Das Münchner Oktoberfest beginnt in diesem Jahr am 19. September. Die Werbung für das bekannteste Volksfest der Welt – die hat aber schon begonnen. Die Wiesn-Wirte haben bereits ihren Sammler-Krug präsentiert. Die Bräurosl – quasi eine Werbe-Repräsentantin für das gleichnamige Zelt – ist gekürt. Und jetzt steht auch das „Liad für d’Wiesn“ 2026 fest, so etwas wie eine behördlich beglaubigte Gröl-Vorlage für die 16 Feiertage.
Den Liad-Wettbewerb gibt es seit 2025. Initiiert wird er von der Landeshauptstadt München. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft ließ zum Start wissen, dass es „mit neuen Ritualen das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die kulturelle Verwurzelung des größten Volksfestes der Welt richten“ wolle. Die „Marke Oktoberfest“ stehe für „traditionell, bayerisch/münchnerisch und einmalig“: „Das soll sich auch in der Musik wieder stärker finden.“
115 Einreichungen gab es zur Premiere. Mehr als 13 000 Menschen beteiligten sich am Online-Voting. Am Ende setzte sich Fenzl mit „Bierdringa“ durch vor Saustoimusi mit „Käferbam“ und Matakustix mit „Hüttenliebe“. Christian Scharpf (SPD), Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef, ließ sich damals mit den Worten zitieren: „Das Ergebnis der Abstimmung war knapp und zeigt die hohe Qualität unseres Wettbewerbs.“
Die ersten Zeilen des Siegerliedes 2025: „Heid geh ma no a Bier dringa. // Geh, sog da Resi, dass ma sicher kemman. // Wos dat denn sonst der Wirt denga, // wenn mir heid miteinander ned amoi a Bier dringan?“ Ein echter Zelt-Hit wurde die Nummer auf Anhieb nicht.
In diesem Jahr wurde der Wettbewerb neu aufgelegt – mit steigender Beteiligung: 122 eingereichte Songs, insgesamt 72 000 abgegebene Voten. Unterstützt wird der Wettbewerb vom Radiosender Antenne Bayern, vom Blasmusik-Festival Brass Wiesn, dem Verein der Münchner Brauereien, dem Festring München und der Vereinigung der Münchner Wiesnwirte. Avantgardistische Töne sollte deshalb niemand erwarten.
Laut Ausschreibung muss der Song live- und Wiesn-Kapellen-tauglich sein: „Die Texte sollen einfach, eingängig und leicht zu merken sein.“ Diskriminierende, beleidigende oder rechtswidrige Inhalte sind verboten, Bezüge zum „Bayerischen/Bairischen, also zu Regionen, in denen bairische Dialekte gesprochen werden“, hingegen ausdrücklich erwünscht.
All das vorbildlich erfüllt hat offenkundig die Band Troglauer aus der Oberpfalz, die ihren Musikstil selbst als „Heavy Volxmusic“ bezeichnet. Ihr Lied „Bierzelt Legende“ fand rund 22 000 Stimmen. Stilistisch knüpft der Text an den Vorjahressieger an, unter einer etwas stärkeren Betonung der ruralen Elemente der bayerischen/bairischen Feierkultur.
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Textauszug: „Wir brauchen keine Palmen, keine Insel, keinen Strand. // Machen Party auf dem Acker, // ham a Bier in jeder Hand. // Bei uns ist es entspannt. // So wird gefeiert auf dem Land. // So jung wie heut komm mer nimmer zam.“ Refrain: „Auf einem Feld, // da steht ein Zelt. // Wir ziehen durch bis Ende Gelände. // Unser Zuhause, unsere Welt, wir sind Bierzelt Legende.“
Acker? Land? Nicht alles passt wirklich zur Wiesn. Aber wer wird bei einem so großen Fest mit einer derartigen Integrationskraft kleinlich sein wollen, schließlich wird auf der Theresienwiese jedes Jahr auch selbstverständlich aus zigtausenden Kehlen „Da simmer dabei, dat is prima!“ (Viva Colonia/De Höhner) gegrölt wird oder „Angels“ von Robbie Williams.
Der äußerst Blasmusik-versierte Wiesn-Chef Christian Scharpf jedenfalls ist zufrieden. „Bierzelt Legende“ transportiere „die bayerische Lebensfreude und vui Gfui“, lässt er sich zitieren. Viel Gefühl, also. Bei Troglauer klingt das so: „Wir brauchen gute Musi, gute Laune und an Durst. // Eine Plane über’n Kopf – und alles andre ist uns wurst.“