Die archäologischen Ausgrabungsarbeiten auf der Theaterbaustelle sind abgeschlossen. In den zurückliegenden acht Jahren wurden hier bedeutsame Funde aus über 2000 Jahren Augsburger Geschichte entdeckt, teilt die Stadt mit. Zu den wichtigsten Funden gehören demnach Relikte einer römischen Siedlung, die sich entlang der damaligen Fernhandelsstraße nach Gallien und Hispanien erstreckte. Davon konnten Überreste der Straße und der Wasserleitung, von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Stallungen, Keller, Zisternen, Brunnen und Latrinen, sowie mehrere Körperbestattungen freigelegt werden. Dabei wurden auch zahlreiche bewegliche Gegenstände geborgen: Keramik- und Glasgefäße, Öllämpchen, Schlüssel, Schmuck und Münzen.

Acht Jahre dauerten die Arbeiten der Archäologen an der Theaterbaustelle: Dabei kamen aus dem Mittelalter Stadtbefestigungsanlagen des 12. und 13. Jahrhunderts in einem „außergewöhnlich guten Erhaltungszustand“ ans Licht. Aus der jüngeren Geschichte wurden die Kellergeschosse des Kornstadels ausgegraben, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Vorgängergebäude an der Stelle des Großen Hauses stand. Vom ersten Theaterbau von 1877, der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, fanden die Stadtarchäologen Teile des Fassadenschmucks und die Überreste des westlich des Theaters gelegenen Neptunbrunnens.

Wehrmauern der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 13./14. Jahrhundert mit Wehrturm (rechts) und späterer Wehrgrabenbefestigungsmauer (oben im Bild).

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Wehrmauern der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 13./14. Jahrhundert mit Wehrturm (rechts) und späterer Wehrgrabenbefestigungsmauer (oben im Bild).
Foto: Günter Fleps, Stadtarchäologie

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Wehrmauern der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 13./14. Jahrhundert mit Wehrturm (rechts) und späterer Wehrgrabenbefestigungsmauer (oben im Bild).
Foto: Günter Fleps, Stadtarchäologie

Alle Befunde und Funde wurden von den Mitarbeitern kartiert, dokumentiert und im Zentraldepot der Stadtarchäologie im Textilviertel eingelagert. Als nächste Schritte folgen nun die archäologische Auswertung und der wissenschaftliche Abschlussbericht, der als Grundlage für weitere Forschungen in der Zukunft diene. Günther Fleps, wissenschaftlicher Leiter der Grabungen, betont: „Das war aufgrund der gewaltigen Ausmaße und der Komplexität eine der herausforderndsten Ausgrabungen, die wir in der Stadt Augsburg in den zurückliegenden drei Jahrzehnten durchgeführt haben.“

Im August wird ein mittelalterlicher Keller durch eine Einhausung geschützt

Eine Arbeit steht noch bevor: Als letzte Vorbereitung der Baugrube für das neue Betriebsgebäude (Bauteil II) des Staatstheaters wird im August ein tief reichender mittelalterlicher Keller auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters Heilig Kreuz mit einer Einhausung geschützt. Er enthalte eine außergewöhnlich gut erhaltene Fundschicht mit organischen Materialien wie Leder- und Holz. Solche Funde wären archäologisch besonders wertvoll, da sie nur unter speziellen, feuchten Bedingungen und ohne Luftkontakt über Jahrhunderte erhalten blieben, heißt es in der Mitteilung. „Eine Bergung würde nicht nur einen erheblichen finanziellen, zeitlichen und konservatorischen Aufwand verursachen, sondern die empfindlichen Funde auch dem Risiko des schnellen Zerfalls durch Luftkontakt aussetzen“, so Günther Fleps. Um diesen Befund dauerhaft zu schützen, verbleibt die Fundschicht im Boden. Die rund 8,5 mal 5 Meter große Fläche wird mit Bohrpfählen umringt, die zehn Meter tief reichen, und mit einer etwa einen Meter dicken Stahlbetonplatte nach oben abgedeckt. Anschließend kann das künftige Betriebsgebäude an dieser Stelle sicher gegründet werden.

Die letzten Arbeiten an der Baugrube neben dem Großen Haus werden im August vorgenommen. Dann kann das künftige Betriebsgebäude an dieser Stelle gegründet werden.

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Die letzten Arbeiten an der Baugrube neben dem Großen Haus werden im August vorgenommen. Dann kann das künftige Betriebsgebäude an dieser Stelle gegründet werden.
Foto: Miriam Zissler

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Die letzten Arbeiten an der Baugrube neben dem Großen Haus werden im August vorgenommen. Dann kann das künftige Betriebsgebäude an dieser Stelle gegründet werden.
Foto: Miriam Zissler

Das Ottmarsgässchen muss im August ein paar Tage für den Autoverkehr gesperrt werden

Für die Einhausung wird im Zeitraum von 17. bis 25. August das Ottmarsgässchen zwischen Einmündung in die Volkhartstraße bis einschließlich Hausnummer 7 für den Autoverkehr gesperrt. Der Platz wird für einen Autokran benötigt, der das notwendige Bohrpfahl-Gerät und Baumaterial in die Baugrube hebt. Die Zufahrt zu den Grundstücken ist über die Heilig-Kreuz-Straße möglich. Ein Durchgang für Fußgängerinnen und Fußgänger ist auf der Nordseite des Ottmarsgässchens weiterhin möglich.

Mit dem Abschluss der archäologischen Untersuchungen und Ausgrabungsarbeiten ist der Weg für die Hochbaumaßnahmen im Zuge der Generalsanierung des Staatstheaters frei. Demnach wird in 16 Metern Tiefe ab Ende Oktober/Anfang November die Bodenplatte mit 4.400 Quadratmetern für den Neubau des Betriebsgebäudes (Bauteil II) gegossen, das in den folgenden Monaten mit zwei Kellergeschossen und fünf oberirdischen Etagen in die Höhe wächst. Hier entstehen die Werkstätten, Probebühnen, Lagerflächen und Verwaltungsbereiche, die für den täglichen Betrieb des Staatstheaters notwendig sind. Damit bildet das Betriebsgebäude künftig das Rückgrat für den Betrieb des Staatstheaters.

Visualisierung des Betriebsgebäudes, das zwischen Großem Haus und Kloster Heilig-Kreuz entsteht.

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Visualisierung des Betriebsgebäudes, das zwischen Großem Haus und Kloster Heilig-Kreuz entsteht.
Foto: Architekturbüro Henn

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Visualisierung des Betriebsgebäudes, das zwischen Großem Haus und Kloster Heilig-Kreuz entsteht.
Foto: Architekturbüro Henn

Die zweite Spielstätte, das Kleine Haus (Bauteil II), wird laut der Mitteilung ab Frühjahr 2027 auf dem fertiggestellten Keller an der Volkhartstraße parallel zum Betriebsgebäude in die Höhe gebaut. Ziel sei, die beiden Neubauten bis 2030 baulich fertig zu stellen und zuvor die Sanierung des Großen Hauses (Bauteil I) 2029 zu beenden. Im Anschluss erfolge jeweils die Übergabe an das Staatstheater Augsburg, das die Gebäude dann für die Nutzung als Theater einrichtet und den Zeitpunkt für die Inbetriebnahme bestimmt.