Es ist ja so einfach: Da ploppt auf einer digitalen Plattform die Werbung einer Modemarke auf. Der Stil passt, natürlich, den Algorithmen sei Dank. Mitten in der Nacht und vom Sofa aus lässt sich alles bestellen, wird direkt an die Haustür geliefert. Bequem, aber irgendwie freudlos. Da hat das wahre Leben doch mehr auf Lager: Freundin treffen, Kaffee trinken, danach durch die Innenstadt schlendern, hier und dort haltmachen, dies und das anprobieren – danach mit vollen Tüten stolz die Schätzchen nach Hause bringen.
Das funktioniert immer noch, auch wenn der Siegeszug des Online-Handels zum Nachteil der stationären Geschäfte nicht mehr aufzuhalten ist. Die Zeit zurückdrehen will auch kaum jemand, aber darauf achten, dass das reale Miteinander nicht ganz verloren geht, sollten wir schon. Insofern war es diese Woche keine gute Nachricht, Kostenpflichtiger Inhalt dass die Filiale von P&C an der oberen Hindenburgstraße bald schließen wird.
Karstadt und Kaufhof auch weg
Wieder ein Angebot weniger in Mönchengladbach – so viele sind zuvor schon verschwunden: große Kaufhäuser wie Kostenpflichtiger Inhalt Karstadt und Kostenpflichtiger Inhalt Kaufhof ebenso wie inhabergeführte Traditionsläden. Immer mehr Leerstand prägt die beiden einst so lebendigen Innenstädte in Gladbach und Rheydt. Seit Jahrzehnten gibt es im Rathaus unter wechselnden politischen Flaggen Versuche, den Trend aufzuhalten oder gar umzukehren. Gerade soll das Zentrenkonzept von 2017 neu aufgelegt werden, um die aktuelle Situation abzubilden und besser steuern zu können.
Die Möglichkeiten einer Kommune sind begrenzt, denn Entscheidungen von Filialisten werden meist andernorts in den Zentralen entschieden. Kostenpflichtiger Inhalt Aber das Beispiel Sinn hat gezeigt, dass es geht: Das Textilhaus hatte zwar seinen Standort an der oberen Hindenburgstraße aufgegeben (das Gebäude steht noch immer leer), ist aber immerhin in der Stadt geblieben. Im unteren, besser frequentierten Bereich der Einkaufsstraße füllte Sinn den durch den Weggang von Kaufhof entstandenen Leerstand. Auch Rathaus und Wirtschaftsförderung hatten daran ihren Anteil.
Peek & Cloppenburg braucht Ausweichstandort
Solches Engagement ist nun auch bei P&C nötig. Zwar steht der Modekonzern aus Düsseldorf ebenfalls immer stärker unter dem Druck des Marktes, überlegt genau, welche Filialen rentabel sind und welche nicht. Dass Peek & Cloppenburg den aktuellen Standort verlässt, heißt aber nicht zwingend, Mönchengladbach den Rücken zu kehren. Der Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus. Nun ist es an der Stadt, akzeptable Alternativen zu bieten, um das Unternehmen zu halten.
Dass das sinnvoll ist, liegt auf der Hand. Wer dem Sterben der Innenstädte ernsthaft gegensteuern will, sollte zwar nicht einzig auf Handel setzen – dessen einstige Glanzzeit kehrt nicht mehr zurück –, muss ihn aber so lange wie möglich einbinden und halten. Schließlich kann nicht alles, was leer steht, in Grünflächen, Senioren- oder Studentenwohnen verwandelt oder mit Imbissbuden und Billig-Friseuren gefüllt werden. Eine lebendige Stadt braucht ein breites Angebot und keine Lückenfüller. Sonst werden die Umsätze dort gemacht, wo die Konzepte kreativer und den Bedürfnissen der Menschen mehr entsprechen.