Berlin – Die Frau, deren Sohn den Terror nach Berlin gebracht hat, sitzt an einem Nachmittag in dieser Woche auf der Couch ihrer Dreizimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus in Tiergarten. Sie zeigt auf das Display ihres Smartphones.
Mehrere verpasste Anrufe. Alle vom Abend des 25. Juli. Alle vom selben Menschen: ihrem Sohn Abdul Ballout (21). B.Z. traf die Mutter vom CSD-Terroristen. Eine Frau, die nicht wahrhaben will, was ihr Sohn getan hat. Er ermordete eine Frau, verletzte 31 Menschen. Die Mutter sagt dennoch: „Er war ein guter Mensch.“
Ballout wechselte mehrfach seine Handynummer
Wenn sie über die Tage vor dem Anschlag spricht, fällt immer wieder dasselbe Wort: Angst. Ihr Sohn habe sich in den Tagen vor der Tat verändert. Er habe nervöser gewirkt, angespannter, unruhiger. Vor allem habe er begonnen, ständig seine Telefonnummer zu wechseln. Mindestens fünfmal innerhalb von zehn Tagen. „Warum wechselst du denn schon wieder deine Nummer?“, habe sie ihn gefragt.

Unmittelbar nach der Tat fahndete die Polizei öffentlich nach dem flüchtigen Ballout
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Seine Antwort sei immer dieselbe gewesen. Er fühle sich verfolgt und nicht mehr sicher. Für die Mutter ergibt das bis heute keinen Sinn. Ballouts Mutter beteuert, nichts von Tatvorbereitungen mitbekommen zu haben.
Er schrieb „Esst schon mal“, dann brach er zum Anschlag auf
Für den Abend des Anschlags sei ein Familientreffen geplant gewesen. Abdul Ballout habe die Wohnung vorher verlassen. Dann häufen sich plötzlich die Anrufe. Um 17.10 Uhr meldete sich Ballout erstmals bei seiner Mutter. Eine Stunde später rief er erneut an. Dann wieder. Jedes Mal, erzählt sie, habe dieselbe Frage im Mittelpunkt gestanden: „Geht es dir gut?“ Das habe er sonst nie gemacht, sagt sie.

Bevor er zum Anschlag aufbrach, schickte der Terrorist um 20.27 Uhr an seine Mutter die Nachricht: „Esst schon mal“
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Nach einem der Gespräche erscheint eine kurze Nachricht auf ihrem Handy. „Pass auf dich auf.“ Um 20.27 Uhr schickte er seiner Mutter die Nachricht: „Esst schon mal“. Danach brach er zum Anschlag auf.
Mehr zum ThemaLetzter Anruf: „Bring meine Mutter in Sicherheit“
Um kurz vor 22 Uhr erreicht den Lebensgefährten der Mutter ein weiterer Anruf. Es seien die letzten Worte gewesen, die Ballout bewusst an seine Familie richtete: „Bring meine Mutter in Sicherheit.“ Bis heute beschäftigt sie dieser Satz. Wenige Minuten später lenkte er den Citroën-Transporter von der Lennéstraße in die Menschenmenge im Tiergarten.

Mit diesem gemieteten Citroën-Transporter fuhr Ballout gezielt Menschen um
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Kurz darauf habe sie im Flur der Wohnung den Mietvertrag eines Kleintransporters gefunden. Ihr Sohn war als Mieter eingetragen. „Da wusste ich sofort, dass das nichts Gutes bedeutet“, sagt die Mutter. Sie sei zur Polizei gefahren, stundenlang vernommen worden. Am nächsten Tag erfuhr sie, dass die Polizei ihren Sohn in einer Spandauer Laubenkolonie erschossen hat.

Den Mietvertrag für das Auto, mit dem Ballout denAnschlag verübte, fandseine Mutter im Flur
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Seither sitzt Ballouts Mutter Stunde um Stunde in ihrer Berliner Wohnung und sucht nach Erklärungen. Vom Zerrbild ihres Sohnes, des guten Jungen, der eine Familie gründen wollte, kann sie sich nicht lösen.
Julia Zabert ist Volontärin für das Global Reporters Network an der Axel Springer Academy. Die Academy bildet die nächste Generation führender Journalistinnen und Journalisten aus. Praxisnah, innovativ und mit klarem Fokus auf die Zukunft des Journalismus. Mehr Infos unter axelspringeracademy.com.
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