremismus treten wir entschieden entgegen.
False Positive oder eigenmächtiges Handeln
Selbstverständlich können Fehler passieren, das hat man am letzten Wochenende auch in der Hamburger Europa Passage gesehen. Dort wurden Besucher mit Regenbogenfahnen während des CSD abgewiesen, obwohl außen klar sichtbar die Regenbogenfahne als Solidaritätsbekundung an der Passage aufgezogen war. Das Center-Management ist jetzt auch bemüht, aufzuklären, was da schiefgelaufen ist. Das war aber keineswegs gewollt, wie es in den Kommentarspalten von den Regenbogenhassern gefeiert wird.
Auch mir ist schon mal so ein Vorfall passiert. Ich wurde im Béi Chéz Heinz als vermeintlich Rechter identifiziert. Unwissentlich hatte ich ein T-Shirt einer Marke an, die von ein paar Leuten mit der rechten Szene in Verbindung gebracht wurde. Im direkten Gespräch konnte die Sache aber schnell geklärt werden. Der Links-Grün versiffte mit rechtem Shirt beim PunkRock Frühschoppen war dann doch in Ordnung.
Ohne Kunst und Kultur wird es still
So war das Statement der Kulturszene während der Corona Pandemie. Und das wird sich umso mehr bewahrheiten, wenn die „rechtsextremistische Pandemie“ weiter voranschreitet. Fast alle Kulturorte bekommen staatliche Förderungen in den verschiedensten Formen. Eine rechtsextremistische Regierung wird diese Förderungen als Erstes streichen, denn mit Meinungsfreiheit ist ausschließlich deren eigene Meinung gemeint.
Mir stellt sich bei diesen Diskussionen die Frage, warum Wähler, die der AfD ihre Stimme geben wollen, zu ganz klar im linken Spektrum verorteten Veranstaltungen gehen wollen.
Linke Veranstaltungsorte, Vereine und Initiativen werden in den Hochburgen der AfD bereits jetzt massiv bedrängt. Das wird auch hier in Hannover passieren. Was wäre die Stadt ohne FAUST, Glocksee, Chéz Heinz, Kornstraße und all die anderen Clubs? Was dürften Oper und Schauspielhaus dann noch auf die Bühne bringen? Wagner 24/7?
Sollen die Wähler vom rechten Rand doch auch so leben, wie sie es wollen, und zu Rechtsrock Konzerten gehen. Ihr Pech! Oma hätte dazu gesagt: „Böse Menschen haben keine Lieder!“