Im grünen Wuppertal sind Kleingartenanlagen über die gesamte Stadt verteilt. Im Stadtverband der Gartenfreunde Wuppertal sind insgesamt 116 Kleingartenvereine vertreten und knapp 6680 Mitglieder. Damit ist er der zweitgrößte Mitgliedsverband im Landesverband Rheinland. Ein Kleingarten hat schon immer Arbeit mit sich gebracht, aber mit der vermehrt auftretenden Trockenheit und damit verbundenen Hitzeereignissen wachsen die Herausforderungen für die Pächterinnen und Pächter enorm.
Kakteen und Südfrüchte statt gewohnter Klassiker
Betritt man beispielsweise den „KGV Cronenberg“ auf den Südhöhen, so fehlt die zu erwartende Farbenpracht des Sommers. Die Rasenflächen zeigen nur wenig Grün, die Beete wirken mitgenommen und die Trockenheit scheint einen bleichen Schleier über die sonst bunten Gärten zu legen.
Regenwasser zum Gießen ist zur Mangelware geworden, wie Jörg Staßen, der stellvertretende Vorsitzende des Kleingartenvereins an der Solinger Straße, erklärt. Es komme nur noch gezielt zum Einsatz bei Anbauflächen beziehungsweise Nutzbereichen und vereinzelten Blühern. Mit dem Gießen verbringt er derzeit dennoch zwei Stunden am Tag, da er seinen Garten zuhause, den gepachteten und noch zwei weitere von Mitgliedern, die sich gerade im Urlaub befinden, versorgt. Wenn sich während der Urlaubszeit keiner kümmere, wären die Folgen fatal. Doch die Reserven in den Regentonnen gehen zunehmend zur Neige. Manche haben sogar aufblasbare Planschbecken aufgestellt, um zusätzliches Regenwasser aufzufangen.
In den vergangenen Jahren habe sich einiges durch die stärkeren Trockenheits- und Hitzephasen verändert. Die Anzahl der kleinen Pools und Becken sei stark gestiegen, mit Regentonnen wurde schwer aufgerüstet und auch die Pflanzen haben sich verändert. Zur Zierde sind nun mehr Kakteen zu sehen und beim Anbau habe man sich von dem Klassischen entfernt. Inzwischen seien Südfrüchte, Feigen oder gar Melonen vermehrt zu sehen.
Das Kleingartenwesen befindet sich im Wandel
Die Folgen des Klimawandels haben zahlreiche Auswirkungen auf die Kleingartenkultur, wovon Sabine Blott, Vorsitzende des Wuppertaler Stadtverbandes der Gartenfreunde zu berichten weiß. Es fängt bei der Art der Kultivierung von Nutz- und Zierpflanzen an. So wisse inzwischen fast jeder Pächter, dass ein unbedeckter Boden schnell austrocknet. „Deshalb sollte der Boden immer bedeckt sein, es wird gemulcht mit Rasenschnitt, Stroh, Laub oder Holzhäckseln. Gründüngung und bodenbedeckende Pflanzungen erfüllen denselben Zweck“, erklärt Blott. Die regelmäßige Einarbeitung von im Garten selbst produziertem Kompost spiele nicht nur für die Nährstoffversorgung der Pflanzen eine Rolle. Heute sei es vordergründig, dass humusreiche Böden deutlich mehr Wasser speichern als andere.
Auch sie erklärt, dass vermehrt auf trockenheitsverträgliche Zierpflanzen, Obstsorten und robuste Gemüsesorten geachtet werde und fügt der Aufzählung von Staßen noch Olivenbäume und Bananenstauden hinzu. Gewächse, die vor einigen Jahren in unseren Breiten eine Seltenheit waren.
Zunehmend werden besondere Methoden notwendig zum Hitzeschutz. Junge Obstbäume werden mit Weißanstrich geschützt und Tomaten, Gurken oder Salate mit leichten Schattiernetzen.
Wie Blott erklärt, verändern sich auch zunehmend die Wegenetze in den Anlagen. Man gehe weg von verdichteten Flächen hin zu wasserdurchlässigen, begrünten Wegflächen.
Die erwähnten und weitere Maßnahmen für ein klimagerechtes und -angemessenes Gärtnern seien in Richtlinien noch nicht vollständig formuliert. Das Wissen darum werde neben den erfahrenen Gärtnern durch die zahlreichen „Fachberater“, die laut Bundeskleingartengesetz jedem Vorstand eines KGV beratend zur Seite stehen sollen, an die Pächter weitergegeben.
Direkte Anordnungen bezüglich eines klimagerechten Gärtnerns gebe es in direkter Form nicht. Eine neue Gartenordnung, der jeder Kleingärtner und jede Kleingärtnerin in Wuppertal mit der Pacht eines Gartens unterworfen ist, werde in Zusammenarbeit mit der Stadt gerade erstellt, wie Blott ausführt. Diese enthalte viele Aspekte des naturnahen Gärtnerns und des Umweltschutzes.
Interessierte Pächter haben hinzu die Möglichkeit, die Fortbildungen des Stadtverbands der Gartenfreunde zu nutzen, die jedem Kleingärtner kostenfrei offenstehen.