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Wolgast – Offener Brandbrief an den Verteidigungsminister! Der Wolgaster Bürgermeister Martin Schröter (62, parteilos) geht nach dem Stopp des milliardenschweren Fregatten-Projekts F126 auf die Barrikaden. In einem persönlichen Schreiben an Boris Pistorius (66, SPD) warnt er vor einer „wirtschaftspolitischen Katastrophe“ für seine Stadt und fordert einen schnellen Ersatzauftrag für die Peene-Werft.

Die Werft in der Hafenstadt vor den Toren Usedoms gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. Umso größer war der Schock, als das Verteidigungsministerium die Entscheidung traf, das Projekt über Nacht zu stoppen: „Das hat uns alle echt schockiert! Sie hat Rheinmetall kalt erwischt, sie hat unsere Landesregierung kalt erwischt und unsere Werft sowieso“, sagt Schröter in BILD. In das Projekt sind bereits 2,3 Milliarden Euro geflossen. Für Schröter geht es nicht nur um die Werft selbst. An ihr hängen Zulieferer, Dienstleister und Hunderte Arbeitsplätze. Es drohen Steuerausfälle in Millionenhöhe.

Schock an der Peene: An der Hightech-Werft hängen hunderte Arbeitsplätze und Millionen an Steuereinnahmen

Schock an der Peene: An der Hightech-Werft hängen Hunderte Arbeitsplätze und Millionen an Steuereinnahmen

Foto: Stefan Sauer/dpa

Berlin macht sich keine Gedanken über die Folgen

Besonders bitter: Für Wolgast wäre es bereits die zweite schwere Werften-Krise binnen weniger Jahre. 2018 stoppte die Bundesregierung nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi sämtliche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Die Peene-Werft sollte unter dem damaligen Eigentümer Lürssen 35 Küstenwachboote bauen. „Jetzt zieht die nächste Bundesregierung den Stecker. Das ist Wahnsinn“, sagt er zu BILD.

Besonders verärgert den Bürgermeister die Kommunikation aus Berlin. „Über die Folgen macht man sich überhaupt keine Gedanken!“ Es sei nicht einmal das Bundeswirtschaftsministerium vorab informiert gewesen.

Künftig soll die Fregatten-Serie F126 nicht mehr in der Peene-Werft gebaut werden

Künftig soll die Fregatten-Serie F126 nicht mehr in der Peene-Werft gebaut werden

Foto: DAMEN Naval/Bundeswehr

Der ursprüngliche Fregattenauftrag lag noch bei der damaligen Lürssen-Gruppe. Nach dem Verkauf der Marinesparte übernahm Rheinmetall den Standort samt Auftragsbestand. Nun sollen stattdessen neue Fregatten-Projekte bei Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) landen. Warum künftig woanders gebaut werden soll, versteht Schröter nicht.

Um Kurzarbeit zu verhindern, fordert er schnell einen neuen Auftrag der Marine. „Das macht man einfach nicht mit Menschen, dass man die so im Stich lässt. Das ist schäbig!“, sagt er gegenüber BILD. Eine persönliche Antwort von Pistorius auf seinen Brandbrief hat Schröter nach BILD-Informationen bis heute nicht erhalten.