Hafen Kiel
Auf der Jagd nach Zigaretten, teuren Taschen und Walsalami
Aktualisiert am 08.08.2026 – 11:54 UhrLesedauer: 4 Min.
Beamten kontrollieren einzelne Passagiere. (Quelle: Frank Molter/dpa/dpa-bilder)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1x
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
Am Kieler Hafen warten die Zöllner schon, bevor die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Was sie dabei finden, reicht von Zigaretten bis zu verbotener Walsalami.
Als sich das große Kreuzfahrtschiff noch für das Anlegemanöver in Kieler Hafen in Position manövriert, sind Dennis Dieckmann und Martin Rosburg längst startbereit. Die beiden Zöllner stehen unentdeckt hinter dem Terminal am Ostseekai. Während für 2.500 Passagiere der „AIDAbella“ an diesem Sommermorgen ihre Kreuzfahrt endet, beginnt für die beiden Kieler Zöllner erst die Arbeit. Aufmerksam verfolgen sie im Trubel der Abreise, wie Urlaubende ihre Koffer nehmen. „Letztendlich kann man den Schmuggler gar nicht erkennen, das ist unmöglich“, sagt Rosburg.
Acht Beamte kontrollieren, ob Crew und Passagiere des aus Großbritannien kommenden Schiffes versuchen, Zollbeschränkungen zu unterlaufen und mehr als eine Stange Zigaretten, mehr als einen Liter Alkohol oder Neuwaren im Wert von mehr als 430 Euro im Gepäck haben. „Wir haben es nicht gewusst, uns wurde gesagt, wir dürften mehr mitbringen“, das seien häufig gehörte Ausreden, sagt Rosburg. Der 53-Jährige und seine Kollegen sprechen jeder mindestens 20 Passagiere an. Meist geht es dabei freundlich zu, nur vereinzelt reagieren Menschen genervt.
Was der Zoll meist entdeckt
2025 liefen 187 Kreuzfahrtschiffe den Kieler Hafen an. Dabei wurden 1,11 Millionen Passagiere abgefertigt. „Insbesondere bei allen Kreuzfahrtschiffen mit Drittlandsbezug führt der Zoll Kontrollen durch“, sagt Zollsprecherin Gabriele Oder. Das sind alle Staaten, die nicht der EU angehören wie beispielsweise Norwegen. Meist geht es bei Kontrollen zu wie an diesem Morgen am Ostseekai. „Je nach Lage und Erkenntnissen können die Kontrollen aber auch deutlich umfangreicher ausfallen“, sagt Oder.
Jeder Zöllner habe eine andere Taktik, sagt Rosburg. Freundlich weist er eine Familie mit Einkaufstaschen und Koffern auf den mobilen Röntgenscanner vor dem Gebäude hin und fragt, ob sie dennoch bei ihrer Aussage blieben, nichts anmelden zu müssen. Der Scanner ist technisch vergleichbar mit einem Gerät am Flughafen, der Beamte am Kontrollbildschirm kann mit dessen Hilfe zwischen der Kleidung Zigaretten, Alkohol oder auch schlimmere Dinge erkennen, auch Schicht für Schicht. Das Gerät ist so groß, dass auch eine Waschmaschine oder eine Couch durchpassten, wie ein Beamter erklärt.
Rosburg tritt freundlich an die Urlauber heran, er kontrolliert seit Jahren immer wieder Kreuzfahrtouristen. „Das Bauchgefühl muss passen“, sagt der Norddeutsche. Er stelle taktische Fragen. „Wenn die Leute sich nicht eine komplette Legende aufgebaut haben, verhaspeln sie sich.“ Auffällige Tüten mit Aufdrucken teurer Marken wie Rolex oder Louis Vuitton seien ein Anlass zur Kontrolle. Wer im Vuitton-Shop in Norwegen eine Tasche kaufe, liege schnell über der Reisefreimenge. Findet der Zöllner im Koffer noch die Rolex-Verpackung samt Rechnung, hilft es auch nicht, die Uhr bereits am Handgelenk zu tragen.
