Karlsruhe. Der Rahmen im Wildpark war prächtig. 29.886 Zuschauer sorgten bei bestem Wetter für die passende Kulisse beim Debütantenball vom neuen Arminia-Cheftrainer Oliver Kirch und dessen Gegenüber Maximilian Senft. Zum Auftakt der Zweitligasaison standen die beiden Coaches im Auswärtsspiel des DSC beim Karlsruher SC erstmals im Unterhaus an der Seitenlinie. Für Kirch war es sogar das erste Pflichtspiel als Cheftrainer einer Profimannschaft überhaupt. Eine Premiere, die der 43-Jährige wohl nicht in allzu guter Erinnerung behalten wird. Denn die Bielefelder legten mit dem 1:2 (0:1) einen Fehlstart hin und verhagelten ihrem Chef das Debüt.
Personelle Überraschungen hatte Kirch in Karlsruhe nicht in petto. Gegen den KSC lief exakt jene Elf auf, die auch im Härtetest bei Standard Lüttich (0:1) begonnen hatte. In der Innenverteidigung bekam Maximilian Großer gegenüber Joel Felix den Vorzug. Sam Schreck setzte sich gegen Marvin Mehlem durch. Damit saßen zwei Mitglieder des neuen Mannschaftsrats nur auf der Bank.
Von dort beobachtete das Duo, wie die Gastgeber besser ins Spiel fanden und das Heft des Handels direkt in die Hände nahmen. Der KSC drückte die Ostwestfalen in die eigene Hälfte, doch Arminia hielt dagegen. Nach erfolgreichem Pressing landete der Ball bei Jannik Rochelt, der nicht lang fackelte und aus gut und gerne 25 Metern sofort abzog. Keeper Hans Christian Bernat war schon geschlagen, war allerdings mit dem Glück im Bunde. Der Ball klatschte an die Latte.
Arminia lässt wieder Chancen liegen
Nach einer Viertelstunde meldeten sich auch die Badener an. Moritz Broschinski bediente nach einer Ballstafette den aufgerückten Sebastian Jung rechts im Strafraum. Beim wuchtigen Schuss des Außenverteidigers riss Schlussmann Jonas Kersken gerade noch die Fäuste nach oben.
Der KSC hatte in der Folge weiter mehr vom Ball, Arminia lauerte auf Umschaltmomente. Ein solcher bot sich in der 32. Minute. Kersken machte mit einem weiten Abschlag das Spiel schnell und schickte Rochelt auf die Reise. Der auffälligste Armine der ersten 45 Minuten fand mit seiner präzisen Hereingabe Monju Thaddäus Momuluh im Zentrum, der freistehend über das Tor köpfte – da war mehr drin! Da war wieder das alte Leid der Arminen: die mangelnde Effizienz.
Und die Karlsruher bestraften das gnadenlos. Ein hoher Ballgewinn und eine gute Idee von Marvin Wanitzek setzten Broschinski rechts im Sechzehner in Szene. Der Mittelstürmer ließ Maximilian Großer ins Leere rutschen und vollendete Flach zur 1:0-Führung (35.).
Arminias Rochelt ist doppelt im Pech
Arminia war nun um eine schnelle Antwort bemüht und bekam kurze Zeit später die dicke Chance zum Ausgleich. Der einzige Sommerneuzugang Henri Koudossou flankte auf Rochelt, der den Ball unorthodox mit der Schulter an die Latte bugsierte (37.). Bereits der zweite Aluminiumtreffer für den 27-Jährigen. So ging es mit einem knappen 0:1-Rückstand in die Halbzeitpause.
Mit Wiederbeginn nahm Kirch den gelb-rot-gefährdeten Schreck vom Platz und brachte Benjamin Boakye in die Partie. An den Spielanteilen änderte das jedoch zunächst wenig. Der KSC war das bestimmende Team und hatte durch den Kopfball von Paul Scholl die Gelegenheit auf das 2:0. Von den Arminen kam dagegen viel zu wenig. Erst in der 72. Minute sorgte Stefano Russo wieder für Torgefahr, setzte seinen Kopfball im Anschluss an einen Eckball aber nur an das Außennetz.
Auf der Gegenseite arbeiteten die Hausherren an der Vorentscheidung. In der 76. Minute hatte der DSC noch Glück, dass Wanitzek per Direktabnahme nur die Latte traf. Wenige Minuten später war es dann passiert. Der Karlsruher Kapitän schlug eine Ecke von der rechten Seite, Arminia-Keeper Kersken irrte im Strafraum umher und Broschinski köpfte zum 2:0 ein (78.).
Mehlem antwortet postwendend auf das 0:2
Die Entscheidung? Von wegen. Mit dem Rücken zur Wand bäumte sich Arminia noch einmal auf. Der eingewechselte Isaiah Young bediente den ebenfalls eingewechselten Marvin Mehlem und der vollendete flach zum 1:2 (80.). Der DSC war wieder im Spiel und wollte nun den Ausgleich. Boakye scheiterte jedoch aus spitzem Winkel an Bernat (84.). Mehr kam von den Bielefeldern allerdings nicht, weshalb unter dem Strich eine nicht unverdiente Niederlage und der Fehlstart in die Saison 2026/27 standen.
Am kommenden Wochenende (Sonntag, 13.30 Uhr) ist Arminia im Heimspiel gegen Aufsteiger Energie Cottbus schon unter Zugzwang.